Aṅguttara Nikāya
Das Fünfer-Buch
79. Drohende Gefahren für den Orden
Fünf drohende Gefahren, gegenwärtig noch nicht entstanden, werden dereinst erstehen. Diese Gefahren sollt ihr erkennen und, habt ihr sie erkannt, nach ihrer Überwindung streben. Welches sind diese fünf Gefahren?
Einst, ihr Mönche, in späteren Zeiten, wird es Mönche geben,
- die ohne körperliche Zucht sind,
- unentwickelt in Sittlichkeit,
- unentwickelt in Geistigkeit,
- unentwickelt in Weisheit.
Ohne körperliche Zucht und unentwickelt in Sittlichkeit, Geistigkeit und Weisheit, werden sie andere als Mönche aufnehmen. Aber nicht werden sie imstande sein, diese in hoher Sittlichkeit, hoher Geistigkeit und hoher Weisheit zu erziehen. So werden auch diese wieder ohne körperliche Zucht sein, unentwickelt in Sittlichkeit, Geistigkeit und Weisheit. Auch diese werden dann wieder andere als Mönche aufnehmen und werden gleichfalls nicht imstande sein, sie in hoher Sittlichkeit, hoher Geistigkeit und hoher Weisheit zu erziehen. So werden auch diese wieder ohne körperliche Zucht sein, unentwickelt in Sittlichkeit, Geistigkeit und Weisheit.
Auf diese Weise, ihr Mönche, kommt es durch den Verfall der Lehre zum Verfall der Ordenszucht, und durch den Verfall der Ordenszucht zum Verfall der Lehre. Das, ihr Mönche, ist die erste drohende Gefahr.
Ferner, ihr Mönche, wird es in späteren Zeiten Mönche geben, die ohne körperliche Zucht sind, unentwickelt in Sittlichkeit, unentwickelt in Geistigkeit, unentwickelt in Weisheit. Ohne körperliche Zucht und unentwickelt in Sittlichkeit, Geistigkeit und Weisheit, werden sie den Beistand anderer übernehmen. Aber nicht werden sie imstande sein, diese in hoher Sittlichkeit, hoher Geistigkeit und hoher Weisheit zu erziehen. So werden auch diese wieder ohne körperliche Zucht sein und unentwickelt in Sittlichkeit, Geistigkeit und Weisheit. Auch sie werden dann wieder den Beistand anderer übernehmen und gleichfalls nicht imstande sein, sie in hoher Sittlichkeit, hoher Geistigkeit und hoher Weisheit zu erziehen. So werden auch diese wieder ohne körperliche Zucht sein und unentwickelt in Sittlichkeit, Geistigkeit und Weisheit. Auf diese Weise, ihr Mönche, kommt es durch den Verfall der Lehre zum Verfall der Ordenszucht und durch den Verfall der Ordenszucht zum Verfall der Lehre. Das, ihr Mönche, ist die zweite drohende Gefahr.
Ferner, ihr Mönche, wird es in späteren Zeiten Mönche geben, die ohne körperliche Zucht sind, unentwickelt in Sittlichkeit, unentwickelt in Geistigkeit, unentwickelt in Weisheit. Ohne körperliche Zucht und unentwickelt in Sittlichkeit, Geistigkeit und Weisheit, werden sie beim Vortrag der hohen Lehre und der Erklärungen die üblen Dinge (kanham dhammam), auf die sie verfallen, nicht erkennen. Auf diese Weise, ihr Mönche, kommt es durch den Verfall der Lehre zum Verfall der Ordenszucht und durch den Verfall der Ordenszucht zum Verfall der Lehre. Das, ihr Mönche, ist die dritte drohende Gefahr.
Ferner, ihr Mönche, wird es in späteren Zeiten Mönche geben, die ohne körperliche Zucht sind, unentwickelt in Sittlichkeit, unentwickelt in Geistigkeit, unentwickelt in Weisheit. Werden da jene vom Vollendeten verkündeten Lehrtexte vorgetragen, jene tiefen, tiefsinnigen, überweltlichen, die von der Leerheit handeln, so werden jene Mönche nicht den Wunsch haben, sie zu hören, werden ihnen kein Gehör schenken, sich nicht ihrem Verständnis öffnen und es nicht für nötig halten, jene Lehren zu lernen und sich anzueignen. Werden jedoch jene von Dichtern verfaßten Texte vorgetragen, poetische Werke mit schönen Worten, schönen Phrasen, die (der Lehre) fremd sind, verbreitet von den Anhängern (jener Außenseiter), so werden jene Mönche gern zuhören, werden Gehör schenken, ihren Geist dem Verständnis öffnen und es wohl für nötig halten, sie zu lernen und sich anzueignen. Auf diese Weise, ihr Mönche, kommt es durch den Verfall der Lehre zum Verfall der Ordenszucht und durch den Verfall der Ordenszucht zum Verfall der Lehre. Das, ihr Mönche, ist die vierte drohende Gefahr.
Ferner, ihr Mönche, wird es in späteren Zeiten Mönche geben, die ohne körperliche Zucht sind, unentwickelt in Sittlichkeit, unentwickelt in Geistigkeit, unentwickelt in Weisheit. Als ältere Mönche werden sie der Üppigkeit ergeben sein und dem Müßiggang: werden das Abträgliche vorziehen, die Einsamkeit als eine Last scheuen und nicht ihre Kraft anstrengen, um das Unerreichte zu erreichen, das Unerlangte zu erlangen, das Unverwirklichte zu verwirklichen. Ihre Schüler aber werden das Gesehene nachahmen: auch sie werden sich der Üppigkeit ergeben und dem Müßiggang, werden das Abträgliche vorziehen, die Einsamkeit als eine Last scheuen und werden nicht ihre Kraft anstrengen, um das Unerreichte zu erreichen, das Unerlangte zu erlangen, das Unverwirklichte zu verwirklichen. Auf diese Weise, ihr Mönche, kommt es durch den Verfall der Lehre zum Verfall der Ordenszucht und durch den Verfall der Ordenszucht zum Verfall der Lehre. Das, ihr Mönche, ist die fünfte drohende Gefahr.
Dieses, ihr Mönche, sind die fünf drohenden Gefahren, gegenwärtig noch nicht entstanden, die dereinst entstehen werden. Diese Gefahren sollt ihr erkennen und, habt ihr sie erkannt, nach ihrer Überwindung streben.