Die Fragen des Königs Milinda
Teil 7
Kapitel 4
7.5.10. Der Elefant
„Fünf Eigenschaften des Elefanten, sagst du, ehrwürdiger Nāgasena, habe man anzunehmen: welches sind diese?“
„Gleichwie, o König, der Elefant beim Umherwandern stets den Boden zerstampft: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, durch Betrachtung seines Körpers alle Leidenschaften in sich zerstören. Das, o König, ist die erste Eigenschaft des Elefanten, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Elefant beim Umblicken sich mit dem ganzen Körper umwendet, stets geradeaus blickt und nicht nach allen Seiten schaut: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, beim Umblicken sich mit dem ganzen Körper umwenden, nicht nach allen Seiten schauen, soll weder nach oben noch nach unten blicken, sondern seinen Blick ein Joch (yuga, etwa 1½ Meter) weit vor sich gerichtet halten. Das, o König, ist die zweite Eigenschaft des Elefanten, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Elefant keine bleibende Wohnstätte hat und, wenn er auf Futter ausgeht, niemals jenen Ort zum Wohnen nimmt und ohne festen Aufenthaltsort bleibt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, keine bleibende Wohnstätte haben, sondern als Hausloser um Almosen gehen; und wenn der den Klarblick Übende einen anmutigen, geeigneten, lieblichen Ort entdeckt, eine Halle, oder den Fuß eines Baumes, oder eine Höhle, oder einen Abhang, so soll er eben dort seinen Aufenthalt nehmen, aber einen festen Wohnsitz soll er sich nicht wählen. Das, o König, ist die dritte Eigenschaft des Elefanten, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Elefant, wenn er baden will, in den von reinem, ungetrübtem, kühlem Wasser angefüllten und mit weißen, blauen und roten Lotusblumen bedeckten, gar großen Lotusteich hinein steigt und sich dort nach Art der edlen Elefanten ergötzt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, hinein steigen in den vom reinen, unbefleckten, hellen, ungetrübten, edlen Wasser des Gesetzes angefüllten und mit den Blüten der Erlösung bedeckten großen Lotusteich der Grundlagen der Achtsamkeit (satipatthānā); und durch Erkenntnis die Gebilde abschüttelnd, von sich schüttelnd, soll er sich nach Art der Yogabeflissenen ergötzen. Das, o König, ist die vierte Eigenschaft des Elefanten, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Elefant seinen Fuß bedachtsam erhebt, bedachtsam niedersetzt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, achtsam und klar bewußt den Fuß erheben, achtsam und klar bewußt den Fuß niedersetzen. überall soll er achtsam und klar bewußt sein, beim Kommen und Gehen, Beugen und Strecken. Das, o König, ist die fünfte Eigenschaft des Elefanten, die er anzunehmen hat. Auch der Erhabene, o König, der Gott der Götter, sagt in der hehren Samyutta-Sammlung:
Gut ist's in Werken sich zu zügeln,
Gut ist der Rede Zügelung,
Den Geist beherrschen, das ist gut,
Gut ist's, beherrscht sein allerwärts.
Wer schamhaft ist, allzeit beherrscht,
Der, wahrlich, gilt als wohl bewacht.“