Petavatthu

Buch 2

5. Glänzende Ohrringe

Vater:
Ohrringe schmücken dich, die glänzen,
trägst Kränze da, besprengt mit gold’nem Sandel,
doch deine Arme streckst du aus und jammerst
inmitten dieses Wald’s. Was macht dich leiden?

Sohn:
Von Gold gefertigt und gar prächtig glänzend
hab ich erhalten einen Wagenkasten,
doch find ich nicht dazu das Räderpaar.
Aus Schmerz darüber möcht’ ich lieber sterben.

Vater:
Ob er aus Gold gemacht, aus Edelsteinen,
sei er aus Eisen oder auch aus Silber,
sag’s mir nur an, mein lieber Jüngling,
dazu ein Räderpaar verschaff ich dir.

Sohn:
Der Jüngling ihm erwidert also:
Die Sonne und der Mond, zu sehen beide,
die sollen sein das Räderpaar, von dem
der goldgemachte Wagen mir ergänzt.

Vater:
Ein Tor bist du, Brahmanenjüngling,
der du nicht zu Erreichendes begehrst.
Ich glaube, eher wirst du sterben,
als dass erhalten kannst du Sonn’ und Mond.

Sohn:
Von beiden sieht man Auf- und Untergang,
auch die Gestalt und Art und ihre Bahn.
Von einem Toten aber sieht man nichts,
wer ist denn törichter als der, der klagt?

Vater:
Fürwahr, die Wahrheit redest du, o Jüngling,
ich bin noch törichter als die, die weinen,
denn wie ein Knabe nach dem Monde jammert,
so sehn’ ich mich nach dem toten Leichnam.

Wie Feuer brannte Kummer mir,
in das man flüss’ge Butter gibt.
Gleichwie man Wasser gießt hinein,
hast alles Weh du mir gelöscht.

Des Kummers Stachel zog er raus,
der mir in meinem Herz gesteckt.
Den Kummer, der mich ganz erfüllt,
den Vaterkummer nahm er mir.

Der Kummerstachel, der ist fort,
bin kühl geworden, brandgelöscht,
ich trau’re nicht, ich wein’ nicht mehr,
nachdem ich, Jüngling, dich gehört.

Bist Gottheit du, bist Gandhabba,
bist Sakka du, der Mauern stürzt?
Wer bist du oder wessen Sohn,
wie können wir erkennen dich?

Sohn:
Den du beweintest und beklagst,
der Sohn bin ich vom Leichenplatz.
Nachdem ich heilsam Werk gewirkt,
gelangt zu Dreiunddreißig ich.

Vater:
An Gaben gabst im eig’nen Haus
du weder viel noch wenig nur,
auch hielt’st du nie den Feiertag.
Wieso erwirkst du Götterwelt?

Sohn:
Beschwerden hatt ich, schwer erkrankt,
lag siech im eig’nen Hause ich.
Der frei von Makel, Zweifel ist,
der Buddha sah, voll Weisheit, mich.

Im Herzen heiter, froh im Geist
grüßt ich da den Vollendeten.
Nachdem ich heilsam Werk gewirkt,
gelangt zu Dreiunddreißig ich.

Vater:
Erstaunlich ist es, wunderbar,
dass Handgruß solche Wirkung hat.
Im Herzen heiter, froh im Geist
nehm’ Zuflucht heut zum Buddha ich.

Sohn:
Zum Buddha nimm heut Zuflucht du,
zur Lehre und zur Jüngerschaft,
im Herzen heiter übernimm
fünf Übungsschritte unbegrenzt.

Vom Töten stehe ab sofort,
was ungegeben in der Welt, vermeide,
trink keinen Rauschtrank, lüge nicht,
zufrieden sei mit eig’ner Frau.

Vater:
Mein Heil, das wünscht, o Yakkha, du,
mein Wohl hast, Gottheit, du im Sinn.
Ich will befolgen gern dein Wort,
sei du mein Lehrer mir dabei.

Zum Buddha komm zur Zuflucht ich,
zur allerbesten Lehre auch,
zum Göttermenschen-Orden noch,
ich nehme also Zuflucht dort.

Vom Töten steh sofort ich ab,
was ungegeben in der Welt vermeid ich,
trink keinen Rauschtrank, lüge nicht,
zufrieden mit der eig’nen Frau.