Die Fragen des Königs Milinda
Teil 3: Lösungen der Zweifel
Kapitel 5
3.5.7. Identität des Täters
Der König sprach: „Gibt es wohl ehrwürdiger Nāgasena, irgend ein Wesen, das beim Tode von dem einen Körper in einen anderen Körper hinüberwandert?“
„Nein, o König.“
(Im absoluten Sinne (paramattha-vasena) gibt es überhaupt kein Wesen, also auch kein Wesen, das von einem Körper in einen anderen hinüberwandert, sondern eben bloß einen den Tod überdauernden psycho-physischen Prozeß).
„Wenn dies sich aber so verhält, o Herr, entgeht man denn dadurch nicht der Folge böser Taten?“
„Wenn man nicht mehr wiedergeboren wird, (Genauer: wenn der psycho-physische Daseinsprozeß zum Stillstande gelangt ist, also nach dem Tode des Vollkommen-Heiligen) dann wohl. Solange man aber noch wiedergeboren wird, entgeht man nicht der Folge böser Taten.“
„Erkläre mir dies!“
„Wenn da irgend ein Mann vom Baum eines anderen Mangos gestohlen hätte, verdiente der wohl Strafe?“
„Gewiß verdiente er Strafe, o Herr.“
„Wieso denn? Er hat doch gar nicht jene Mangos gestohlen, die der andere gepflanzt hat?“
„Jenen (gepflanzten) Mangos aber zufolge sind diese (gestohlenen) Mangos entstanden. Darum eben verdient er Strafe.“
„Ebenso auch, o König, werden durch diese geistig-körperliche Verbindung gute oder böse Taten gewirkt, und zufolge jener Taten entsteht eine neue geistig-körperliche Verbindung. Darum eben entgeht man nicht der Folge böser Taten.“
„Klug bist du, ehrwürdiger Nāgasena!“