Aṅguttara Nikāya
Das Zweier-Buch
37. Ursachen des Streites
So habe ich gehört. Zu einer Zeit weilte der ehrwürdige Mahā-Kaccāna bei Varanā, am Ufer des Schlammsees. Da nun begab sich der Brahmane Arāmadanda dorthin, wo der ehrwürdige Mahā-Kaccāna weilte. Dort angelangt, wechselte er mit dem ehrwürdigen Mahā-Kaccāna höflichen Gruß, und nach Austausch freundlicher und zuvorkommender Worte setzte er sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, sprach nun der Brahmane Arāmadanda zum ehrwürdigen Mahā-Kaccāna wie folgt:
„Was ist wohl, Herr Kaccāna, die Ursache, was ist der Grund, daß da Adlige mit Adligen streiten, Priester mit Priestern, Hausleute mit Hausleuten?“
„Wegen der Lust an Sinnendingen (kāma-rāga, ditthi-rāga), wegen des Hangens und der Sucht, der Bindung, Befangenheit und Leidenschaft dabei, deswegen, Brahmane, streiten Adlige mit Adligen, Priester mit Priestern, Hausleute mit Hausleuten.“
„Was ist aber, Herr Kaccāna, die Ursache, was ist der Grund, daß Asketen mit Asketen streiten?“
„Wegen der Lust an Theorien, wegen des Hanges und der Sucht, der Bindung, Befangenheit und Leidenschaft dabei, deswegen, Brahmane, streiten Asketen mit Asketen.“
„Gibt es wohl aber, Herr Kaccāna, irgendeinen in der Welt, der sowohl diese Lust an Sinnendingen wie auch diese Lust an Theorien überwunden hat, den Hang und die Sucht, die Bindung, Befangenheit und Leidenschaft dabei?“
„Es gibt, Brahmane, einen in der Welt, der sowohl diese Lust an Sinnendingen wie auch diese Lust an Theorien überwunden hat, den Hang und die Sucht, die Bindung, Befangenheit und Leidenschaft dabei.“
„Wer ist aber, Herr Kaccāna, jener in der Welt, der sowohl diese Lust an Sinnendingen wie auch diese Lust an Theorien überwunden hat, den Hang und die Sucht, die Bindung, Befangenheit und die Leidenschaft dabei?“
„Es liegt, Brahmane, in den östlichen Landen eine Stadt, Sāvatthī genannt. Dort weilt jetzt jener Erhabene, Heilige, völlig Erwachte. Wahrlich, jener Erhabene hat sowohl diese Lust an Sinnendingen wie auch diese Lust an Theorien überwunden, den Hang und die Sucht, die Bindung, Befangenheit und die Leidenschaft dabei.“
Nach diesen Worten stand Arāmadanda, der Brahmane, von seinem Sitze auf, schlug das Gewand über eine Schulter, beugte das rechte Knie zur Erde, und, indem er die zusammengelegten Hände nach der Richtung des Erhabenen ausstreckte, ließ er dreimal den feierlichen Ruf ertönen:
- „Ehre sei ihm, dem Erhabenen, Heiligen, vollkommen Erwachten!
- Ehre sei ihm, dem Erhabenen, Heiligen, vollkommen Erwachten!
- Ehre sei ihm, dem Erhabenen, Heiligen, vollkommen Erwachten!
Denn überwunden hat jener Erhabene diese Lust an Sinnendingen, überwunden hat er diese Lust an Theorien, den Hang und die Sucht, die Bindung, Befangenheit und die Leidenschaft dabei!
Vortrefflich, Herr Kaccāna! Vortrefflich, Herr Kaccāna! Gleichwie man, Herr Kaccāna, das Umgestürzte wieder aufrichtet oder das Verborgene enthüllt oder den Verirrten den Weg weist oder in die Finsternis ein Licht bringt, damit, wer Augen hat, die Dinge sehen kann, ebenso hat der Herr Kaccāna auf mancherlei Weise die Lehre aufgezeigt. So nehme ich, Herr Kaccāna, meine Zuflucht zu jenem erhabenen Herrn Gotama, zur Lehre und zur Mönchsgemeinde. Als Anhänger möge mich der Herr Kaccāna betrachten, als einen, der von heute ab zeitlebens Zuflucht genommen hat.“