Dhammapada

Teil 1

Das Paaren-Kapitel

Das Wachheits-Kapitel

Das Geist-Kapitel

Das Toren-Kapitel

Das Weisen-Kapitel

Das Heiligen-Kapitel

Das Blumen-Kapitel


Das Bösen-Kapitel

Das Tausend-Kapitel

Das Alters-Kapitel

Das Züchtigungs-Kapitel

Das Selbst-Kapitel

Das Welt-Kapitel

Das Buddha-Kapitel

Das Glücks-Kapitel

Das Liebes-Kapitel

Das Zorn-Kapitel

Das Flecken-Kapitel

Das Gesetzes-Kapitel

Das Pfad-Kapitel


Das Vielerlei-Kapitel

Das Höllen-Kapitel

Das Elefanten-Kapitel

Das Begehrens-Kapitel

Das Mönchs-Kapitel

Das Priester-Kapitel
Teil 3
Teil 2 Teil 4

Teil 4

 

Das Vielerlei Kapitel - Pakinnaka

 

 

Wenn durch Verzicht auf kleines Glück

Er ein erhab’nes Glück gewahrt,

Geb’s kleine Glück der Weise auf

Im Anblick solch erhab’nen Glücks.
 

 

 

 

Wer da nach eig’nem Glücke strebt

Und dadurch andern Leid zeugt,

Wird, in Gehässigkeit verstrickt,

Vom Hasse nimmermehr befreit.

 

 

 

Das, was zu tun ist, meiden sie;

Tun aber das, was sich nicht ziemt.

In solchen Dreisten, Lässigen,

Das wachsen alle Triebe an.

 

 

Die allzeit emsig üben aus

Betrachtung alles Leiblichen,

Die meiden das zu Meidende

Und tun beharrlich ihre Pflicht.

Die achtsam sind und klarbewußt,

In denen schwindet jeder Trieb.

 

 

Hat Vater, Mutter er erschlagen,

Dazu zwei Adelskönige,

Samt dem Gefolge und dem Volk,

Zieht leidlos hin der Heilige.

 

 

 

Hat Vater, Mutter er erschlagen,

Dazu zwei Priesterkönige,

Den Tiger als das fünfte Hemmnis,

Zieht leidlos hin der Heilige.

 

 

 



In voller Wachheit wachen sie

Allzeit die Jünger Gotamas,

Bei denen Tag und Nacht der Geist

Beständig an den Buddha denkt.

 

 



In voller Wachheit wachen sie

Allzeit die Jünger Gotamas,

Bei denen Tag und Nacht der Geist

Beständig an die Lehre denkt.

 

 



In voller Wachheit wachen sie

Allzeit die Jünger Gotamas,

Bei denen Tag und Nacht der Geist

Beständig an den Orden denkt.

 

 



In voller Wachheit wachen sie

Allzeit die Jünger Gotamas,

Bei denen Tag und Nacht der Geist

Beständig an den Körper denkt.

 

 

In voller Wachheit wachen sie

Allzeit die Jünger Gotamas,

Bei denen Tag und Nacht der Geist

An Milde seine Freude hat.

 

 



In voller Wachheit wachen sie

Allzeit die Jünger Gotamas,

Bei denen Tag und Nacht der Geist

An Geistentfaltung Freude hat.

 

 

Gar schwer ist’s hausloser zu sein,

Gar schwer sich daran zu erfreu’n;

Gar schwer ist’s Leben in dem Haus,

Das Hausleben ist voller Leid.

Mit gleichen leben leidvoll ist,

Auch Leid den Wanderer verfolgt.

Mach’ drum ein Ende allem Wandern

Und wird’ nicht mehr verfolgt vom Leid!

 

 

Wer voll Vertrau’n und Sittlichkeit,

Mit Ruhm und Reichtum ist verseh’n,

Der wird, wohin er immer geht,

An allen Orten hoch geehrt.

 

 

 

Gestillte leuchten schon von ferne,

Dem ew’gen Schneegebirge gleich;

Doch ungestillte sieht man nicht,

Wie Pfeile in der Nacht entsandt.

 

 

 





Einsam sitzen, einsam liegen,

Einsam wandernd, unermüdlich,

Einsam selber sich bezähmend,

Weil’ man froh im wilden Walde.

 

 

Das Höllen Kapitel - Niraya

 

 



Wer Unwahrheiten äußert, fährt zur Hölle,

Auch wer nach ausgeübter Tat sie leugnet:

Sie beide trifft als Menschen von gemeiner Tat

Nach ihrem Tod das gleiche Los im Jenseits.
 

 

 

 

Gar viele Gelbbehalste sind

Dem Bösen hold und unbeherrscht.

Solch’ Böse führ’n die bösen Taten

Hinab zu einer Höllenwelt.

 

 

 

Besser für den Sittenlosen

Glühend-heiße Eisenkugel

Schlucken, als des Landes Speise

Zu verzehren ungezügelt.
 

 

 

Vier Dinge treffen einen läss’gen Menschen,

Der mit den Frauen anderer verkehrt:

Erwerb von Schuld, kein lager wie er’s gern hat,

Als drittes tadel und die Hölle viertens,

 

 

 

Erwerb von Schuld, auch üble Daseinsfährte,

Gar kurze Lust des Bangen mit der Bangen;

Und schwere Strafe legt ihm auf der König;

Drum pfleg’ der Mann nie mit des andern Weib Verkehr.

 

 

 

Wie’s Kusagras, falsch angefaßt,

Die eigne Hand aufschlitzt, so reißt

Das Mönchstum, wenn falsch angefaßt,

Den Menschen in das Höllenreich.

 

 

 

Die Tat, die nachlässig man tut,

Die Regel, die beschmutzt man hat,

Das Mönchstum, das voll Argwohn ist:

All das bringt keine hohe Frucht.
 

 

 

Was man auch tu, tu gründlich man,

Und führ’ es fest entschlossen aus,

Denn Mönchstum, lässig ausgeübt,

Häuft immer größern Unrat an.

 

 

Böses besser ungetan bleibt,

Denn das Böse quält uns später,

Besser tu man nur das Gute,

Das uns niemals Qualen bringet.

 

 

 

Wie eine feste Grenzstadt da,

Ist drinnen und draußen wohlbewacht,

So hütet euer eignes Selbst,

Laßt rechten Zeitpunkt nicht entflieh’n!

Denn wer die rechte Zeit verpaßt,

Klagt, wegen Höllen Übermacht.

 



Wer sich da schämt, wo Scham verkehrt,

Und sich nicht schämt, wo Scham sich ziemt:

Solch Wesen, falscher Meinung hold,

Gelangt hinab zur Leidenswelt.

 

 

 

In Nichtgefahr Gefahr r sieht,

Doch in Gefahren Nichtgefahr;

Solch Wesen, falscher Meinung hold,

Gelangt hinab zur Leidenswelt.

 

 

 

Was nicht schlecht ist, für schlecht er hält,

Was aber schlecht ist, nicht für schlecht:

Solch Wesen, falscher Meinung hold,

Gelangt hinab zur Leidenswelt.

 

 

 

Wer’s Schlechte für das Schlechte hält,

Und nicht für schlecht, was schlecht nicht ist:

Solch Wesen, rechter Meinung hold,

Gelangt zu einer Welt des Glücks.

 

 

Das Elefanten Kapitel - Naga

 

 



Wie in der Schlacht der Elefant

Heranschwirrenden Pfeil erträgt,

So trug ich die Beschimpfungen.

Ja, böse Sitten hegt das Volk.

 

 



Bezähmten führet man zum Kampf,

Bezähmten bloß besteigt der Fürst;

Bezähmter Mensch der beste ist,

Der allen Schimpf geduldig trägt.

 

 

Gezähmtes Maultier ist gar gut,

Gar gut gezähmtes Sindhu-Roß,

Auch gut der mächt’ge Elefant,

Doch besser, wer sich selbst bezähmt.
 

 

 

 

Auf solchen Tieren niemals man

Zum unbetret’nen Reich gelangt,

So wie bei wohlbezähmten Selbst

Bezähmter mit Bezähmten geht.

 

 

 

Der Dahnapalaka, der Elefant,

Hatt’ scharfen Brunstschweiß und zwar schwer

zu bändigen,

Gefesselt fraß er keinen Bissen

Und dachte bloß an seinen Elefantenwald.

 

 

 

Wenn einer schlaff ist, voll Gefräßigkeit,

Und schläfrig sich auf seinem Lager wälzt umher,

Dann ist genau er wie ein fettes Mastschwein;

Und immer wieder tritt ins Dasein ein der Tor.
 

 

 



Es schweifte früher dieser geist gar viel umher -

Wozu und wo und wie’s auch immer ihm gefiel -;

Doch heute will ich’s weise ihm verwehren,

Wie Treiber geilen Elefanten hält zurück.

 

 

Der Wachheit gebt euch freudig hin

Und wachet übers eigne Herz.

Zieht euch heraus aus dem Morast

Wie schlammversunk’ner Elefant.

 

 

 

Wenn einen einsichtsvollen Freund du findest,

Einen Gefährten, weise, edel lebend,

Magst freudig du und achtsam mit ihm wandeln

Und überwinden jegliche Gefahr.
 

 

 

Wenn keinen einsichtsvollen Freund du findest,

Einen Gefährten, weise, edel lebend,

Sei wie ein König, der sein Land im Stiche läßt

Und wandle einsam wie der Elefant im Wald.

 

 

 

Alleinig wandern besser ist,

Gemeinsames gibt’s nicht mit Tor’n.

Man lebe einsam, tue keine böse Tat,

Sei unbekümmert wie der Elefant im Wald.

 

 

 

 

Wenn Not sich einstellt, sind ein Glück die Freunde;

Ein Glück ist die Genügsamkeit bei allem;

Verdienste sind ein Glück beim Lebensende;

Ein Glück ist alles Leidens Überwindung.

 

 

 

Ein Glück ist die Mutterschaft allhier,

Auch die Vaterschaft ein Glück,

Ein Glück ist die Asketenschaft,

Ein Glück auch ist die Heiligkeit.

 

 

 

 

Ein Glück ist die Tugend lebenslang,

Ein Glück gefestigtes Vertrau’n;

Gewinn an Wissen ist ein Glück,

Ein Glück, nicht Böses mehr zu tun.

 

 

 

Das Kapitel über das Begehren - Tanha

 

 

Im Menschen, der in Lässigkeit dahin lebt,

Wächst das Begehren an lianengleich,

Und wie im Wald der früchtegier’ge Affe

Eilt er vom Sein zu immer neuem Sein.
 

 

 

Wer diese nied’re Lust bezwingt,

Die fest sich klammert an die Welt,

In solchem wuchert Sorge hoch

Grad’ wie das regenfeuchte Gras.


 

 

 

Wer diese nied’re Lust bezwingt,

So schwer besiegbar in der Welt,

Von dem fällt alle Sorge ab

Wie Wassertropf’ vom Lotusblatt.

 

 

 

Zu eurem Heile sag’ ich’s euch,

Die ihr allhier versammelt seid:

Reißt aus die Wurzel der Begier,

Wie’s Gras, dess’ Wurzel man begehrt!

Mög’, wie der Strom das Röhricht knickt,

Der Mahr euch nicht vernichten stets!

 

 

 

Wie selbst der abgehau’ne Baum von neuem sproßt,

Solang’ die Wurzel unbeschädigt ist und stark,

Genauso steigt dies Leiden immer wieder auf,

Solang’ der Giertrieb noch nicht ausgerottet ist.

 

 



In wen die sechsunddreißig Ströme,

Die mächt’gen, lieblich strömen ein,

Solch Irren reißen fort die Wogen

Der Wünsche, die auf Gier beruh’n.

 

 

 

Die Ströme stömen allwärts hin;

Empor sich die Liane rankt.

Habt diese ihr entstehen seh’n,

Reißt weise ihr die Wurzel aus.

 

 

 

Dem Menschen kommen freudige Gefühle,

Forttreibende und lustbehaftete.

Die Lust geneigt, nach Freuden suchend,

Eilt immer er zu Alter und Geburt.

 

 

Die Menschheit, von dem Durste hingerissen,

Umherkriecht wie ein Hase in der Falle.

Durch Fesseln und durch Haften festgehalten,

Verfällt sie langem Leiden immer wieder.

 

 

 

 

Die Menschheit, von dem Durste hingerissen,

Umherkriecht wie ein Hase in der Falle.

Darum vertreibe das Begehren

Der Mönch, auf eigene Erlösung hoffend.

 

 

 

Wer, frei vom Dickicht, hold dem Dickicht ist,

Vom Dickicht frei zum Dickicht wieder eilt,

Solch einen Menschen seht euch einmal an:

Befreit eilt in die Bande er zurück.

 

 

 

Nicht gilt den Weisen die als feste Fessel,

Der hergestellt aus Gras, Holz oder Eisen.

Der gierentbrannte Wunsch nach edlen Steinen,

Nach Ringen, wie nach Kindern und auch nach Frauen:

 

 

 

Die Gierentbrannten in den Strom sich stürzen,

Wie Spinne hineilt in das selbst gewob’ne Netz.

Durchkreuzend diesen Strom die Weisen zieh’n,

Die, wunschlos, alles Leiden überwandern.

 

 

 

Laß’ los vom Früh’ren, los vom Spät’ren;

Von dem auch, was dazwischenliegt, laß’ los.

Weltüberwindend, allwärts geisterlöst,

Verfällst du Alter und Geburt nicht mehr.
 

 

 

 

Im Menschen, der gequält wird von Gedanken,

Erfüllt von heft’ger Gier das Schöne sucht,

In dem nimmt das Begehren ständig zu;

Und eine feste Fessel schafft er sich.

 

 



Wer an Gedankenruhe sich erfreut,

Das Bild des Ekels weckt, stets klar bewußt,

Der wird die Fesseln Mahrs vernichten,

Der wird die Fesseln Mahrs völlig zerstör’n.
 

 

 

 

Wer’s Ziel gewann, nicht mehr erbebt,

Frei von Begier ist, unbefleckt,

Der bricht des Daseins Stacheln ab;

Und dieses ist sein letzter Leib.

 

 



Wer frei von Gier und Haften ist,

Mit Wort und Sprache wohl vertraut,

Den Wortzusammenhang versteh’nd,

Was früher und was später kommt,

Und seinen letzten Körper trägt,

Der gilt als hoher Wissenswart.

 

 

 

Allüberwinder bin ich, Allerkenner,

Von keinem Dinge mehr werd’ ich befleckt,

Ließ alles fahr’n, erlöst in Gierversiegung,

Hab’ selbst erkannt, wen sollt’ ich Lehrer nennen?

 

 

 

Alle Gaben übertrifft die Warheitsgabe,

Die Genüsse alle der Genuß der Wahrheit,

Alle Wonne überwältigt Wahrheitswonne,

Gierversiegung überwältigt alles Leid.

 

 

 

 

Der Reichtum bringt den Toren um,

Nicht den, der’s andre Ufer sucht.

Durch Durst nach Schätzen bringt der Tor

Sich um, als sei ein Fremder er.

 

 

 

Das Gras ist ein Verderb für’s Feld,

Für diese Menschheit ist’s die Gier.

Was drum den Gierlosen man gibt,

Solch’ Gabe bringet hohen Lohn.

 

 

 

 

Das Gras ist ein Verderb für’s Feld,

Für diese Menschheit ist’s der Haß.

Was drum den Haßlosen man gibt,

Solch’ Gabe bringet hohen Lohn.

 

 

 

Das Gras ist ein Verderb für’s Feld,

Für diese Menschheit ist’s der Wahn.

Was drum den Wahnlosen man gibt,

Solch’ Gabe bringet hohen Lohn.

 

 

 

 

 

Das Gras ist ein Verderb für’s Feld,

Für diese Menschheit ist’s der Wunsch.

Was drum den Wunschlosen man gibt,

Solch’ Gabe bringet hohen Lohn.

 

 

 

 

Das Kapitel der Mönche - Bhikkhu

 

 

Beherrscht sein beim Gesicht ist gut,

Gut das Beherrschtsein beim Gehör,

Beherrschtsein beim Geruch ist gut,

Gut das Beherrschtsein beim Geschmack,
 

 

 

In Werken sich beherrschen gut,

Gut sich beherrschen auch im Wort,

Im Geiste sich beherrschen gut,

Gut sich beherrschen überall.

Der Mönch, der allseits ist beherrscht,

Der wird von allem leid befreit.
 

 

 

Wer seine Hände zügelt, seinen Fuß,

Die Rede zügelt, selbstgezügelt ist,

Im Inneren beglückt, gesammelt,

Allein zufrieden: der als wahrer Mönch gilt.
 

 

 

 

Der Mönch, der seinen Mund beherrscht,

Der weise spricht, nicht aufgeregt,

Die Lehre weist und ihren Sinn,

Gar lieblich dessen Rede klingt.

 

 

 

Der Mönch, der das Gesetz erforscht,

Voll Lust und Freude am Gesetz,

Stets des Gesetzes eingedenk,

Irrt vom Gesetze nie mehr ab.

 

 



Mißachte nicht, was du erhältst,

Heg’ gegen andre keinen Neid;

Dem Mönch, der andere beneidet,

Wird Sammlung nimmermehr zuteil.

 

 

 

Selbst wenn der Mönch nur wenig kriegt,

Doch was er kriegt, gering nicht schätzt,

So preisen alle Götter ihn,

Der rein lebt, niemals lässig ist.

 

 

 

Wer da bei Körper und beim Geist

Ganz ohne jeden Ichtrieb ist,

Und das, was nicht ist, nicht beklagt,

Den nennt man einen Mönch fürwahr.

 

 

Der Mönch, der stets in Güte weilt,

Zu Buddha Weisung voll Vertrau’n,

Erringt die stille Stätte bald,

Das Glück des Stillstands aller Form.

 

 

 

Schöpf’ aus, o Mönch, dies schwere Boot;

Ist’s ausgeschöpft, wird’s leichter fahr’n.

Hast gier und Haß du ausgetilgt,

Erreichst du das Nirwahn bald.

 

 

 

Fünf schneide durch, laß’ fahren fünf,

Und weit’re fünf entfalte du.

Der Mönch, vom Fünferhang befreit,

Der, heißt es, hat die Flut durchkreuzt.

 

 

 

Vertief’ dich, Mönch, und sei nicht lässig,

Laß’ deinen Geist nicht um die Sinnendinge kreisen.

Schluck’ achtlos nicht den glühn’den Eisenklump,

Und klage brennend nicht; „Ach, welche Qual!“
 

 

 

Ohn’ Wissen gibt’s Vertiefung nicht

Und ohn’ Vertiefung Wissen nicht;

Wer Wissen und Vertiefung hat,

Der wahrlich ist dem Nirwahn nah’.

 

 

 

In leerer Klause eingetreten

Wird dem in geist gestillten Mönch

Ein übermenschliches Glück zuteil,

Derweil er klar die Wahrheit schaut.

 

 

 



Wenn immer man im Geist erwägt

Der Daseinsgruppe Auf- und Untergang,

Erlangt Verzücken man und Glück:

Der Kenner nennt’s das todlos’ Reich.

 





Es gilt da dies als Ausgangspunkt

Für einen weisen Mönch dahier:

Die Sinne zügle, sei genügsam,

Beherrsch’ dich in der Ordenszucht!
 

 

 

 

Mit edlen Freunden gehe um,

Die rein leben, nicht träge sind,

Benimm dich freundlich überall,

Sei im Verhalten allzeit klug.

Dann wirst von Wonne du erfüllt

Ein Ende machen allem Leid.

 



Gerade wie der Jasminstrauch

Die faulen Blüten schüttelt ab,

So auch, ihr Mönche, sollte man

Sich ganz befrei’n von Gier und Haß.

 

 

 

Wer gestillt in Worten und Werken,

Geistgestillt ist, wohl gesammelt,

Ausgespien hat die Weltlust,

Solcher Mönch gilt als Gestillter.

 

 

 

Du selber feu’re an dein Selbst,

Dein Selbst du selber prüfe wohl!

Voll Achtsamkeit und selbstbewacht

Wirst glücklich leben du, o Mönch.

 

 

 



Das Selbst ist unser eigner Herr,

Das Selbst als eigne Zuflucht gilt.

Drum zügle du dein eignes selbst

Gleichwie ein Händler edles Roß.
 

 

 

Der Mönch, von Frohsinn ganz erfüllt,

Zu Buddhas Weisung voll vertrau’n,

Gelangt zur Friedensstätte hin,

Zum Glück und Ende aller Form.

 

 

 

Wer wahrlich schon als junger Mönch,

Des Buddhas Weisung hin sich gibt,

Der überstrahlt diese Welt

Gleichwie der wolkenfreie Mond.

 

 

 

 

Das Kapitel über die Priester - Brahma

 

 

Durchkreuz’ den Strom mit voller Macht,

Laß’, Priester, fahr’n die Sinnlichkeit.

Hast du der Dinge Schwund erkannt,

Dann kennst das Unentstand’ne du.


 

 

 

Sobald auf zwei Gebietern da

Der Heil’ge hat das Ziel erreicht,

So fallen alle Fesseln ab

Von ihm, dem Klarerkennenden

 

 

 



Wem Diesseits sowie Jenseits schwand,

Wem alles beides nicht mehr gilt,

Der unbedrängt ist, losgelöst,

Das nenne einen Priester ich.

 

 

 

Wer dasitzt fleckenlos, vertieft,

Das Werk gewirkt hat, triebversiegt,

Zum höchsten Ziele hingelangt,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

 

Bei Tag die Sonne hell erstrahlt,

Zur Nachtzeit aber scheint der Mond,

Im Waffenschmuck der Krieger strahlt,

Es strahlt der Priester selbstvertieft.

Doch allezeit, bei Tag wie Nacht,

In seinem Glanz der Buddha strahlt.

 



Brahmane ist, wer’s Böse brach,

Samane, wer die Sanftmut lebt.

Entsager aber wird genannt,

Wer eig’nem Schmutz entsaget hat.

 

 

 

Nicht schlage einer den Brahmanen,

Und nicht fahr’ dieser jenen an.

Pfui dem, der den Brahmanen schlägt!

Pfui dem Brahmanen, der ihn anfährt.

 

 

 

Dies dem Brahmanen nicht geringer Vorteil bringt,

Wenn von Erwünschtem er den Geist zurückhält;

Wobei auch dieser Geist des Wehtuns schwindet,

Dort wahrlich kommt das ganze Leid zur Ruhe.

 

 

 

Wer immer da, in Wort, in Tat,

Im Geiste, nichts mehr Böses wirkt,

In diesen Dingen drei beherrscht,

Den nenne einen Priester ich.

 

 



Durch den du das Gesetz erfuhrst,

Das der Erleuchtete gelehrt,

Den mögst in Demut du verehr’n

Wie’s Feueropfer der Brahmanen.

 

 

 

Nicht machen Flechten, nicht Geschlecht,

Auch nicht Geburt zum Priester dich.

In wem Gesetz und Wahrheit lebt,

Der gilt als Priester, gilt als rein.

 

 

 

Was nützt dir, Tor, das Haargeflecht,

Was nützt dir dieses Kleid aus Fell?

Im Innern wuchert dir Gestrüpp,

Und bloß dein Äuß’res striegelst du.


 

 

 

Der Mann der Fetzenkleidung trägt,

Gar hager ist, adernbedeckt,

Im Walde einsam weilt, vertieft,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

 

Brahmanen nenne ich einen nicht,

Weil er dem Mutterleib entsproß.

„Hm, Kamerad!“ so sagt er wohl,

Wenn ihm auch anhängt allerlei.

Wem, frei vom Haften, nichts hängt an,

Nur der mir als Brahmane gilt.

 

 

Wer jede Fessel hat zerstört

Und niemals mehr erbeben kann,

Vom Haften und vom Fesseln frei,

Den nenne einen Priester ich. 

 

 



Der Band und Fessel hat zertrennt

Und das Geflecht der reihe nach,

Den Buddha, der den Riegel hob,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

 

Wer Schmähung, Schläger, Fesselung

Ohn’ jeden Groll geduldig trägt,

Den Duldsamstarken kampfgestählt,

Den nenne einen Priester ich.

 

 



Wer ohne Zorn, der Übung treu,

Voll Sittlichkeit, von Flecken frei,

Bezähmt, den letzten Körper trägt,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

 

 



Wie Wasser an dem Lotusblatt,

Wie Senfkorn auf dem spitzen Pfriem:

Wenn Sinnlichkeit nicht mehr befleckt,

Den nenne einen Priester ich.
 

 

 



Wer schon bei seinen Lebzeiten

Des eignen Leidens Ende schaut,

Der Bürde ledig, losgelöst,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

 

Wer, wissenstief und einsichtsvoll,

Mit Weg und Abweg wohl vertraut,

Das höchste Ziel errungen hat,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

 

Wer da mit beiden nicht verkehrt,

Mit Hausleuten und Hauslosen,

Und hauslos wandert, ohne Wunsch,

Den nenne einen Priester ich.

 

 



Der gegen Wesen, schwach wie stark,

Die Grausamkeit hat abgelegt,

Der weder schlägt, noch schlagen läßt,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

 

Wer streitlos ist bei Streitenden

Und friedvoll bei Bewaffneten,

Vom Haften frei bei Haftenden,

Den nenne einen Priester ich.
 

 

 

 

 

Von dem die Gier ist abgeworfen,

Der Dünkel, Haß, Anschwärzerei,

Wie’s Senfkorn von dem spitzen Pfriem,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

 

Wer ohne Härte Worte spricht,

Die wahr sind, die belehrend sind,

Durch die er niemanden verletzt,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

 



Wer etwas, sei es lang’, sei’s kurz,

Sei’s fein, grob, unschön oder schön,

Nicht, ungegeben, an sich nimmt,

Den nenne einen Priester ich.

 



Der kein Verlangen mehr erfüllt

Nach dieser oder jener Welt,

Der wunschlos ist und losgelöst,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

 



Wer da kein Haften mehr besitzt,

Erkannt hat, frei von Schwanken ist,

Ins Todlos ist eingetaucht,

Den nenne einen Priester ich

 



Wer gut wie Böse überwand

Und allem Haften ist entflohn,

Von Leid frei, fleckenlos und rein,

Den nenne einen Priester ich.
 

 

 

 



Der klar ist, rein und unbefleckt

Gleichwie der ungetrübte Mond,

In dem die Daseinslust erslosch,

Den nenne einen Priester ich.
 

 



Wer diesem Irrweg, diesem Sumpf

Der Wandelwelt, der Blindheit Wahn

Entrann, das andre Ufer fand,

Vertieft, von Gier und Zweifel frei,

An nichts mehr hängt, völlig erlöst,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

Wer aller Sinnlichkeit entrückt,

Als Hausloser zieht seines Wegs,

Von Sinnlichkeit und Dasein frei,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

 

Wer dem Begehrenstrieb entrückt,

Als Hausloser zieht seines Wegs,

Von Sinnlichkeit und Dasein frei,

Den nenne einen Priester ich.
 

 





Wer Menschenfesseln fahren ließ,

Die Himmelsfessel überwand,

Von allen Fesseln losgelöst,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

 

Wer Lust und Unlust überwand,

Verglüht ist und vom Haften frei,

Den Helden, der die Welt bezwang,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

 

 

Der klar erkennt, wie alle Wesen

Verschwinden und von neu’m ersteh’n,

Den Buddha, haftlos, unversehrt,

Den nenne einen Priester ich.

 

 





Dem, dessen Fährte keiner kennt,

Ganz gleich, ob Gott, Geist oder Mensch,

Den Triebversiegten, Heiligen,

Den nenne einen Priester ich.

 




Der vorher, nachher, mittendurch

Nichts mehr sein Eigen nennen mag,

Der nichts besitzt, an nichts mehr hängt,

Den nenne einen Priester ich.
 

 





Den höchsten, hehresten Helden,

Den hohen Weisen, sieggekrönt,

Den lautern Buddha, wunscherlöst,

Den nenne einen Priester ich.
 

 

 

Wer da sein früh’res Dasein schaut,

Den Himmel und den Abweg kennt,

Zum Daseinsende ist gelangt,

Im Wissen die Vollendung fand,

Den Weisen, Allvollendeten,

Den nenne einen Priester ich.

 

 

   

Source : http://www.wat-lao.com