Die Fragen des Königs Milinda

Teil 3: Lösungen der Zweifel

Kapitel 7

3.7.7. Verdienst und Schuld

Der König sprach: „Was ist mehr, ehrwürdiger Nāgasena: Verdienst (puñña,dieser Begriff deckt sich im großen und ganzen mitkusala, karmisch heilsam, gut, moralisch) oder Schuld?“? (apuñña, das Nicht-Verdienstvolle, Schlechte)

„Verdienst ist mehr, o König, Schuld ist geringer.“

„Wieso?“

„Derjenige, o König, der eine Schuld begeht, fühlt Gewissensbisse darüber, daß er eine böse Tat begangen hat. Daher kann das Böse nicht weiter zunehmen. Wer aber etwas Verdienstvolles tut, o König, ist frei von Gewissensbissen. In einem aber, der keine Gewissensbisse hat, entsteht Freude, im Erfreuten die Verzückung, und das ganze Wesen des geistig Verzückten beruhigt sich; beruhigten Wesens aber empfindet er Glück, und des Glücklichen Geist sammelt sich; der Gesammelte aber erkennt die Dinge der Wirklichkeit gemäß. Aus diesem Grunde nimmt das Verdienst immer weiter zu.

Und wenn da zum Beispiel ein Mann mit verstümmelten Händen und Füßen, o König, auch nur eine einzige Hand voll Lotusblumen dem Erhabenen darreicht, so gerät er für einundneunzig Weltperioden nicht in die Hölle. Aus diesem Grunde, o König, behaupte ich eben, daß es mehr Verdienst gibt und weniger Schuld.“

„Klug bist du, ehrwürdiger Nāgasena!“