Aṅguttara Nikāya

Das Zehner-Buch

85. Errungenschaffen vorgeben

Einst weilte der ehrwürdige Mahā-Cunda bei Sahajāti im Lande der Cetier. Dort wandte er sich an die Mönche und sprach:

„Da rühmt sich und brüstet sich, ihr Brüder, ein Mönch mit seinen Errungenschaften, indem er spricht: ‚Ich trete in die erste Vertiefung ein und erhebe mich aus ihr; ich trete in die zweite, dritte und vierte Vertiefung ein und erhebe mich daraus; ich trete in die Gebiete der Raumunendlichkeit, Bewußtseinsunendlichkeit, Nichtheit und der Weder-Wahrnehmung-noch-Nichtwahrnehmung ein und erhebe mich daraus.‘ Der Vollendete aber oder ein sich vertiefender Jünger des Vollendeten, der vertraut ist mit den geistigen Errungenschaften, vertraut mit dem Geiste der anderen, vertraut mit den Geistesvorgängen der anderen, nimmt sich ihn vor, befragt ihn, forscht ihn aus. Von ihm aber vorgenommen, befragt und ausgeforscht, wird er verlegen und befangen, bedrückt und niedergeschlagen. Das Herz jenes Mönches geistig durchschauend, denkt nun der Vollendete oder ein Jünger des Vollendeten darüber ach, warum wohl dieser Verehrte sich dieser Errungenschaften rühmt, sich mit ihnen brüstet. Und dessen Herz geistig durchschauend, erkennt er:

Seit langer Zeit ist jener Verehrte in den Sitten unvollkommen, lückenhaft, verderbt, befleckt, unbeständig, von unbeständigem Benehmen. Sittenlos ist dieser Verehrte. Sittenlosigkeit aber gilt in der vom Vollendeten verkündeten Lehre und Zucht als ein Rückschritt. Vertrauenslos ist dieser Verehrte—unwissend—unbelehrbar—pflegt schlechten Umgang—ist träge—ohne Achtsamkeit—ein Heuchler—schwer zu befriedigen—ohne Weisheit. Weisheitsmangel aber gilt in der vom Vollendeten verkündeten Lehre und Zucht als ein Rückschritt.

Es ist, hiermit, ihr Brüder, ebenso, wie wenn ein Freund zu seinem Freunde spricht: ‚Wenn du Geld brauchst, mein Lieber, dann bitte mich darum! Ich werde dir welches geben.‘ Als sich nun einmal Geldnot einstellte, sprach jener Freund zu ihm: ‚Ich brauche Geld, mein Lieber! Gib mir welches!‘ Jener aber spricht: ‚So grabe denn hier auf, mein Lieber (um die angeblich im Boden vergrabenen Schätze zu finden)!‘ Als aber jener dort aufgräbt, findet er nichts; und er spricht: ‚Etwas Verkehrtes und Törichtes hast du mir geraten, indem du mir sagtest, ich solle hier aufgraben!‘ Jener aber antwortet: ‚Ich hab dir nichts Verkehrtes und Törichtes geraten. So grabe denn hier, mein Lieber! Und obwohl dieser wiederum dort gräbt, findet er nichts und spricht: ‚Etwas Verkehrtes und Törichtes hast du mir geraten, mein Lieber!‘ Jener aber erwidert: ‚Ich habe dir nichts Verkehrtes und Törichtes geraten. So grabe doch dort, mein Lieber!‘ Und obwohl dieser nochmals gräbt, findet er nichts und spricht: ‚Etwas Verkehrtes und Törichtes hast du mir geraten, mein Lieber!‘ Jener aber spricht: ‚Ich habe dir nichts Verkehrtes und Törichtes geraten; ich war eben dem Wahnwitz verfallen, der geistigen Verwirrung.‘

Ebenso auch, ihr Brüder, (ist es mit diesem Mönch).

Daß da, ihr Brüder, ein Mönch, ohne diese zehn Dinge überwunden zu haben, in dieser Lehre und Zucht Fortschritt, Entfaltung und Größe erzielen kann, das ist nicht möglich. Wohl aber ist es möglich, daß ein Mönch, der diese zehn Dinge überwunden hat, in dieser Lehre und Zucht Fortschritt, Entfaltung und Größe erzielt.“