Die Fragen des Königs Milinda
Teil 4
Kapitel 3
5.3.10. Buddhas Selbstlob
„Der Erhabene, o Herr, hat einst folgenden Ausspruch getan: ‚Wenn, o Mönche, andere über mich oder die Lehre oder die Jüngerschaft ihr Lob sprechen sollten, so möget ihr da nicht etwa entzückt oder erfreut oder aufgeblasen sein.‘ Als jedoch der Brahmane Sela dem Vollendeten sein der Wahrheit entsprechendes Lob aussprach, war der Vollendete so entzückt, erfreut und begeistert, daß er seine eigenen Vorzüge noch außerdem selber in folgenden Worten verherrlichte:
Fürwahr, ein König bin ich, Sela,
Ein Wahrheitsfürst unübertroffen;
In Wahrheit lenke ich das Reich,
Das Reich, das keiner überwirft.
Wenn, o Herr, die erste Behauptung richtig ist, dann muß die zweite falsch sein; ist aber die zweite Behauptung richtig, dann ist eben die erste falsch. Dies ist ein zweischneidiges Problem, das ich dir da stelle und das du nun lösen sollst.“
„Beide Aussprüche hat zwar der Erhabene getan, o König. Doch geschah der erste bloß deshalb, um die echte, unverfälschte, wirkliche, wahre, innere Natur, Beschaffenheit und Eigenart der Lehre zu beleuchten. Und es war nicht etwa des Gewinnes oder Ruhmes wegen oder um Anhänger und Schüler zu gewinnen, sondern bloß aus Wohlwollen, Mitleid und Liebe—damit nämlich dadurch jener Brahmane und weitere dreihundert Brahmanenjünglinge die Durchschauung der Wahrheit gewinnen möchten—daß er den Ausspruch tat:
Fürwahr, ein König bin ich, Sela,
Ein Wahrheitsfürst unübertroffen;
In Wahrheit lenke ich das Reich,
Das Reich, das keiner überwirft.“
„Vortrefflich, ehrwürdiger Nāgasena! So ist es, und so nehme ich es an.“