Die Fragen des Königs Milinda
Teil 7
Kapitel 6
7.7.10. Der Zimmermann
„Zwei Eigenschaften des Zimmermannes, sagst du, ehrwürdiger Nāgasena, habe man anzunehmen: welches sind diese?“
„Gleichwie, o König, der Zimmermann sich nach seiner schwarzen Schnur richtet, wenn er den Baumstamm behaut: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, sich nach des Siegreichen Weisung richtend und feststehend auf dem Boden der Sittlichkeit, mit der Hand des Vertrauens das Beil der Weisheit ergreifen und die Leidenschaften abhauen. Das, o König, ist die erste Eigenschaft des Zimmermannes, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Zimmermann das Grünholz entfernt und sich bloß das Kernholz nimmt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, all solche Streitfragen verwerfen, als wie die Ansicht von der Ewigkeit, von der Vernichtung, die Ansichten, daß Leib und Leben identisch oder etwas Verschiedenes seien, daß dies oder etwas anderes das Höchste sei, daß das Unerschaffene zu erreichen unmöglich sei, daß das menschliche Streben wertlos sei, daß der heilige Wandel keinen Zweck habe, daß die Wesen der Vernichtung anheimfallen und (nach ihrem Tode) als neue Wesen ins Dasein treten, oder daß die Daseinsgebilde ewig seien, daß es der Täter selber sei, der das Ergebnis seiner Taten erfahre, oder daß es ein anderer sei: solcherart Ansichten über die Vergeltung der Taten und die Ansicht von der (moralischen) Wirkung bloßer Funktionen (kriyā) usw. Er soll vielmehr an der wahren Natur der Daseinsgebilde festhalten und an der Abwesenheit von Eigentätigkeit oder eines Lebensprinzips und soll deren absolute Leere sich zu eigen machen. Das, o König, ist die zweite Eigenschaft des Zimmermannes, die er anzunehmen hat. Auch der Erhabene, o König, der Gott der Götter, sagt im Sutta-Nipāta:
Das Unkraut rottet gänzlich aus,
Den Staub und Kehricht feget fort,
Und dann entfernt die dürre Spreu:
Den Nichtmönch, der ein Mönch sich dünkt.Stoßt aus, die Übles sinnen,
Die üblem Umgang zugetan!
Und selber rein, mögt ihr mit Reinen
Zusammenleben klarbewußt.“