Dhammapada

Teil 1

Das Paaren-Kapitel

Das Wachheits-Kapitel

Das Geist-Kapitel

Das Toren-Kapitel

Das Weisen-Kapitel

Das Heiligen-Kapitel

Das Blumen-Kapitel


Das Bösen-Kapitel

Das Tausend-Kapitel

Das Alters-Kapitel

Das Züchtigungs-Kapitel

Das Selbst-Kapitel

Das Welt-Kapitel

Das Buddha-Kapitel

Das Glücks-Kapitel

Das Liebes-Kapitel

Das Zorn-Kapitel

Das Flecken-Kapitel

Das Gesetzes-Kapitel

Das Pfad-Kapitel


Das Vielerlei-Kapitel

Das Höllen-Kapitel

Das Elefanten-Kapitel

Das Begehrens-Kapitel

Das Mönchs-Kapitel

Das Priester-Kapitel
Teil 3
Teil 2 Teil 4

Teil 3

Das Buddha Kapitel - Buddha

 

 

Den, dessen Sieg nicht mehr zunichte wird,

Dem nichts mehr in der Welt ankommen kann,

Den Buddha, unbeschränkt und merkmallos,

An welchem Merkmal wollt ihr den erkennen?

 

 

 

Ihn, von der netzartig-haftenden Gier befreit,

Die irgendwo zum dasein führen könnte,

Den Buddha, unbeschränkt und merkmallos,

An welchem Merkmal wollt ihr den erkennen?

 

 

Die Weisen, der Vertiefung hold,

Erfreut am Frieden der Entsagung,

Die Buddhas, achtsamkeit-erfüllt,

Beneiden selbst die Götter all.

 

 

 

 Schwer erreicht man Menschendasein,

Schwer der Sterbliche hier lebet,

Schwer hört man die gute Lehre,

Schwer kommt’s zur Geburt von Buddhas.


 

 

 

Von allem Bösen abzusteh’n

Das Gute zu vermehren stets,

Zu läutern seinen eignen Geist:

Das ist des Buddhas Lehrgebot.

 

 

 

Duldsamkeit und Nachsicht höchste Buße sind.

Als höchstes Ziel die Buddhas Nirwahn weisen.

Kein Hausloser ist der, der andre schlägt,

Kein Mönch, wer anderen Verletzungen zufügt.

 

 


Nicht schimpfen, auch verletzen nicht,

Sich zügeln in der Ordenszucht,

Beim mahle halten rechtes Maß,

An abgeleg’ner Stätte wohnen,

Sich müh’n um hohe Geisteszucht:

Das ist der Buddhas Lehrgebot.

 

 

Selbst nicht, wenn Gold es regnete,

Legt sich der Durst nach Sinnlichkeit.

“Gar fad” ist Sinnlichkeit, voll Leid’:

Wenn solches weise er erkennt.

 

 

 

Nach Himmelsfreuden nicht einmal

Der weise Mann Verlangen fühlt.

Die Gierversiegung nur beglückt

Den Jünger des Erleuchteten.

 

 

 

Vieles nimmt der Mensch zur Zuflucht,

Wenn er von Gefahr bedroht ist,

Berge, Wälder sowie Haine,

Heil’ge Bäume, Opferschreine.

 

 

 

Doch das gibt keine Sicherheit,

Das ist die höchste Zuflucht nicht;

Und nicht durch solche Zuflucht wird

Von allem Leiden man befreit.

 

 

 

Wenn man zum Buddha Zuflucht nimmt,

Zur Lehre und zur Jüngerschaft,

Und die vier edlen Wahrheiten

Mit rechtem Wissen klar erschaut.

 

 

 

- Das Leiden und den Leidensgrund,

Des Leidens völl’gen Untergang,

Den edlen achtgeteilten Pfad

Der zu des Leidens Ende führt -:

 

 

 

Solch’ Zuflucht bietet Sicherheit,

Und das die höchste Zuflucht ist,

Den bloß durch solche Zuflucht wird

Von allem Leiden man befreit.

 

 

 

Gar selten ist ein edler Mensch,

Nicht überall wird er gebor’n.

Doch wo solch Weiser kommt zur Welt,

Gereicht er diesem haus zum Glück.

 

 



Ein Glück ist Buddhas Welteintritt,

Ein Glück die Lehrverkündigung,

Ein Glück des Ordens Einigkeit

Und Eifer der Verbundenen.

 

 

 

 

Das Kapitel über das Glück - Sukha

 

 

Gar glücklich wahrlich leben wir

Von Haß frei unter Haßlosen;

Ja, unter hassenden Menschen

Verweilen wir vom Haß befreit.

 

 

Gar glücklich wahrlich leben wir

Vom Leid frei unter Leidenden;

Ja, unter leidenden Menschen

Verweilen wir vom Siechtum frei.

 

 

 

Gar glücklich wahrlich leben wir

Von Gier frei unter Gierigen;

Ja, unter gierigen Menschen

Verweilen wir von Gier befreit..

 

 



Gar glücklich wahrlich leben wir,

Wir, denen nichts mehr angehört,

An Wonnen zehren werden wir

Den strahlenreichen Göttern gleich.

 

 

 

Der Sieger zeuget Feindschaft sich,

Und der Besiegte leidvoll lebt.

Doch glücklicher der Gestillte lebt,

Dem Siegen und Besiegtsein fern.

 

 

 

Kein Feuer brennt so wie die Gier,

Kein Übel zehrt so wie der Haß,

Kein Leid den Daseinsgruppen gleicht,

Kein höh’res Glück gibt’s als die Ruh’.

 

 

 

Der Hunger ist das ärgste Weh,

Die Daseinsformen schlimmstes Leid:

Dem, der das wirklich hat erkannt,

Wird Nirwahn, höchstes Glück, zuteil.

 

 

 

Gesundheit höchster Reichtum ist,

Zufriedenheit der schönste Schatz,

Die Zuversicht der beste Freund,

Das Nirwahn allerhöchstes Glück.

 

 

 

Wer den Genuß der Einsamkeit,

Des Friedens, je gekostet hat,

Ist unbedrängt, vom Bösen frei.

Genießt der Warheitswonne Glück.

 

 

 

Gut ist’s die Edlen zu seh’n,

Mit ihnen weilen stets ein Glück;

Und wenn man keinen Toren trifft,

So mag man allzeit glücklich sein.

 

 

 

Ja, wer mit Toren Umgang pflegt,

Der klaget lange, lange zeit;

Mit Toren weilen bringt stets Leid,

Als ob man weilte mit dem feind;

Mit Weisen weilen wohl gewährt

Wie mit Verwandten der Verkehr.

 

 

Drum, wer da einsichtsvoll ist, weise, wissensreich,

Kampffähig, pflichttreu und ein edler Jünger,

Solch einen guten, einsichtsvollen Menschen,

Der folge man gleich wie der Mond der Sternenbahn.

 

 

 

Das Liebes Kapitel - Piya

 

 

Wer Nichtzuübendes übet

Und nicht das zu Übende übt,

An Liebem heilvergessen hängt,

Beneidet jeden, der sich übt.

 

 

An Liebes schließe dich nicht an,

An Unliebsames nimmermehr.

Die Lieben nicht zu seh’n ist Qual.

Und Qual die Unlieben zu seh’n.

 

 

 

Drum fasse keine Liebe je,

Den Liebes lassen ist gar schlimm.

Für wen’s nicht >lieb< noch >unlieb< gibt,

Für den gibt’s keine Fesseln mehr.

 

 

 

Von lieben Dingen Sorge kommt,

Den lieben Dingen Furcht entspringt:

Für den von lieben Dingen Freien

Gibt’s Sorge nicht; woher gar Furcht?

 

 

 

Der Liebe entspringt die Sorge,

Der Liebe entspringt die Furcht;

Für den von Liebe Erlösten

Gibt’s Sorge nicht; woher gar Furcht?

 

 

 

Den Lüsten entspringt die Sorge,

Den Lüsten entspringt die Furcht;

Für den von Lüsten Erlösten

Gibt’s Sorge nicht; woher gar Furcht?

 

 

 

Von Sinnlichkeit die Sorge kommt,

Der Sinnlichkeit entspringt die Furcht;

Für den von Sinnlichkeit Freien

Gibt’s Sorge nicht; woher gar Furcht?

 

 

 

Der Begier entspringt die Sorge,

Der Begier entspringt die Furcht;

Für den von Begier Erlösten

Gibt’s Sorge nicht; woher gar Furcht?


 

 

 

Wer Sittlichkeit und Einsicht hat,

Gesetzesfest ist, die Wahrheit schaut,

Die eigne Aufgabe erfüllt,

Den haben alle Menschen gern.

 

 

 

Wer’s Unsagbare sich ersehnt,

Der sei im Geist ergriffen ganz;

Dess’ Herz an Sinnlichkeit nicht hängt,

Der >stromentgegen-gehend< heißt.

 

 

Der Mann, der lange draußen war,

Von Ferne heil ist heimgekehrt,

Jauchzt froh entgegen jedermann,

Verwandter, Herzensbruder, Freund.

 

 

 

Auch den, der Gutes hat gewirkt,

Von hier zu nächsten Welt gelangt,

Empfangen seine guten Werke

Wie Vettern ihren lieben Gast.

 

 

 

Das Kapitel des Zorns - Kodha

 

 



Den Zorn gib auf, den Dünkel überwinde,

Streif’ alle Daseinsfesseln von dir ab;

Den wer nicht mehr an Geist und Körper haftet,

Wem nichts mehr anhängt, den befällt kein Leiden.

 

 

Wer seinen aufgestieg’nen Zorn

Wie rollenden Wagen anhält,

Den nenne Wagenlenker ich,

Die andern halten bloß den Zaum.

 

 

 

 

Durch Nichtzorn stets besieg’ den Zorn,

Durch Güte den Nichtgütigen,

Den geizigen durch ein Geschenk,

Durch Wahrheit den, der Lügen spricht.

 

 

Die Wahrheit sprich, erzürn’ dich nicht,

Gebeten gib, sei’s wenig auch:

Auf diese Dinge drei gestützt

Gelangst du zu den Göttern hin.

 

 

 

Die keinem Wesen wehetun,

Die Weisen, in Werken beherrscht,

Gelangen zum todlosen Reich,

Wo keinen Kummer mehr man kennt.

 

 

 

In den stets wachsam Weilenden,

Bei tag und Nacht sich Übenden,

Zum Nirwahn hin sich Neigenden,

Versiegt jeder Böse Trieb.

 

 

 

Schon alt ist dieses, Atula,

Und nicht bloß heute ist dieses so:

Man tadelt den, der schweigsam sitzt,

Man tadelt den Gesprächigen,

Ja, den selbst, der gemessen spricht;

Ohn’ Tadel ist man nirgendwo.

 

Nicht gab’s und wird’s nicht geben je

Und gibt’s auch heut’gen Tages nicht,

Daß einer immer Lob empfängt,

Daß einer stets getadelt wird.

 

 

Ihn, dem Vertsänd’ge spenden Lob,

Die täglich ihn beobachten,

Der lückenlosen Wandels ist,

Im Wissen und im Wandel fest,

 

 

 

Den Weisen, goldjuwelengleich,

Wer wagt es, den zu tadeln je?

Sogar die Götter preisen ihn,

Selbst Brahma kündet ihm sein lob.

 

 

 

Vor Werkaufwallung hüte dich,

Und sei in Werken wohl beherrscht;

Laß’ schlechten Wandel fahr’n in Werken,

Üb’ einen guten Wandel aus.

 

 

 

Von Wortaufwallung hüte dich,

Und sei in Worten wohl beherrscht;

Laß’ schlechten Wandel fahr’n in Worten,

Üb’ einen guten Wandel aus.

 

 

 

Vor Geistaufwallung hüte dich,

Und sei im Geiste wohl beherrscht;

Laß’ schlechten Wandel fahr’n im Geiste,

Üb’ guten geit’gen Wandel aus.

 

 

 

Die Weisen, die gezügelt sind,

In Werken wie in Worten auch,

Gezügelt sind in ihrem Geist,

Die sind gezügelt ganz und gar.

 

 

Das Flecken Kapitel - Mala

 

 

Du gleichest einem welken Blatte,

Die Todesboten warten schon auf dich;

Und du stehst an des Abschieds Schwelle,

Wegzehrung aber hast du nicht bei dir.

 

 

Erbaue dir ein eigen Eiland

Und arbeit’ eiligst, werd’ ein weiser Mann

Von Flecken lauter, ohne Makel,

Erreichst Du dann das himmlisch edle Reich.

 

 

 

Die Lebenszeit hast du nun abgelegt,

Bist hingetreten vor den Todesgott.

Auf deinem Weg find’st du keine Rast,

Auch gibt es keine Wegzehrung für dich.

 

 

 

Erbaue dir ein eigen Eiland

Und arbeit’ eiligst, werd’ ein weiser Mann.

Von Flecken lauter, ohne Makel,

Verfällst Geburt und Alter du nicht mehr.

 

 

 

Wie das Gold der Goldschmied reinigt,

Mach’ der Weise ganz allmählich,

Immer weiter, Stuf’ um Stufe,

Frei sich von den eignen Flecken.

 

 

 

Wie auf dem Eisen da der Rost entsteht

Und, dort entstanden, sich ins Eisen einfrißt,

Genauso führet auch die eigne Tat

Die maßlos Lebenden zur Leidenswelt.

 

 

 

Nichtüben ist des Wissens Fluch,

Des hauses Fluch untätigkeit,

Trägheit der Fluch der Schönheit ist

Und Lässigkeit des Wächters Fluch.

 

 

 

Durch Schlechtigkeit wird’s Weib befleckt,

Durch Knauserei, wer gaben gibt.

Solch bösen Dinge Flecken sind

In dieser und der nächsten Welt.

 

 

Noch größ’ren Flecken als jenen gibt’s:

Verblendung ist der größte Fleck;

So überkommt denn diesen Fleck

Und lebet, Mönche, fleckenlos.

 

 

 

Der Schamlose lebt leicht dahin,

Der freche Rabe, Lästerer,

Der Prahler, der Vermessene,

Der ein verdorb’nes Leben führt.

 

 

 

Schwer lebt sich’s für den Schamhaften,

Der allzeit nach der Reinheit strebt,

Der losgelöst, bescheiden ist,

Der lauter lebt und klar erkennt.

 

 

 

Wer Lebewesen bringet um,

Und lügenhafte Worte spricht,

An fremden gute sich vergreift,

Zum Weibe seines nächsten geht,

 

 

 

Und dem Genuß von Wein und Schnaps

Ergeben ist, ein solcher Mann

Gräbt sich schon hier in dieser Welt

Die eignen Lebenswurzel aus.

 

 

 

So wisse denn, mein lieber Mann:

Wer Übles tut, ist unbeherrscht.

Mög’ Gier und Falschheit nimmer dich

Ins Leiden zwingen lange Zeit.

 

 

 

Das Volk gibt gaben aus Vertrau’n,

Und auch aus Neigung tut es dies.

Wer da verstimmt ist über das,

Was andre trinken und verzehr’n,

Der wird, weder bei Tag noch Nacht,

Die Sammlung sich erringen je.

 



Wer aber diesen Trieb zerstört,

Entwurzelt und entrodet hat,

Der mag, bei Tage oder Nacht,

Erringen rechte Sammlung sich.
 

 

 

 

Kein Feuer brennt so wie die Gier,

Kein Griff greift fester als der Haß,

Kein Netz verstrickt so wie der Wahn,

Kein Strom gleicht dem Begehrensstrom.

 

 



Der andern Fehler sieht man leicht,

Schwer aber man die eignen sieht;

Der andern Fehler deckt man auf

Grad wie man aussondert die Spreu,

Die eignen aber man verdeckt

Wie Falschspieler den schlechten Wurf.

 

 

 

Wer stets der andern Fehler sucht,

Beständig auf Bekrittlung sinnt,

Dem wachsen alle Triebe an;

Der Triebversiegung ist er fern.

 

 

 



Im Luftraum bleibet keine Spur,

Und keinen Mönch gibt’s außerhalb.

An Weltlichkeit freut sich die Welt,

Vollendete sind weltentrückt.

 

 

 

Im Luftraum bleibet keine Spur,

Und keinen Mönch gibt’s außerhalb.

Daß nichts Beständigkeit besitzt:

Davon kein Budha gehet ab.

 

 

 

 

Das Kapitel über das Gesetz - Dhammattha

 

 

Nicht ist gesetzesfest einer, der

Mit Willkür das Gesetz auslegt.

Der Weise, der da beides prüft,

Das Rechte wie das Falsche auch,

 

 

Ohn’ Willkür und gesetzgemäß

Und unparteilich andre prüft,

Und so an das Gesetz sich hält,

Solch Weiser als gesetzfest gilt.

 

 



Nicht darum man als Weiser gilt,

Weil man gar viel zu reden weiß;

Wer friedvoll, sündlos, furchtlos ist,

Der gilt fürwahr als weiser Mann.

 

 

 

Nicht gilt man als gesetzerfahr’n,

Weil man gar viel zu reden weiß;

Doch wer, bei wenig Kenntnis selbst,

Leibhaftig das Gesetz durchschaut

Und nicht mehr abläßt vom Gesetz,

Der wahrlich ist gesetzerfahr’n.

 

 



Ehrwürdig ist man nicht darum,

Weil man ergrautes Haupthaar hat;

Wenn’s Leben auch gereift schon ist,

Mag doch ein alter Tor man sein.

 

 

Wer Wahrheit uns Gesetz befolgt,

Mild ist, gezügelt und beherrscht,

Solch fleckenloser, ernster Mann

Als Ehrwürdiger gilt mit Recht.

 

 

 

Nicht wegen bloßer schöner Worte,

Nicht wegen Anmut der Gestalt

Nennt man von edler Art den Mann,

Der Neid und Geiz und List besitzt.

 

 

Wer aber alles dies zerstört,

Entwurzelt und entrodet hat,

Solch haßgeklärter Weiser gilt

Als Mensch von edler Art mit Recht.



 

 

Nicht wird man Mönch durch die Tonsur;

Wie könnt wohl Mönch auch einer sein,

Der ohne Zucht ist, lügnerisch,

Von Wünschen und von Gier erfüllt?.

 

 

 

Doch wer die üblen Dinge ganz

Besänftigt, ob klein, ob groß,

Wird, weil er’s Böse hat besänftigt,

ein Samana, ein Mönch genannt.

 

 



Nicht darum ist man Bettelmönch,

Daß man bei andern betteln geht.

Wer ungeradem Wege folgt,

Gilt darum nicht als Bettelmönch.

 

 

 

Wer aber gut wie böse da

Als Heil’ger aufgegeben hat

Und in der Welt bedachtsam lebt,

Der wahrlich wird ein Mönch genannt.

 

 

 

Durch Schweigen wird der blinde Tor

zum stillen Denker nimmermehr.

Wer weise wie auf einer Waage

Abwägt und sich das Beste nimmt,

 

 

 

Das Böse läßt, der gilt als Denker,

Als stiller Denker dessenthalb.

Wer beide Welten klar durchschaut,

Darob als stiller Denker gilt.

 

 

 



Nicht darum gilt man als ein Herr,

Daß man die Wesen leiden läßt;

Wer keinem Wesen wehetut,

Den nennt man einen edlen Herrn.

 

 



Durch Regeln und durch Riten nicht,

Auch nicht durch große Wissensmacht,

Auch durch Gewinn der Sammlung nicht,

Nicht durch entleg’ne Lagerstatt,

 

 

 

Gewann ich der Entsagung Glück,

Das nie ein Weltling hat erlebt.

O Mönch, sei nicht zu selbstgewiß,

Bevor die Triebe sind versiegt!

 

 

  

Das Kapitel über den Pfad - Magga

 

 

Der Achtpfad ist der beste Pfad,

Die höchsten Wahrheiten sind vier,

Loslösung höchster Zustand ist,

Der Buddha ist der höchste Mensch.

 

 

Kein andrer Pfad wie diese ist’s,

Der zur Erkenntnisreinheit führt.

Drum wandelt diesen Pfad entlang,

Dann wird der Mahr geblendet sein.

 

 

 

Denn wenn ihr diesem Pfade folgt,

Macht ihr ein Ende allem Leid.

Gelehrt hab’ ich den Pfad, erkannt

Wie man vom Stachel sich befreit.


 

 

 

Ihr selbst müßt eifrig euch bemüh’n,

Die Buddhas zeigen bloß den Weg.

Wer diesem folget selbstvertieft,

Wird aus den Banden Mahrs erlöst.

 

 

 

„Unstet ist jede Daseinsform“:

Wenn das mit Einsicht man erkennt,

Dann löst man sich vom leiden los.

Dies als der Weg zur Reinheit gilt.

 

 

 

„Leidvoll ist jede Daseinsform“:

Wenn das mit Einsicht man erkennt,

Dann löst man sich vom Leiden los.

Dies als der Weg zur Reinheit gilt.
 

 

 



„Die Dinge all’ sind wesenlos“:

Wenn das mit Einsicht man erkennt,

Dann löst man sich vom Leiden los.

Dies als der Weg zur Reinheit gilt.

 

 

Wer sich nicht aufraffet zur rechten zeit,

Als junger, kräft’ger Mann zur Trägheit neigt,

Schwach ist im Denken und Entschluß, erschlafft,

Solch träger findet nicht den Wissenspfad.

 

 

 

Bewacht in Worten und im Geiste wohl beherrscht,

Verübe man in Werken keine böse Tat.

Man läutre eben diese Wirkensfährten drei,

Gewinne den von Weisen dargelegten Pfad.

 

 

 

Durch Übung wächst das Wissen an,

Doch ohne Übung schwindet’s hin.

Wer diesen Doppelweg erkennt

Zum Wachsen und zum Untergang,

Das festige sein eigen Selbst,

Auf daß das Wissen wachse an.

 

 

Haut’s Dickicht um, nicht bloßen Baum!

Im Dickicht lauert die Gefahr.

Haut’s groß’ und kleine Dickicht um,

Und seid vom Gierdendickicht frei.

 

 

 

Solang’ das kleinste Dickicht der Begier

Nicht umgehau’n ist zwischen Mann und Weib,

Solange hängt im Geist man noch daran,

Genau wie’s Milchkalb an der Mutter hängt.

 

 

Reiß’ alles haften raus, das in dir ist,

Wie man im Herbst die Lotuswurzeln ausreißt;

Gewinne du den Pfad des Friedens,

Das Nirwahn, das der Buddha uns enthüllte.

 

 

 

„Hier leb’ ich in der Regenzeit,

Im Winter da, im Sommer dort“:

So überlegt der Tor bei sich,

Weiß aber nicht, was kommen kann.

 

 

 

Wer da durch Kind und Vieh betört

Und geistig angehangen ist,

Den reißet mit sich fort der Tod,

Gleichwie die Flut ein schlafend Dorf.

 

 



Nicht Söhne können helfen da,

Nicht Eltern, auch Verwandte nicht:

Für den vom Tod Ergriffenen

Gibt’s bei Verwandten keinen Schutz.

 

 

 

Hat diesen Umstand wohl erkannt

Der Weise, sittlich wohl beherrscht,

So bahne er ganz eiligst sich

Den Weg, der zu dem Nirwahn führt.


 

 

 

 

Source : http://www.wat-lao.com