Die Fragen des Königs Milinda
Teil 3: Lösungen der Zweifel
Kapitel 7
3.7.5. Unmittelbarkeit der Wiedergeburt
Der König sprach: „Nehmen wir nun einmal an, ehrwürdiger Nāgasena, daß da einer nach seinem Abscheiden von hier in der Götterwelt wiedergeboren würde und ein anderer in Kaschmir. Wer würde da wohl später und wer früher an seinem Ziele anlangen?“
„Beide würden gleichzeitig anlangen, o König.“
„Gib mir ein Gleichnis!“
„An welchem Orte bist du geboren, o König?“
„Es gibt da, o Herr, ein Dorf mit Namen Kalasi. Dort bin ich geboren.“
„Wie weit, o König, ist es wohl von hier bis zum Dorfe Kalasi?“
„Zweihundert indische Meilen, o Herr.“
„Wie weit aber, o König, ist es von hier bis Kaschmir?“
„Zwölf Meilen, o Herr.“
„Nun, o König, so denke einmal an das Dorf Kalasi!“
„Gut, o Herr, ich denke eben daran.“
„Und nun, o König, denke an Kaschmir!“
„Gut, ich habe es getan.“
„Welchen Ort nun, o König, hast du in Gedanken schneller erreicht und welchen langsamer?“
„Gleich schnell, o Herr, habe ich an beide gedacht.“
„Ebenso auch, o König, braucht ein jeder dieselbe Zeit um wiedergeboren zu werden, gleichviel ob er in der Götterwelt oder in Kaschmir wiedergeboren wird.“
„Gib mir ein weiteres Gleichnis hierfür!“
„Nimm an, o König, zwei Vögel flögen durch die Luft. Und der eine von ihnen setzte sich auf einen hohen und der andere auf einen niedrigen Baum. Wenn nun beide zu ein und derselben Zeit sich setzen sollten, wessen Schatten würde da früher und wessen Schatten später auf den Boden fallen?“
„Beide Schatten, o Herr, würden ganz gleichzeitig auf den Boden fallen.“
„Ebenso auch, o König, braucht ein jeder dieselbe Zeit um wiedergeboren zu werden, gleichviel ob er in der Götterwelt oder in Kaschmir wiedergeboren wird.“
„Klug bist du, ehrwürdiger Nāgasena!“