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Weder zuwenig noch zuviel

 

Ajahn Munindo

Das Herz, das sich dem Weg der Transformation verschrieben hat, überspringt nichts, umgeht nichts und weist nichts zurück.

Wenn wir über unseren Weg als einen Weg der Transformation sprechen, dann bekommen wir ein Gefühl dafür, daß unsere spirituelle Praxis alle Aspekte unseres Lebens einschließt. Alles was passiert, ist Teil unserer spirituellen Arbeit, wird angenommen und freundlich aufgenommen. Ich finde es erhebend, sich das vor Augen zu halten.

Als Buddhisten betrachten wir ein Herz, das sich der Umwandlung von Gier, Haß und Verblendung in Großzügigkeit, Freundlichkeit und Klarheit verschrieben hat, als ein Herz, das Segen verbreitet. Dieser Segen kommt allen Wesen zugute. Und weil wir daran arbeiten, unser gesamtes Leben zu transformieren, müssen wir uns vor keinem Teil unserer selbst fürchten. Was wir auch in uns finden - es ist okay. Alles muß als ein Teil des Weges gesehen werden. Es ist da, damit es gesehen wird. Mit Buddhas Worten gesprochen geht es bei diesem Weg darum, „die ganze Welt zu erkennen, genau so, wie die Welt eben ist und in dieser Erkenntnis Freiheit zu finden.“
Wenn ich über unsere spirituelle Praxis rede, dann spreche ich lieber von Umwandlung oder Transformation als von Transzendenz. Der Begriff der Transzendenz kann dazu führen, daß man die Idee bekommt, etwas Minderwertiges würde zurückgelassen und man käme zu etwas Höherem.
Aber ich glaube nun gerade nicht, daß wir es uns leisten können, irgendetwas zurückzulassen – ausgenommen unsere falschen Vorstellungen. Und das ist genau das gleiche, als ließen wir nichts zurück. Wir transzendieren überhaupt nichts – wir empfangen alles. Wir bewegen uns hin zu einer immer größeren Empfänglichkeit, bis wir bei einer ständigen, fließenden Bereitwilligkeit angelangt sind, die alles begrüßt, was sich gerade jetzt vor uns befindet.
Unsere Aufgabe besteht nun darin, immer auf dem Weg zu bleiben, den wir eingeschlagen haben und die Fähigkeit zu entwickeln, dem, was auf uns zukommt, ins Auge zu blicken.
Wir können dem Buddha und seinen Nachfolgern für die vielen Wegweiser, die sie uns hinterlassen haben, wirklich dankbar sein. Laßt uns heute einige dieser Wegweiser anschauen und untersuchen, was sie für eine Bedeutung für uns haben, wenn wir mit dem Rohmaterial unserer alltäglichen Reaktionen konfrontiert sind. Wenn wir die Aufgabe annehmen, uns dem Rohzustand unserer inneren Welt zu stellen, müssen wir in der Lage sein, die dazu nötigen Mittel zu erschließen. Wir müssen wissen, wo wir Hilfe bekommen können. Also wohin wenden wir uns?
 

INNERE RÄUME

Viele Leute, die unser Kloster besuchen, sagen: „Ach, was habt ihr es gut, hier zu leben, das muß ja wunderbar sein. Schaut nur, was für eine schöne Meditationshalle und die Gärten und all diese inspirierenden Mönche und Novizen – alle sind so freundlich und hilfsbereit! Laien kommen von außerhalb und bringen euch leckeres Essen und ihr müßt nicht arbeiten gehen...“ Normalerweise nicke ich dann einfach, denn vieles, was diese Leute sagen, stimmt ja auch: Dieser Ort ist wirklich hilfreich und förderlich.
Aber die friedliche Umgebung ist nur ein Teil. Der andere Teil besteht darin, sich einer sehr schwierigen Aufgabe zu stellen. Und wir begegnen dieser Herausforderung, indem wir die Kraft oder die Fähigkeit des Herzens zur Transformation untersuchen. Wenn wir uns in dieser Weise auf das Herz beziehen, dann meinen wir den Kern in uns, den inneren Ort, der das Herz unseres Wesens ist. Was wir brauchen, um mit dem Rohmaterial zu arbeiten, das finden wir dort.
Wir können unser Herz als einen Ort verstehen, an dem es mehrere Plätze der Transformation gibt. Und während wir auf dem spirituellen Weg voranschreiten, finden wir alle diese Räume in uns selbst, wie Ajahn Chah zu sagen pflegte. Er sagte uns damals oft: „Ihr Mönche habt so viele Räume in euren Häusern, von denen ihr noch nicht einmal ahnt.“ Und wenn wir uns über irgendetwas beschwerten, sagte er nur: „Wartet einfach ein bißchen. Ihr habt all diese wunderbaren Räume, die ihr noch nicht einmal erforscht habt.“ Und er hatte recht.
Wie wir alle wissen, bestehen unsere alltäglichen Reaktionen zum Großteil aus Ärger, gierigem Verlangen, Verwirrung, Eifersucht, Einsamkeit, Groll und so weiter. Es ist alles noch in einem Rohzustand. Es ist wie mit dem Komposthaufen in dem Garten unseres Klosters. Wenn nämlich das Wetter gut ist, übernachte ich gerne mit einem Zelt in diesem Garten und der Geruch des Komposthaufens leistet mir dann Gesellschaft. Ich reflektiere darüber. Man kann das jetzt so sehen, daß der Komposthaufen mit seinem Geruch den Garten verunstaltet. Aber wenn man es aus einem anderen Sichtwinkel betrachtet, dann ist nichts Schlechtes an dem Geruch. Wenn wir anerkennen, was Kompost ist, wenn wir das Rohmaterial darin wirklich schätzen und wenn wir etwas von Transformation verstehen, dann ist es einfach okay. Wenn wir das nicht tun, dann erkennen wir nicht, worum es hier geht und denken einfach: „Der Kompost stinkt.“ Er stinkt zwar, das ist natürlich wahr, aber das ist nur so, weil er aus Rohmaterial besteht, das gerade umgewandelt wird.
Was sind nun die Orte der Transformation oder die transformierenden Kräfte des Herzens? Wie ich bereits sagte, gibt es viele Räume, viele Orte in uns, zu denen wir gehen können, um an uns zu arbeiten. Heute möchte ich über die vier Räume reden, die traditionell die „Vier göttlichen Verweilungen“ (brahmavihara) genannt werden. Diese „göttlichen Verweilungen“ sind genau das: Vier Räume in uns, wo wir uns aufhalten können - oder wo wir hingehen können, um zu arbeiten. Und jedem dieser Räume entspricht eine bestimmte Arbeit, die wir dort verrichten können.
Es ist wie mit dem Kochen oder Backen. Wir hatten hier einen Novizen, der fabelhaften Käsekuchen backen konnte. Das hat er in der Küche getan, weil das eben der Raum ist, wo man Käsekuchen backt. Er hat ihn nicht etwa in der Werkstatt gebacken – die ist für eine andere Art von Arbeit da. Es ist sehr hilfreich, wenn man weiß, welche Arbeit in welchen Raum gehört.
Laßt uns jetzt einmal diese vier Räume als Möglichkeiten betrachten, die uns zur Verfügung stehen. Es ist wichtig, daß wir uns bewußt werden, daß diese Räume bereits da sind – zumindest als Potential, das wir ausbauen können. Daß diese vier Räume da sind, ist für uns als Menschen von Natur aus so. Es kann zwar sein, daß wir nicht wissen, wie wir sie betreten, aber das ist etwas anderes. Wenn ich hier über die göttlichen Verweilungen spreche, dann tue ich das auch mit der Absicht, uns alle daran zu erinnern, wie wir uns diesen Räumen nähern, wie wir sie erkennen und dann für uns erschließen.
 

Liebende Güte

Fangen wir an mit der Feindseligkeit, einem der Rohmaterialien unseres Herzens. Wir alle kennen Feindseligkeit, und wenn wir keinen Ort haben, wo wir damit arbeiten können, dann werden wir sehr an ihr zu leiden haben. Ja wir werden uns möglicherweise noch mit ihr abquälen, selbst wenn wir wissen, wie wir zu diesem Ort gelangen könnten! Aber dann haben wir immerhin ein Gefühl dafür, was wir machen müssen. Es ist wie in einer Küche mit einer gut gefüllten Vorratskammer: Man fühlt sich zuversichtlich. Es ist ähnlich mit dem Raum der liebenden Güte, der in unseren Herzen ist. Wenn wir lernen, diesen Raum zu schätzen, dann können wir uns ähnlich zuversichtlich fühlen. Der Buddha hat einmal gesagt, daß wir lernen können, was liebende Güte ist, wenn wir eine Mutter mit ihrem einzigen Kind beobachten: dieser Glanz, diese Sanftheit in ihren Augen, die liebevolle Ausstrahlung, diese selbstlose Fürsorge, dieser Wunsch, der aus ihr spricht: „Möge es diesem Kind gut gehen.“ Diese Bereitschaft zur Fürsorge hat etwas Bedingungsloses: „Möge es dir gut gehen.“ Es ist egal, was das Kind macht, ob es nett ist oder nicht. Die Liebe der Mutter zu ihrem Kind bleibt trotz all dem bestehen: „Möge es dir gut gehen.“
Und der Buddha hat uns ermutigt, die aufsteigende Feindseligkeit dort zu empfangen, von wo wir den Wunsch aussenden können: „Möge es allen Wesen gut gehen.“ In unseren Klöstern rezitieren wir folgendes: „Möge es mir gut gehen, möge ich frei von Kummer und frei von Feindseligkeit sein.“ Wir können diese Worte auch zu uns selbst sagen, als eine Übung, um die Tür zum Raum der liebenden Güte zu finden und den Raum selbst zu betreten. Es ist wirklich nützlich, auf diese Weise zu praktizieren, regelmäßig diese Verse zu rezitieren und sie als Meditationsobjekte zu benutzen.

Ich würde mir wünschen, daß ihr diese Worte heute mit nach Hause nehmt und übt, indem ihr sie leise wiederholt: „Möge es mir gut gehen, möge ich frei von Kummer und frei von Feindseligkeit sein.“ Versucht wirklich, diesen Wunsch für euch selbst zu entwickeln. Wenn wir das tun, entdecken wir diesen inneren Raum und wir finden heraus, wie wir in ihn gelangen können. Wenn wir wissen, daß wir diesen Raum betreten können, wann immer Feindseligkeit aufsteigt, wann immer wir jemandem grollen oder dieses schmerzhafte Gefühl von gerechter Empörung haben, dann laufen wir nicht in der Gegend herum, um unsere Gefühle irgendwo abzuladen. Wir wissen, daß wir einen Raum haben, in den wir gehen können. Wir gehen nicht in diesen Raum und laden dort unsere Feindseligkeit ab; wir gehen hinein, weil das der Raum ist, wo wir finden, was wir brauchen, um verantwortungsvoll mit der Feindseligkeit umzugehen. Wenn wir diese Arbeit dort erledigen, dann werden wir in diesem Raum ein Gefühl des Vertrauens entwickeln, ein Vertrauen, daß wir uns unserer Feindseligkeit stellen können: Ärger und Wut sind kein Unglück.
 

Mitgefühl

Der zweite Ort in unseren Herzen ist der Ort des Mitgefühls, auf Pali heißt das karuna. Der Buddha hat einmal gesagt, was Mitgefühl bedeutet, könne am besten gesehen werden in der Art, wie eine Mutter sich zu ihrem einzigen Kind verhält, wenn das Kind krank und fiebrig ist. Fühlt euch da einfach mal einen Moment lang hinein. Wie fühlt sich das an? Was entspringt einem mütterlichen Herzen da ganz natürlich? Wenn sie in ihrer Situation einen Wunsch formulieren sollte, wie würde er lauten? Er würde wohl lauten: „Mögest Du von diesem Leiden befreit werden.“ Es ist ein Mitfühlen mit den Schmerzen des Kindes. Es ist anders als diese strahlende Qualität von metta, der liebenden Güte, die sagt: „Möge es Dir gut gehen.“ Im Fall von Mitgefühl ist es das Mitempfinden der Schmerzen eines anderen und der daraus entstehende Wunsch „Mögest Du von diesem Leiden befreit werden.“ Man hat ein Gefühl von geteiltem Leid: „Ich bin bei dir.“ Und das ist ein wertvoller Raum, um mit unangenehmen Zuständen wie Trauer, Verlust oder Einsamkeit umzugehen. Solange wir den Raum des Mitgefühls nicht kennen und nicht wissen, wie man ein Gefühl für menschliches Leid, dem wir ja alle ausgesetzt sind, entwickelt, solange werden wir es wirklich sehr schwer haben.
In einem Kommentar zu den Schriften des Buddhismus gibt es eine schöne Geschichte, die zu diesem Thema gehört. Da geht es um eine Frau namens Kisagotami, die zuerst ihren Ehemann und gleich darauf ihr kleines Kind verliert. Sie ist dann so verrückt durch dem Schmerz des Verlustes, daß sie sich weigert, den Leichnam ihres Kindes loszulassen, und deswegen trägt sie ihn herum. Aus Mitleid mit ihr sagt ihr der Dorfälteste: „In der Nähe lebt ein Heiliger, geh doch zu ihm und frage ihn, was man da machen kann. Ich habe gehört, er ist einer, der alles wieder geradebiegen kann.“ Also geht Kisagotami zum Buddha. Und der Buddha hält ihr dann nicht etwa einen Vortrag über die Vergänglichkeit, obwohl es natürlich wahr ist, daß alles vergänglich ist und alles, was geboren ist, sterben wird. Stattdessen sagt er zu ihr: „Ich kann dir helfen. Ich werde dein Kind wiedererwecken. Alles, was ich dazu brauche, ist eine Hand voll Senfkörner aus einem Haus, wo noch niemand gestorben ist. Das ist alles.“ Kisagotami geht also los und verbringt die ganze Nacht damit, von Haus zu Haus zu gehen um nach dieser Handvoll Senfkörner zu suchen. Und dabei geht es ihr langsam auf, daß jedes Haus das Leid des Todes kennt. Und sie merkt in dem Moment: „Wir alle teilen dieses Los.“. Und als sich ihr Herz so öffnet, ist sie mehr als zuvor in der Lage, ihren Schmerz zu ertragen. Sie ist dann auch in der Lage, ihr Kind loszulassen und ihre Dankbarkeit dem Buddha gegenüber auszudrücken. Dieses Bild von Kisagotami kann uns ermutigen, den Weg zum Raum des Mitgefühls zu gehen.
 

Selbstlose Freude

Die dritte in den Schriften sogenannte „Verweilung”, der dritte Raum also, ist die selbstlose Freude, mudita auf Pali. Das ist der Ort, an dem Eifersucht und Neid transformiert werden können. Wißt ihr, wie schmerzvoll Eifersucht oder Neid seien können? Wir müssen das jetzt nicht ausbreiten, aber ich bin mir sicher, daß wir alle einige Erfahrung damit gesammelt haben. Wenn wir jedoch diesen Ort kennen, wenn wir diesen Raum der selbstlosen Freude, der Mit-freude betreten können, dann können wir den Schmerz der Eifersucht und des Neides spüren, und wir können spüren, wie unnötig und wie unglücklich er ist. Und wir können das Bewußtsein dieses Leidens benützen, um uns einem Raum zuzuwenden, wo wir von diesem Leid Erlösung finden. Sich einfach abzuwenden, um Eifersucht zu vermeiden, funktioniert nicht wirklich, ebensowenig wie es funktioniert, Feindseligkeit, Traurigkeit oder Sorge einfach zu umgehen. Aber wenn wir die Eifersucht achtsam empfangen, bildet sich eine Öffnung, und wenn wir uns vollständig öffnen, dann erfahren wir selbstlose Freude. Es ist ein herrlicher Zustand, in dem wir fühlen „Möge kein Wesen von dem Glück abgeschnitten sein, das es sich verdient hat.“ Diesen Gedanken kultivieren wir. Das bedeutet, daß wir uns mit anderen freuen, wenn es ihnen gut geht, anstatt uns in dem schmerzhaften Gefühl zu verlieren, das sich in dem Denken ausdrückt: „Ach, ich wünschte, ich hätte das.“
Der Buddha hat auch das damit verglichen, wie eine Mutter für ihr einziges Kind empfindet. Sie sieht, daß es dem Kind gut geht, und sie freut sich für das Kind – und mit dem Kind. Da ist wieder Empathie, dieses Mal im Zusammenhang mit Freude. Wir werden also ermutigt, diesen Raum zu erschließen, in den wir unsere Eifersucht und unseren Neid mitnehmen können. Hier können wir auf diese Empfindungen treffen. Vielleicht werden wir ein wenig mit ihnen ringen müssen, aber nun haben wir die Fähigkeit, das zu tun.
 

Gleichmut

Wenn wir hier die Kräfte der Transformation betrachtet haben, die in den Schriften die „göttlichen Verweilzustände“ genannt werden, haben wir bislang von dreien gesprochen: Liebende Güte, Mitgefühl und selbstlose Freude. Der vierte Zustand ist Gleichmut, upekkha in Pali. Diesem Zustand müssen wir große Aufmerksamkeit widmen, denn er ist sehr wichtig. Freude und Liebe und Wohlwollen können von Herzen kommende, kraftspendende und wunderschöne Eigenschaften sein. Wir können allerdings auch ein unglaubliches Verlangen danach entwickeln, daß es allen Wesen gut geht – aber es geht ihnen dennoch nicht gut. Was bedeutet das für uns? Sind wir deshalb verwirrt? Wir wünschen sowohl uns selbst als auch anderen Wohlergehen, nehmen dazu gewaltige Anstrengungen auf uns und doch geht es uns trotz all unserer Bemühungen manchmal fürchterlich schlecht. Dann reagieren wir leider oft damit, daß wir uns vorwerfen: „Ich sollte nicht so sein, ich bin doch ein anständiger Mensch, so sollte ich wirklich nicht sein.“
Es gibt dazu ein Beispiel aus meinem eigenen Leben: Kürzlich habe ich einen Brief von jemanden bekommen, in dem einige nicht sehr nette Dinge standen. Ich war enttäuscht und betroffen; es war eben einfach ein bißchen mehr, als ich vertragen konnte. Ich war mehrere Stunden lang so aufgewühlt, daß ich abends dachte, ich gehe lieber nicht zu der Puja in diesem aufgeregten Zustand. Aber so geht das nicht, und das ist ja auch nicht das, was ich den anderen Mönchen erzähle. Also ging ich dann doch zur Puja und saß da wie gewöhnlich. Es dauerte auch nicht lange, bis der Gedanke auftauchte: „So sollte es nicht sein!” In dem Moment erkannte ich das Problem: Ich schob den Konflikt vor mir her, anstatt mich ihm zu stellen. Und da merkte ich mit Erleichterung, daß ich mich wieder gefunden hatte. So wirkt Gleichmut: Es war einfach nichts falsch daran, zu denken, die Dinge sollten so oder anders sein. Sich vorzustellen, wie etwas anders sein könnte, ist einfach eine intellektuelle Fähigkeit, die wir besitzen. Ein Problem wird daraus erst dann, wenn wir damit hadern und uns darin verbohren, wie es anders sein könnte.
Wenn wir mit solchen Zuständen der Verwirrung ernsthaft arbeiten wollen, dann rät uns der Buddha, den Ort in uns aufzusuchen, wo wir das Gesetz von kamma* anerkennen und schätzen. Es gibt Ursachen und Wirkungen, es gibt Gesetze, alles ist Teil eines größeren Ganzen. Wir praktizieren häufig eine Meditation, die uns hilft, diesen Raum der Transformation zu erschließen, so daß wir dieser Verwirrung begegnen können. „Ich bin der Besitzer meines kamma, Erbe meines kamma, hervorgebracht durch mein kamma, bezogen auf mein kamma, bin gestützt durch mein kamma; was für kamma, was für absichtliche Handlungen ich tun werde, das wird mir wiederum zuteil werden.” Diese Kontemplation hilft sehr dabei, wieder zu sich selbst zurückzufinden. Wenn man natürlich vollkommen durcheinander ist, hilft es vielleicht auch nicht viel, über solche Dinge nachzudenken. Aber auch deshalb haben wir die Aufforderung dieser Lehren, auch deshalb werden wir aufgefordert: Wir bereiten uns darauf vor, diese Türen und dann auch die entsprechenden Räume zu erkennen, so daß wir wissen, wie wir sie betreten können, wenn wir mit unserem Rohmaterial konfrontiert werden.
 

WIDMUNG

Ich möchte dem Buddha danken, daß er zu den Räumen hinführt, wo wir die Arbeit ausführen können, von der wir ja alle wissen, daß sie getan werden muß. Während wir den Segen dieser inneren Arbeit erfahren, sehen wir die äußere Welt klarer und klarer. Neulich habe ich einen Pfarrer in Edinburgh ein altes gälisches Gebet sprechen hören, das sich genau darauf bezieht:

Oh Herr, segne meine Augen, auf daß sie alles segnen mögen, was sie sehen.
Oh Herr, segne meine Ohren, auf daß sie alles segnen mögen, was sie hören.
Oh Herr, segne meine Hände, auf daß sie alles segnen mögen, was sie berühren.
Oh Herr, segne mein Gesicht, auf daß es alles segne.

Dies ist auch mein Gebet. Der Herr, für uns ist das das transformierende Herz. Mögen sich alle Wesen in allen Himmelsrichtungen als gesegnet und als gänzlich empfangen empfinden.


*kamma: absichtliche Handlung
Gesetz von kamma: (in buddhistischer Lehre) das Gesetz von Ursache und Wirkung hinsichtlich absichtlicher Handlungen

 

Source : http://www.forestsangha.org

 

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