Die Fragen des Königs Milinda
Teil 2: Fragen über charakteristische Merkmale
Kapitel 1
3.1.10. Vertrauen (1)
Der König sprach: „Welches charakteristische Merkmal, o Herr, besitzt das Vertrauen (saddhā)?“
„Die Läuterung (sampasādana), o König, und das Vorwärtsstreben: dies sind die charakteristischen Merkmale des Vertrauens.“
„Inwiefern aber, o Ehrwürdiger, ist die Läuterung ein charakteristisches Merkmal des Vertrauens?“
„Sobald das Vertrauen aufsteigt, o König, bringt es die geistigen Hemmungen (nīvarana) zum Schwinden. Der ungehemmte Geist aber ist klar, lauter, ungetrübt. Insofern, o König, ist die Läuterung ein charakteristisches Merkmal des Vertrauens.“
„Gib mir ein Beispiel!“
„Angenommen, o König, ein Weltherrscher durchschreitet mit seiner vierfachen Heeresmacht auf dem Marsche ein kleines Gewässer, und durch die Elefanten, Pferde, Wagen und Soldaten aufgewühlt, wird das Wasser trübe, schmutzig und schlammig. Der Herrscher aber ist bei seiner Ankunft am anderen Ufer durstig und befiehlt seinen Leuten, Trinkwasser für ihn zu besorgen. Und nimm an, der Herrscher besitzt einen wasserreinigenden Zauberstein, und die Leute werfen auf seinen Befehl jenen Zauberstein in das Wasser. So würden im selben Augenblicke die Muscheln und Wasserpflanzen verschwinden und der Schlamm sich setzen. Das Wasser aber würde hell, durchsichtig und klar sein. Und von diesem Wasser würde man dem Herrscher zum Trinken bringen.—
Unter dem Wasser nun hat man den Geist zu verstehen, unter den Leuten den in der Sammlung sich Übenden, unter den Muscheln, Pflanzen und dem Schlamme die geistigen Trübungen (kilesa) und unter dem wasserreinigenden Zauberstein das Vertrauen. Insofern nun, o König, ist die Läuterung ein charakteristisches Merkmal des Vertrauens.“
„Klug bist du, ehrwürdiger Nāgasena!“