Die Fragen des Königs Milinda

Teil 4

Kapitel 5

5.5.3. War Bakkula dem Buddha überlegen?

„Der Erhabene, ehrwürdiger Nāgasena, hat gesagt: ‚Ein Priester (Das heißt ein wahrer Priester, Brahmane, ein Heiliger)bin ich, ihr Mönche, den Bittenden zugetan, mit offenen Händen gebend, trage meinen letzten Körper (m.a.W.: Dies ist meine letzte Wiedergeburt), bin der höchste Heiler und Arzt.‘ Andererseits, ehrwürdiger Nāgasena, hat der Erhabene gesagt: ‚Der erste, ihr Mönche, unter meinen gesunden Ordensjüngern ist Bakkula.‘ (Über die besonderen Eigenschaften einiger Ordensjüngern, siehe A.I.24) Es ist nun aber bekannt, daß im Körper des Erhabenen oftmals Krankheiten ausbrachen. Wenn also, ehrwürdiger Nāgasena, der Erhabene unübertroffen ist so ist eben die Behauptung, daß Bakkula unter den gesunden Ordensjüngern der erste sei, falsch. Ist er aber unter den gesunden Ordensjüngern wirklich der erste, so stimmt eben nicht der Ausspruch, daß der Erhabene der höchste Heiler und Arzt sei. Auch das ist wiederum ein zweischneidiges Problem, das ich dir da stelle und das du nun zu lösen hast.“

„Beides, o König, hat der Erhabene gesagt. Letzteres jedoch wurde gesagt hinsichtlich der außerhalb von ihm selber (das ist bei Jüngern) anzutreffenden Lehrtraditionen, Erreichungen und Lehrkenntnissen. Es gibt nämlich, o König, unter den Jüngern des Erhabenen solche, die im Stehen oder Auf- und Abwandeln sich vertiefen; diese verbringen stehend oder auf und ab wandelnd Tag und Nacht. Der Erhabene jedoch, o König, verbringt Tag und Nacht gehend oder stehend, sitzend oder liegend. Somit sind jene dem Erhabenen in diesem Punkte überlegen. Und es gibt, o König, unter den Jüngern des Erhabenen solche, die bloß bei einmaligem Niedersitzen speisen. Diese nehmen, selbst wenn sich's um ihr Leben dreht, keine zweite Mahlzeit an. Der Erhabene jedoch nahm zweimal, auch sogar dreimal Speise zu sich. Somit sind jene Mönche dem Erhabenen in diesem Punkte überlegen. So viele solche Punkte gibt es, o König, die einmal von diesem, einmal von jenem Jünger berichtet werden. Der Erhabene aber, o König, ist unübertroffen in Sittlichkeit, Sammlung, Weisheit, Erlösung und dem Erkenntnisblicke der Erlösung, in den zehn Kräften (eines Buddha), dem vierfachen Selbstvertrauen, den achtzehn Buddha-Fähigkeiten, den sechs außerordentlichen Wissen und in dem gesamten Buddha-Bereiche. Und mit Hinsicht hierauf hat er gesagt: ‚Ein Priester bin ich, ihr Mönche, den Bittenden zugetan, mit offenen Händen gebend, trage meinen letzten Körper, bin der höchste Heiler und Arzt.‘

Da, o König, ist unter den Menschen der eine von edler Geburt, der eine reich, der eine ein Weiser, der eine ein tüchtiger Handwerker, der eine ein Held, der eine voll Scharfsinn. Alle aber übertrifft der König und ist unter ihnen der Höchste. Ebenso auch, o König, ist der Erhabene unter allen Wesen der Höchste, der Edelste, der Beste.—

Daß aber der ehrwürdige Bakkula frei war von Krankheit, das war infolge seines Entschlusses (in früherer Geburt), weil er nämlich, selber ein Asket, mit vielerlei Arzneien den erhabenen Anomadassi-(Buddha) heilte, der von einer Blähung im Leibe befallen war, und ebenso den erhabenen Vipassī-(Buddha) und die 68000 Mönche, die von ‚Grasblütenvergiftung‘ befallen waren, darum erreichte er selber Gesundheit und wurde als der Erste unter den gesunden Ordensjüngern bezeichnet. Ob nun, o König, den Erhabenen eine Krankheit befällt oder nicht, ob er Asketengelübde auf sich nimmt oder nicht, kein Wesen gleicht dem Erhabenen. Auch der Erhabene, o König, der über allen Göttern Stehende, sagt in der hehren Samyutta-Sammlung: ‚Was es da auch, ihr Mönche, an Wesen gibt, ob fußlos, Zweifüßer, Vierfüßer oder Vielfüßler, ob formhaft oder formlos, ob mit Wahrnehmung, ohne Wahrnehmung oder weder mit noch ohne Wahrnehmung: als Höchster unter allen diesen gilt der Vollendete, der Heilige, Vollkommen Erleuchtete.“?

„Vortrefflich, ehrwürdiger Nāgasena! So ist es, und so nehme ich es an.“