Die Fragen des Königs Milinda
Teil 3: Lösungen der Zweifel
Kapitel 7
3.7.15. Bewußtsein, Weisheit und Seele
Der König sprach: „Sind, ehrwürdiger Nāgasena, diese Dinge, wie Bewußtsein, Weisheit und die Seele in einem Lebewesen, wirklich verschiedene Begriffe mit verschiedenem Inhalt, oder sind es bloß verschiedene Worte, die ein und dasselbe besagen?“
„Das Bewußtsein (viññāna), o Herr, besitzt das charakteristische Merkmal des Bewußtwerdens, die Weisheit (paññā) dasjenige des Erkennens, doch eine den Lebewesen innewohnende Seele gibt es überhaupt nicht.“
„Wenn es aber keine Seele gibt, ehrwürdiger Nāgasena, wer ist es denn, der durch Auge, Ohr, Nase, Zunge, Tastorgan und Geist die Dinge wahrnimmt?“
Der Ordensältere sprach: „Wenn es wirklich eine Seele gäbe, die durch diese sechs Sinnestore die Dinge wahrnehmen könnte, müßte denn da, sobald die Sinnestore herausgenommen würden und sie gewissermaßen ihren Kopf herausstreckte, nicht wohl die Seele infolge des vollen Tageslichtes die Dinge besser wahrnehmen können?“
„Das ist allerdings unmöglich, o Herr.“
„Folglich, o König, gibt es keine den Lebewesen innewohnende Seele.“
„Klug bist du, ehrwürdiger Nāgasena!“