Die Fragen des Königs Milinda

Teil 7

Kapitel 5

7.6.2. Die Rotgans

„Drei Eigenschaften der Rotgans, sagst du, ehrwürdiger Nāgasena, habe man anzunehmen: welches sind diese?“

„Gleichwie, o König, die Rotgans bis zu ihrem Lebensende ihren Gefährten nicht verläßt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, bis zu seinem Lebensende die weise Erwägung nicht fahren lassen. Das, o König, ist die erste Eigenschaft der Rotgans, die er anzunehmen hat.

Wie ferner, o König, die Rotgans von Moos und Wasserpflanzen lebt und damit zufrieden ist, bei jener Zufriedenheit aber weder an Kraft noch Anmut abnimmt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, mit dem was er erhält, zufrieden sein. Denn ist er mit dem, was er erhält, zufrieden, so nimmt er weder an Sittlichkeit ab, noch an Sammlung, noch an Weisheit noch an Erlösung, noch an dem Erkenntnisblick der Erlösung; so nimmt er nicht ab an all den heilsamen Dingen. Das, o König, ist die zweite Eigenschaft der Rotgans, die er anzunehmen hat.

Wie ferner, o König, die Rotgans keinem Wesen etwas zuleide tut: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, Stock und Waffe verwerfen, zartfühlend und von Liebe erfüllt sein und zu allen lebenden Wesen und Geschöpfen Wohlwollen und Mitleid hegen. Das, o König, ist die dritte Eigenschaft der Rotgans, die er anzunehmen hat. Auch der Erhabene, o König, der Gott der Götter, sagt in der Geburtsgeschichte von der Rotgans:

Wer nicht mehr tötet, nicht mehr schlägt,
Nicht mehr bedrückt, bedrücken läßt,
Voll Mitgefühl mit allen Wesen,
Den trifft von keiner Seite Haß.“