Die Fragen des Königs Milinda

Teil 2: Fragen über charakteristische Merkmale

Kapitel 4

3.4.1. Untrennbarkeit der geistigen Erscheinungen

Der König sprach: „Ist es wohl möglich, ehrwürdiger Nāgasena, diese zur Einheit verbundenen Erscheinungen voneinander zu trennen und ihre Verschiedenheit zu zeigen, so daß man sagen könnte: ‚Dies ist der Sinneneindruck, dies das Gefühl, dies die Wahrnehmung, dies der Wille, dies das Bewußtsein, dies die Gedankenfassung, dies das diskursive Denken‘?“

„Nein, o König. Das ist nicht möglich.“

„Gib mir eine Erläuterung hierfür!“

„Sagen wir, o König, der Koch eines Fürsten bereite eine Suppe oder eine Sauce und füge etwas saure Milch, Salz, Ingwer, Kümmel, Pfeffer und andere Gewürze hinzu. Wenn nun der Fürst zu ihm sprechen sollte: ‚Ziehe mir einzeln den Saft der sauren Milch heraus, sowie des Salzes, des Ingwers, des Kümmels, des Pfeffers und der anderen Gewürze, die du hinzugefügt hast‘—könnte da wohl, o König, der Koch die Säfte jener so innig gemischten Gewürze voneinander trennen und herausholen und sagen: ‚Dies ist das Saure, dies das Salzige, dies das Bittere, dies das Beißende, dies das Herbe und dies das Süße‘?“

„Gewiß nicht, o Herr! Das ist unmöglich. Dennoch aber sind die sämtlichen Gewürze mit ihren jeweiligen charakteristischen Merkmalen darin enthalten.“

„Ebenso auch, o König, ist es unmöglich, diese zur Einheit verbundenen Erscheinungen wirklich voneinander zu trennen und ihre Verschiedenheit zu zeigen und zu sagen: ‚Dies ist der Sinneneindruck, dies das Gefühl, dies die Wahrnehmung, dies der Wille, dies das Bewußtsein, dies die Gedankenfassung, dies das diskursive Denken‘.“

„Klug bist du, ehrwürdiger Nāgasena!“