Aṅguttara Nikāya

Das Vierer-Buch

30. Die vier Grundlehren II

Einst weilte der Erhabene auf der Geierspitze bei Rājagaha. Damals nun weilten zahlreiche hochangesehene Wanderasketen am Ufer der Sappinī, im Kloster der Wanderasketen, als da waren Annabhāra, Varadhara, der Wanderasket Sakuludāyin und andere hochangesehene Wanderasketen. Da nun begab sich der Erhabene, nachdem er sich am Abend aus seiner Selbstvertiefung erhoben hatte, zum Ufer der Sappinī, zum Kloster der Wanderasketen. Dort setzte er sich auf angebotenem Sitze nieder. Nachdem der Erhabene sich gesetzt hatte, sprach er zu jenen Wanderasketen also:

„Vier Grundlehren gibt es, o Wanderasketen, die bekannt sind als ursprünglich, als althergebracht, als altüberliefert; unbeeinträchtigt (in ihrer Geltung) jetzt wie früher, die nicht beeinträchtigt sind und unbeeinträchtigt bleiben werden, ungetadelt von einsichtigen Asketen und Priestern. Welches sind diese vier Grundlehren?

  1. Gierlosigkeit...
  2. Haßlosigkeit...
  3. rechte Achtsamkeit...
  4. rechte Sammlung.

Wer nun, o Wanderasketen, sagen sollte: ‚Ich, der ich diese Grundlehre der Gierlosigkeit aufgegeben habe, kann einen Asketen oder Priester erkennen, der voller Gier ist, den es nach den Sinnendingen heftig verlangt‘—dem würde ich darauf erwidern: ‚Komm! Sprich und erkläre mir: „Ich kenne dessen Geistesmacht.“‘ Daß aber jener, der die Grundlehre der Gierlosigkeit aufgegeben hat, einen Asketen oder Priester ausfindig machen könnte, der voller Gier ist, den es nach den Sinnendingen heftig verlangt, das ist nicht möglich.

Wer da fernerhin sagen sollte: ‚Ich, der ich diese Grundlehre der Haßlosigkeit aufgegeben habe, kann einen Asketen oder Priester erkennen, der von Haß erfüllt ist, und von boshaften Gedanken‘—dem würde ich darauf erwidern: ‚Komm! Sprich und erkläre mir: „Ich kenne dessen Geistesmacht!“‘ Daß aber jener dies vermöchte, das ist nicht möglich.

Wer da fernerhin sagen sollte: ‚Ich, der ich diese Grundlehre der rechten Achtsamkeit aufgegeben habe, kann einen Asketen oder Priester erkennen, der ohne Achtsamkeit und Wissensklarheit ist‘—dem würde ich darauf erwidern: ‚Komm! Sprich und erkläre mir: „Ich kenne dessen Geistesmacht!“‘ Daß aber jener dies vermöchte, das ist nicht möglich.

Wer da fernerhin sagen sollte: ‚Ich, der ich diese Grundlehre der rechten Geistessammlung aufgegeben habe, kann einen Asketen oder Priester erkennen, der ohne geistige Sammlung ist, dessen Gedanken abschweifen‘—dem würde ich darauf erwidern: „Komm! Sprich und erkläre mir dessen Geistesmacht!“‘ Daß aber jener dies vermöchte, das ist nicht möglich.

Wer da, o Wanderasketen, glaubt, diese vier Grundlehren tadeln oder verwerfen zu müssen, dem würden schon bei Lebzeiten seine diesbezüglichen vier Aussagen zum Tadel gereichen. Welche vier Aussagen?

Wenn einer, Verehrte, die Grundlehre der Gierlosigkeit tadelt und verwirft, so lobt er damit jene Asketen und Priester, die voller Gier sind, die es nach den Sinnendingen heftig verlangt. Wenn einer die Grundlehre der Haßlosigkeit tadelt und verwirft, so lobt er damit jene Asketen und Priester, die von Haß erfüllt sind und von boshaften Gedanken. Wenn einer die Grundlehre der rechten Achtsamkeit tadelt und verwirft, so lobt er damit jene Asketen und Priester, die ohne Achtsamkeit sind und ohne Wissensklarheit. Wenn einer die Grundlehre der rechten Geistessammlung tadelt und verwirft, so lobt er damit jene Asketen und Priester, die ohne geistige Sammlung sind, deren Gedanken abschweifen.

Wer also, o Wanderasketen, glaubt, diese vier Grundlehren tadeln und verwerfen zu müssen, dem gereichen schon bei Lebzeiten seine diesbezüglichen vier Aussagen zum Tadel.

Selbst Wanderasketen wie Vassa und Bhañña aus Ukkala, die Lehrer des Fatalismus waren, die sittliche Weltordnung leugneten und an nichts glaubten (ahetukavādā akiriyavādā natthikavādā; s. Wtb: ditthi), selbst jene hielten es nicht für ratsam, diese vier Grundlehren zu tadeln und zu verwerfen. Und warum? Eben aus Furcht vor Tadel, aus Furcht, Anstoß und Ärgernis zu erregen.

„Wer haßlos, allzeit achtsam weilt,
im Inneren gut gesammelt ist,
sich um die Gierbezwingung müht,
der gilt als eifrig Strebender.“