Aṅguttara Nikāya

Das Dreier-Buch

89–90. Die drei hohen Übungen

Drei Übungen gibt es, ihr Mönche. Welche drei? Die hohe Sittlichkeitsübung, die hohe Geistesübung und die hohe Weisheitsübung.

Was aber, ihr Mönche, ist die hohe Sittlichkeitsübung? Da ist ein Mönch sittenrein, er befolgt die Ordenssatzung, ist vollkommen in Wandel und Umgang, und, vor dem kleinsten Vergehen zurückschreckend, übt er sich in der Befolgung der Übungsregeln, die er auf sich genommen. Das nennt man die hohe Sittlichkeitsübung.

Was aber ist die hohe Geistesübung? Da gewinnt ein Mönch, ganz abgeschieden von Sinnegdingen... die erste Vertiefung... die zweite Vertiefung... die dritte Vertiefung... die vierte Vertiefung und weilt in ihr. Das nennt man die hohe Geistesübung.

Was aber ist die hohe Weisheitsübung?

(89:) Da weiß ein Mönch der Wirklichkeit gemäß, was Leiden ist; weiß der Wirklichkeit gemäß, was die Enstehung des Leidens ist; weiß der Wirklichkeit gemäß, was die Erlöschung des Leidens ist; weiß der Wirklichkeit gemäß, was der Pfad ist, der zur Erlöschung des Leidens führt. Das nennt man die hohe Weisheitsübung.

(90:) Da gelangt der Mönch durch Versiegung der Triebe noch bei Lebzeiten in den Besitz der triebfreien Gemütserlösung und Weisheitserlösung, sie selber erkennend und verwirklichend. Das nennt man die hohe Weisheitsübung.

Diese drei Übungen gibt es, ihr Mönche.

„In hoher Sitte, hohem Geist
und hoher Weisheit übe sich,
wer stark ist, standhaft und vertieft,
die Sinne hütet, achtsam ist.

Wie früher, so auch späterhin,
wie später, so zu früh‘rer Zeit;
wie unten so auch oberhalb,
wie oberhalb, so unten auch;
und wie bei Tage, so des Nachts,
und wie zur Nachtzeit, so am Tag.

Daß jede Richtung man durchdringt
mit Geistessammlung unbegrenzt,
als Pfad der Schulungstüchtigen,
als lauteren Wandel kennt man dies.

Solch Helden nennt man wahrheitswach,
der diesen Pfad zu Ende ging:
Wenn das Bewußtsein stille steht,
vollzieht im Gierversiegten sich
des Geistes restlose Befreiung,
gleichwie das Lampenlicht erlischt.“