Die Fragen des Königs Milinda
Teil 2: Fragen über charakteristische Merkmale
Kapitel 3
3.3.8. Gleichzeitigkeit der geistigen Daseinsaspekte
Der König sprach: „Wenn immer geistiges Bewußtsein aufsteigt, ehrwürdiger Nāgasena, steigt da auch stets Gefühl auf?“
„Gewiß, o König. Wo immer geistiges Bewußtsein aufsteigt, da entstehen ebenfalls Sinneneindruck, Gefühl, Wahrnehmung, Wille, Gedankenfassung und diskursives Denken ; ja, sämtliche geistigen Vorgänge (dhamma, hier in diesem Sinne zu verstehen), mit Sinneneindruck als erstem, kommen da zur Entstehung.“
Gedankenfassung und diskursives Denken treten nur im reflektierenden Bewußtsein auf. Auch außer dem Fünf-Sinnen-Bewußtsein (Sehbewußtsein usw.) gibt es noch andere Bewußtseinsarten, die nicht reflektierend sind.)
„Welches charakteristische Merkmal aber, o Herr, besitzt der Sinneneindruck (phassa)?“
„Das der Berührung, o König.“
„Erläutere mir dies!“
„Es ist gerade so, o König, wie wenn zwei Widder miteinander kämpften. Den einen Widder nämlich hat man dabei als das Sehorgan zu betrachten, den anderen als das Sehobjekt und das Zusammentreffen beider als den Sinneneindruck.“
„Gib mir ein weiteres Gleichnis!“
„Der Vorgang läßt sich ebenfalls mit Händeklatschen vergleichen. Dabei hat man die eine Hand als das Sehorgan zu betrachten, die andere als das Sehobjekt und das Zusammenklatschen beider als den Sinneneindruck.“
„Gib mir noch ein weiteres Gleichnis!“
„Man mag den Vorgang auch noch ferner mit dem Zusammenschlagen zweier Zymbeln vergleichen. Dabei ist die eine Zymbel das Sehorgan, die andere das Sehobjekt und das Zusammenschlagen beider der Sinneneindruck.“
„Klug bist du, ehrwürdiger Nāgasena!“