Petavatthu

Buch 2

7. Dhanapāla

Kaufmann:
Nackt bist du, unschön anzuseh’n,
bist abgezehrt, die Adern frei,
die Rippen sichtbar, mager sehr:
Wer bist du denn, Verehrter, wohl?

Peta:
Ich bin ein Peta ja, o Herr,
ging abwärts, kam in Yamas Welt.
Nachdem ich böses Werk gewirkt,
gelangt ich in die Petawelt.

Kaufmann:
Was hast du Böses denn getan
in Taten, Worten und im Geist,
dass du als Ernte für dies Werk
zur Petawelt hinabgelangt?

Peta:
Im Reiche Dasaṇṇa die Stadt
Erakaccha ist vielberühmt,
dort war ein Gildemeister ich,
als Dhanapāla wohlbekannt.

Ich hatte achtzig Wagen voll
vom Golde, das mir da gehört,
gar unermesslich viel an Gold
und Perlen, Edelsteinen auch.

Obwohl ich solchen Reichtum hatt,
war mir das geben doch nicht lieb,
verschließend meine Tür genos
sich, dass kein Bittender mich sah.

Ungläubig war ich, geizig sehr,
war knickerig, schalt and’re viel.
Die da zum Geben war’n geneigt,
die hielt von solchem Werk ich ab:

„Für Geben gibt es keinen Lohn,
für Selbstbezwingung keine Frucht.“
Die Teiche, Wälder, Brunnen viel,
die Parkanlagen, die ich pflanzt’,
die Wasserhäuser, Brückenbau:
das alles hab verloren ich.

Nachdem ich Treffliches versäumt,
nach bösem Wirken schied ich ab
und kam in das Gespensterreich,
von Hunger und von Durst gequält.

Sind fünfundfünfzig Jahre her,
seit ich die Zeit erfüllte einst.
Ich kenne nichts zu essen hier,
für mich gibt’s auch zu trinken nichts.

Aus dem Verweigern folgt Entbehr’n,
Entbehren kehrt Verweigern um.
Die Petas wissen das genau,
aus dem Verweigern folgt Entbehr’n.

Ich habe einst verweigert nur,
trotz vielem Reichtum gab ich nichts,
obgleich Gelegenheit war da,
schuf ich kein Eiland doch für mich.

Daher bin ich jetzt voller Reu,
von Frucht des eig’nen Werks verfolgt.
Nach Ablauf von vier Monaten
wird meine Zeit erfüllt sein hier,
und ich werd in die Hölle geh’n,
die einzig stechend, fürchterlich.

Vier Ecken hat, vier Tore sie,
ist regelmäßig eingeteilt,
mit einem Eisenwall herum,
mit Eisen oben auch bedeckt.

Ihr Boden auch von Eisen ist,
gar feurig glüht und brennet er,
wohl hundert Meilen im Quadrat
erstrahlt sie und bleibt immerdar.

Dort werde lange Zeiten ich
viel Wehgefühl erfahren dann,
als Frucht von bösem Wirken einst.
Darum bin ich bekümmert sehr.

Deshalb zu eurem Heil ich rat’,
so viel ihr hier versammelt seid:
Wirkt keine bösen Werke mehr,
nicht offen und nicht insgeheim.

Wenn üble, böse Werke ihr
tut oder werdet tun, dann ihr
von Leiden werdet nimmer frei,
selbst wenn ihr wollt im Flug entflieh’n.

Zu Vater und zu Mutter auch,
zu Ält’ren habet Achtung stets,
Asketen und Brahmanen ehrt,
so werdet ihr zum Himmel geh’n.