Die Fragen des Königs Milinda
Teil 3: Lösungen der Zweifel
Kapitel 4
3.4.8. Erlösung gleich Erlöschung
Der König sprach: „Ist wohl, o Herr, Erlösung (Nibbāna) dasselbe wie Erlöschung?“
„Ja, o König. Die Erlösung besteht in der Erlöschung.“
„Inwiefern nun aber, ehrwürdiger Nāgasena, besteht die Erlösung in der Erlöschung?“
„All die törichten Weltlinge, o König, finden Lust und Freude an den Sinnen und deren Objekten und hängen sich daran. Daher werden sie von jenem Strome der Leidenschaften fortgerissen und nicht erlöst von Geburt, Altern und Sterben, von Sorge, Klage, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung, werden nicht erlöst vom Leiden: das sage ich. Der kundige, heilige Jünger aber, o König, findet keine Lust und Freude an den Sinnen und deren Objekten und hängt sich nicht daran. Da er aber keine Lust und Freude daran findet und sich nicht daran hängt, so erlischt das Begehren. Durch Erlöschen des Begehrens erlischt der Daseinshang, durch Erlöschen des Daseinshanges der Tatenprozeß. Durch Erlöschen des Tatenprozesses aber kommt es künftighin zu keiner Geburt mehr. Und mit Aufhebung der Geburt schwinden Alter und Tod, Sorge, Klage, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. Auf diese Weise kommt es zur Erlöschung dieser ganzen Leidensfülle. Insofern, o König, besteht die Erlösung in der Erlöschung.“
„Klug bist du, ehrwürdiger Nāgasena!“