Aṅguttara Nikāya

Das Dreier-Buch

126. In der Klause des Bharandu Kālāma

Einstmals kam der Erhabene auf seiner Wanderung im Lande der Kosaler nach Kapilavatthu. Es erfuhr nun Mahānāma, der Sakyer, daß der Erhabene in Kapilavatthu eingetroffen sei, und er begab sich dorthin, wo der Erhabene weilte. Dort angelangt, begrüßte er ehrfurchtsvoll den Erhabenen und blieb seitwärts stehen. Und der Erhabene sprach zu ihm also:

„Geh‘, Mahānāma, mache in Kapilavatthu eine Wohnstätte ausfindig, wo wir heute die Nacht zubringen können.“

„Ja, o Herr“, erwiderte Mahānāma, der Sakyer, dem Erhabenen, und er begab sich nach Kapilavatthu. Obwohl er aber ganz Kapilavatthu durchwanderte, fand er dort keine Wohnstätte, wo der Erhabene die Nacht hätte zubringen können. Und er begab sich zum Erhabenen und sprach:

„Nicht fand sich in Kapilavatthu eine Wohnstätte, wo der Erhabene die Nacht zubringen könnte. Da ist aber, o Herr, dieser Bharandu Kālāma, der frühere Asketengefährte des Erhabenen. In dessen Klause möge der Erhabene die Nacht verbringen.“

„So gehe denn, Mahānāma, und richte das Lager!“—„Ja, o Herr!“ erwiderte Mahānāma, der Sakyer, und begab sich zur Klause des Bharandu Kālāma. Dort breite er das Lager aus, stellte Wasser zum Spülen der Füße zurecht und ging dann zum Erhabenen und sprach: „Das Lager, o Herr, ist bereit, und das Wasser zum Spülen der Füße zurechtgestellt. Wie es nun dem Erhabenen gefallen möge!“

Und der Erhabene begab sich zur Klause des Bharandu Kālāma. Dort angelangt, setzte er sich auf dem angewiesenen Sitze nieder und spülte sich die Füße. Da dachte Mahānāma, der Sakyer: „Es ist heute nicht mehr an der Zeit, dem Erhabenen Gesellschaft zu leisten, denn der Erhabene ist müde. Morgen will ich dem Erhabenen aufwarten.“ Und er begrüßte ehrfurchtsvoll den Erhabenen und entfernte sich, ihm die rechte Seite zukehrend.

Nach Verlauf jener Nacht nun begab sich Mahānāma, der Sakyer, zum Erhabenen, begrüßte ihn ehrfurchtsvoll und setzte sich zur Seite nieder. Da nun sprach der Erhabene zu Mahānāma, dem Sakyer, also:

„Drei Meister, Mahānāma, sind in der Welt anzutreffen. Welche drei?

  • Da lehrt ein Meister die völlige Durchschauung der sinnlichen Dinge, aber nicht lehrt er die völlige Durchschauung der (feinkörperlichen) Formen, noch die völlige Durchschauung der Gefühle.
  • Da wiederum lehrt ein Meister die völlige Durchschauung der sinnlichen Dinge wie auch die völlige Durchschauung der (feinkörperlichen) Formen, doch er lehrt nicht die völlige Durchschauung der Gefühle.
  • Da wiederum lehrt ein Meister die völlige Durchschauung der sinnlichen Dinge, lehrt die völlige Durchschauung der (feinkörperlichen) Formen, lehrt die völlige Durchschauung der Gefühle.

Diese drei Meister, Mahānāma, sind in der Welt anzutreffen. Haben nun, Mahānāma, diese drei Meister ein und dasselbe Ziel, oder haben sie verschiedene Ziele?“

Auf diese Worte sprach Bharandu Kālāma zu Mahānāma, dem Sakyer: „Sage ‚Ein und dasselbe Ziel‘, Mahānāma!“

Darauf sprach der Erhabene zu Mahānama, dem Sakyer: „Sage verschiedene Ziele‘, Mahānāma!“

Und zum zweiten und dritten Male sprach Bharandu Kālāma zu Mahānāma, dem Sakyer, also: „Sage ‚Ein und dasselbe Ziel‘, Mahānāma!“

Und zum zweiten und dritten Male sprach der Erhabene zu Mahānāma, dem Sakyer: „Sage ‚Verschiedene Ziele‘, Mahānāma!“

Da dachte Bharandu Kālāma: „Wahrlich, selbst zum dritten Male hat mich der Asket Gotama vor diesem hochvermögenden Sakyer Mahānāma mißbilligt. Sollte ich nicht lieber von Kapilavatthu fortziehen?“

Und Bharandu Kālāma zog von Kapilavatthu fort. Einmal aber fortgegangen, kam er nicht mehr wieder zurück.