Aṅguttara Nikāya
Das Fünfer-Buch
194. Die beseligende Lehre
Einst weilte der Erhabene im Großen Walde bei Vesālī, in der Halle des Giebelhauses. Damals nun war der Brahmane Karanapāli mit einer Arbeit für die Licchavier beschäftigt. Und der Brahmane Karanapāli sah von ferne den Brahmanen Pingiyāni kommen, und ihn sehend sprach er:
„Ei, Herr Pingiyāni, wo kommt ihr her zur Mittagsstunde?“
„Ich komme vom Asketen Gotama.“
„Was hält wohl der Herr Pingiyāni von der Wissensgröße des Asketen Gotama? Hält er ihn wohl für einen Weisen?“
„Wer bin denn ich, Verehrter, dass ich die Wissensgröße des Asketen Gotama ermessen könnte? Wahrlich, man müsste ihm gleich sein, um seine Wissensgröße zu ermessen.“
„Wahrlich, mit hohem Lobe rühmt der Herr Pingiyāni den Asketen Gotama.“
„Wer bin denn ich, Verehrter, dass ich den Asketen Gotama preisen sollte? Über und über wird ja jener Herr Gotama gepriesen, der beste unter Göttern und Menschen!“
„Und aus welchem Grunde aber ist der Herr Pingiyāni so sehr von dem Asketen Gotama entzückt?“
„Gleichwie etwa, Verehrter, ein Mann, der sich an den wohlschmeckendsten Speisen satt gegessen hat, nicht mehr nach anderem, weniger Schmackhaftem verlangt, ebenso auch kann es einen nicht mehr verlangen nach den Lehren jener zahlreichen anderen Asketen und Priester, nachdem man einmal jenes Herrn Gotama Lehre vernommen hat, sei es aus den Lehrreden, der mit Versen vermischten Prosa, den Erklärungen oder den Lehren von den wundersamen Dingen.
Oder wie wenn da ein Mann, der von Hunger und Schwäche überwältigt ist, ein Stück Honiggebäck erhält, so empfindet er, so oft er davon kostet, eben stets einen süßen, lieblichen Geschmack; ebenso auch empfindet, wer jenes Herrn Gotama Lehre vernommen hat, Befriedigung und freudige Zuversicht im Herzen.
Oder wie wenn da ein Mann ein Stück gelbes oder rotes Sandelholz findet, so wird er, wenn immer er daran riecht—sei es oben, unten oder in der Mitte—, einen lieblichen, angenehmen Duft wahrnehmen; ebenso auch empfindet, wer jenes Herrn Gotama Lehre vernommen hat, Befriedigung und freudige Zuversicht im Herzen.
Oder wie wenn da ein Mann siech, leidend, schwer erkrankt ist, und ein geschickter Arzt bringt seiner Krankheit sofortige Heilung; ebenso auch kommen, sobald man jenes Herrn Gotama Lehre vernommen hat, Sorge, Klage, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung zum Schwinden.
Oder es befände sich da ein Teich mit klarem, erfrischendem, kühlem, silberhellem Wasser, schön gelegen und entzückend. Und ein Mann, glühend vor Hitze, von der Hitze überwältigt, ermattet, durstig, von Durst gequält, käme des Weges daher. Und er stiege in jenen Teich und badete sich darin. Darauf labte er sich an dem Wasser und stillte so alle Qual, Erschöpfung und Glut. Ebenso auch wird, wenn man jenes Herrn Gotama Lehre vernommen hat, alle Qual, Erschöpfung und Glut gestillt.“
Auf diese Worte erhob sich der Brahmane Karanapāli von seinem Sitze, warf das Obergewand über eine Schulter; und, indem er sein rechtes Knie zur Erde beugte und die gefalteten Hände nach der Richtung emporhob, wo der Erhabene weilte, ließ er den freudigen Ausruf erschallen:
- Verehrung Ihm, dem Erhabenen, Heiligen, vollkommen Erwachten!
- Verehrung Ihm, dem Erhabenen, Heiligen, vollkommen Erwachten!
- Verehrung Ihm, dem Erhabenen, Heiligen, vollkommen Erwachten!
Vortrefflich, Herr Pirigiyani. Vortrefflich, Herr Pingiyāni! Gleichwie man, Herr Pingiyāni, das Umgestürzte wieder aufrichtet oder das Verborgene enthüllt oder den Verirrten den Weg weist oder in die Finsternis ein Licht bringt, damit, wer Augen hat, die Dinge sehen kann, ebenso hat der Herr Pingiyāni auf mancherlei Weise die Lehre aufgezeigt. So nehme ich, Herr Pingiyāni, Zuflucht zu jenem erhabenen Herrn Gotama, zur Lehre und zur Mönchsgemeinde. Als Anhänger möge mich der Herr Pingiyāni betrachten, als einen, der von heute ab zeitlebens Zuflucht genommen hat.“