Die Fragen des Königs Milinda

Teil 6

6.4.2. Das Problem der Asketengelübde (duthanga)

Die Waldasketen einerseits
Sieht in Askese er vertieft,
Doch andrerseits sieht er den Hausner
Am „Ziel der Nimmerwiederkehr“

Als beides dieses er bedachte,
Dem König starker Zweifel kam:
Erwacht der Hausner auch zur Lehre,
So hat Askese keinen Zweck.

„So laßt mich ihn, den besten Lehrer,
Der jede fremde Ansicht tilgt,
Des Dreikorbs Kenner, drob befragen!
Er wird die Zweifel für mich lösen.“

Und der König Milinda begab sich zum ehrwürdigen Nāgasena, begrüßte ihn ehrfurchtsvoll und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite aber sitzend sprach der König Milinda also zum ehrwürdigen Nāgasena:

„Gibt es wohl, o Ehrwürdiger, irgend einen unter den Hausleuten, die da im Hause leben, die irdischen Freuden genießen, mit Weib und Kind dicht gedrängt zusammen wohnen, feinstes Sandelpulver gebrauchen, Blumen, Riechstoffe und Salben verwenden, Gold und Silber annehmen, mit Edelsteinen, Perlen und Gold besetzten, bunten Haarschmuck tragen—gibt es wohl einen unter diesen, der das heilige, höchste Ziel, das Nibbāna, verwirklicht hat?“

„Nicht bloß hundert oder zwei, drei, vier oder fünfhundert gibt es, die es verwirklicht haben; nicht bloß tausend oder hunderttausend; nicht bloß eine Milliarde oder zehn oder hundert Milliarden. Reden wir also gar nicht erst von der Verwirklichung durch zehn oder zwanzig oder hundert oder tausend Hausleute! Auf welche Weise soll ich dich das untersuchen lassen?“

„So magst eben du es mir erklären.“

„So will ich es dir denn, o König, an hundert oder tausend oder hunderttausend oder einer Milliarde oder zehn oder hundert Milliarden Beispielen erklären. Alle die Aussagen im neunfachen Worte des Buddha, die vom Übungsweg des entsagenden Wandels handeln, und von den edlen Regeln der strengen Asketenübungen, alle diese werden hier zusammen behandelt werden. Gleichwie, o König, all das Regenwasser, das in einer Gegend voller Niederungen und Erhebungen, ebenen und unebenen Strecken, Höhen und Tiefen herabströmt, immer weiter abwärts fließt und schließlich in dem gewaltigen Wasserbecken, dem Meere, sich vereinigt: ebenso werden—da nun ein Textsammler da ist, alle jene Aussagen hier zusammenkommen. Und auch meine Erklärung der Dinge wird, dank meiner Erfahrung und Einsicht, hier hinzukommen. Damit aber wird jener Gegenstand gut dargelegt und geschildert sein, beendet und zum Abschluß gebracht—genau wie ein geschickter, gelernter Briefschreiber, der einen Brief abschicken will, dank seiner Erfahrung und Klugheit durch Darlegung verschiedener Dinge den Brief zustande bringt, und damit das Schreiben beendet, vollständig und lückenlos ist.

  • In der Stadt Sāvatthī, o König, gab es unter den Anhängern und Anhängerinnen des Erhabenen etwa fünf Millionen ‚Edle Jünger‘ (ariyasāvakā).
  • Davon befanden sich dreihundertundfünfzigtausend am ‚Ziele der Niewiederkehr‘.
  • Alle diese aber waren bloße Laien, keine hauslosen Mönche.
  • Und als sich dortselbst am Fuße des Gandambabaumes das doppelte Wunder ereignete (Yamaka-patihāriya), gelangten zwei hundert Millionen Wesen (Menschen und Himmelswesen) zur Durchdringung der Wahrheit.
  • Auch bei der ‚Großen Rede von Rāhulas Ermahnung‘
  • und der ‚Großen Rede vom Höchsten Segen‘,
  • bei der ‚Rede von der Weise der Gleichmütigen‘,
  • die Lehrrede vom ‚Untergang‘ (Parābhava-Sutta),
  • ‚Vor dem Zerfall‘ (Purābheda-Sutta),
  • ‚Streit und Zwist‘ (Kalaha-vivāda-Sutta),
  • der ‚Kleinen und grossen Entgegnung‘ (Cūla- und Mahā-Viyūha-Sutta),
  • ‚Schnell‘ (Tuvataka-Sutta) und
  • ‚Sāriputta‘

bei dem Vortrag all dieser Lehrreden erreichten unzählige Himmelswesen die Durchschauung.

(Die letzten sechs Titel sind Texte aus dem Sutta-Nipita)

  • In der Stadt Rājagaha gab es unter den Anhängern und Anhängerinnen des Erhabenen dreihundertundfünfzigtausend ‚Edle Jünger‘.
  • Fernerhin erreichten dort selbst bei der Zügelung des mächtigen Elefanten Dhanapāla neunhundert Millionen Wesen die Durchschauung,
  • vierzehn Millionen Wesen am Felsenschrein bei der Zusammenkunft (zur Erörterung) des ‚Wegs zum Anderen Ufer‘ (Parāyana, Dies ist das letzte Kapitel des Sutta-Nipita, Parāyana-vagga),
  • fernerhin achtzig Millionen Himmelswesen in Indras Felsenhöhle,
  • ferner achtzehn Millionen Brahmas und zahlreiche andere Gottheiten bei der ersten Lehrrede am Sehersteig im Hirschpark bei Benares,
  • ferner achtzig Millionen beim Vortrag des Abhidhamma am Indras leuchtendem Felsenthron im Reich der Dreiunddreißig Götter.
  • Und beim Herabstieg von jener Götterwelt, am Stadttor von Sankassa, beim Wunder von der Enthüllung der Welten (Die auf die Rückkehr des Buddha wartende Menge soll bei dieser Gelegenheit eine kosmische Vision von den neun Brahma-Welten bis hinab zur Avīci-Hölle gehabt haben) erreichten dreißig Millionen von Vertrauen erfüllte Menschen und Götter die Durchschauung.
  • Im Lande der Sakyer, im Feigenpark bei Kapilavatthu erreichte beim Vortrag der ‚Chronik der Buddhas‘ (Buddha-Vamsa) und der ‚Großen Lehrrede von der Zusammenkunft‘ eine unermeßliche Schar von Gottheiten die Durchschauung der Lehre.
  • Fernerhin bei der Begegnung mit dem Blumengärtner Sumana, dem Garahadinna, dem Schatzmeister Ananda, dem nackten Büßer Jambuka, dem Göttersohn Mandūka, dem Göttersohn Mattakundali, der Kurtisane Sulasā, der Kurtisane Sirimā, der Weberstochter der Subhaddā;
  • ferner beim Anblick der Verbrennung des Brahmanen aus Saketa, beim Treffen (mit Punna) im Lande der Westlichen Sūner, der Lehrrede von den ‚Fragen des Sakka‘, der Rede ‚Hinter den Mauern‘ (Tirokudda, Khuddaka-Pātha) und der ‚Rede über die drei Kleinode‘: bei jeder dieser Gelegenheiten erreichten vierundachtzigtausend Wesen die Durchschauung des Gesetzes.

Solange, o König, der Erhabene in der Welt lebte und wo immer er gerade in seinen drei Wanderungsgebieten und in den sechzehn Hauptgebieten Indiens weilte, verwirklichten jedes Mal meistens zwei, drei, vier oder fünfhundert, oder tausend, oder hunderttausend Himmelswesen und Menschen das heilige, höchste Ziel des Nibbāna. Alle die Himmelswesen aber waren bloße Laien, keine hauslosen Mönche. Und diese wie noch viele Billionen anderer Gottheiten haben, während sie als Laien noch zu Hause weilten und Sinnenfreuden genossen, das heilige, höchste Ziel des Nibbāna verwirklicht.“

„Wenn aber schon Laien, ehrwürdiger Nāgasena, während sie noch im Hause weilen und die Sinnenfreuden genießen, das heilige, höchste Ziel des Nibbāna verwirklichen können, welchen Zweck erfüllen dann die strengen Asketenübungen? Dann sind doch die Asketenregeln zwecklos. Wenn schon ohne Beschwörungen und Arzneien eine Krankheit schwindet, wozu braucht man dann noch Brech- und Abführmittel und dergleichen Dinge, die doch den Körper nur schwächen? Wenn man den Feind schon mit den Fäusten besiegen kann, was braucht man dann noch Schwerter, Lanzen, Pfeile, Bogen, Stöcke, Keulen oder Knüttel? Oder: wenn man da einen Baum erklimmen kann, indem man sich an den Knorren, Windungen, Löchern, dornigen Auswüchsen (des Stammes) und an Ranken und Zweigen festhält, was braucht man sich dann noch nach einer hohen, festen Leiter umzusehen? Oder: wenn man beim Schlafen auf dem bloßen Erdboden sich wohl befindet, was braucht man sich dann noch nach einem sich weich anfühlenden, üppigen Prachtbette umzusehen? Oder: wenn man allein imstande ist, eine gefährliche, viele Hindernisse bietende Wüste zu durchkreuzen, was braucht man sich dann noch nach einer bewaffneten, ausgerüsteten, mächtig großen Karawane umzusehen? Oder: wenn man mit Hilfe seiner Arme einen Fluß oder See durchschwimmen kann, was braucht man sich dann noch nach einer festen Brücke oder einem Boote umzusehen? Oder: wenn man sich mit eigenen Mitteln Nahrung und Kleidung beschaffen kann, was braucht man dann noch Anderen zu dienen, ihnen gute Worte zu geben und für sie hin und her zu laufen? Oder: wenn man in einem natürlichen Teiche Wasser findet, was braucht man dann noch Brunnen oder Teiche oder Weiher zu graben? Ebenso, ehrwürdiger Nāgasena, wenn schon Laien, während sie noch im Hause weilen und die Sinnenfreuden genießen, das heilige, höchste Ziel des Nibbāna verwirklichen können, was braucht man dann noch die hohen Asketenübungen auf sich zu nehmen?“

„Folgende achtundzwanzig Vorzüge der strengen Asketenübung, o König, sind wirkliche Vorzüge, die allen Erleuchteten lieb und erwünscht sind: welche achtundzwanzig? Da, o König, ist die Asketenübung verbunden mit lauterer Lebensweise, Freude erzeugend, untadelig, anderen kein Leid bringend, ohne Gefahr, ohne Beschwerde, äußerst fördernd, nicht zum Rückschritt führend, frei von Heuchelei, Schutz gewährend, die Wünsche erfüllend, alle Wesen bezähmend, der Sinnenzügelung dienlich, angemessen, unabhängig (vom Begehren), wirkt befreiend, gierzerstörend, haßzerstörend, wahnzerstörend, dünkelaufhebend, vertilgt die bösen Gedanken, befreit vom Zweifel, vertreibt Trägheit, verscheucht Unlust, ist mit Duldsamkeit verbunden, unvergleichlich, unermeßlich und führt zum Ende allen Leidens. Diese achtundzwanzig Vorzüge der strengen Asketenübung, o König, sind wirkliche Vorzüge, die allen Erleuchteten lieb und erwünscht sind. Und bei denen, o König, die die Asketenübungen richtig befolgen, sind achtzehn Vorzüge anzutreffen: welche achtzehn? Völlig lauter sind sie im Wandel, haben den Übungsweg völlig erreicht, sind in Werken und Worten wohl beherrscht, ihr Wandel im Geiste ist völlig lauter, ihre Willenskraft strengen sie richtig an, ihre Furcht legt sich, der Persönlichkeitsglaube ist in ihnen geschwunden, der Groll versiegt, die Güte gegenwärtig, die Nahrung haben sie durchschaut, von allen Wesen werden sie geachtet, sie kennen das rechte Maß beim Mahle, sind der Wachsamkeit ergeben, sind ohne Heim, wohnen, wo immer sie sich wohl fühlen, verabscheuen das Böse, erfreuen sich der Einsamkeit, streben allezeit unermüdlich. Diese achtzehn Vorzüge sind bei denen anzutreffen, die die Asketenübungen richtig befolgen.

Zehn Menschen, o König, sind reif fur die Asketenübungen, nämlich: der Vertrauensvolle, der Schamhafte, der Standhafte, der Ehrliche, der auf sein Heil Bedachte, der nicht Begehrliche, Übungseifrige, der in Vorsätzen Feste, der nicht Tadelsüchtige und der von Güte Erfüllte. Diese zehn Menschen sind reif für die Asketenübungen.

Die Hausleute, o König, die, während sie noch im Hause leben und die Sinnenfreuden genießen, das heilige, höchste Ziel des Nibbāna verwirklichen, alle diese haben sich in ihren früheren Geburten in den dreizehn strengen Asketenübungen geübt und sie zur Grundlage gemacht. Und da sie schon damals ihren Lebenswandel und Übungsweg geläutert hatten, verwirklichen sie nunmehr, obwohl sie bloß Hausleute sind, das heilige, höchste Ziel des Nibbāna.

Es ist damit genau so, wie wenn ein erfahrener Bogenschütze seine Schüler unterweist. Zuerst nämlich bringt er ihnen auf dem Schießplatz die verschiedenen Bogenarten bei, dann das Anlegen und Halten des Bogens, das Anpressen der Hand, das Krümmen der Finger, das Aufsetzen der Füße und das Erfassen, Anlegen, Anziehen, Anhalten, Zielen und Abschießen des Pfeiles. Dann schult er sie im Treffen einer Strohpuppe oder eines Gras-, Stroh- oder Lehmhaufens als Zielscheibe. Nachdem er des Königs Gunst durch das Bogenschießen gewonnen hat, wird er belohnt mit prächtigen Wagen, Elefanten und Rossen, mit Geld und Gütern, Juwelen und Gold, Knechten und Mägden, mit einem Weibe und mit einem prächtigen Landgut.

Nicht kann man, o König, ohne sich früher in den Asketenregeln geübt zu haben, in einer einzigen Geburt die Heiligkeit verwirklichen; aber auch dann nur bei äußerster Willenskraft und äußerster Übung und bei einem entsprechenden Lehrer als edlem Freunde ist solches möglich. Auch jeder heilkundige Wundarzt mußte zuerst gegen Geld oder eine Dienstleistung einen Lehrer finden. Dann hat er gelernt, richtig die Lanzette anzufassen, zu schneiden, zu ritzen und zu bohren, die Pfeilspitze herauszuziehen, die Wunde auszuwaschen und auftrocknen zu lassen und mit Salben zu bestreichen, sowie Brechmittel, Abführmittel und Öleinspritzungen anzuwenden. Und erst, nachdem er in seiner Wissenschaft geübt, erprobt und gewandt ist, besucht er die Kranken, um sie zu heilen. Ebenso auch, o König, ist es mit den Hausleuten, die, während sie noch im Hause leben und die Sinnenfreuden genießen, das heilige, höchste Ziel des Nibbāna verwirklichen; denn alle diese haben sich in ihren früheren Geburten in den dreizehn Asketenübungen geübt und sie zur Grundlage gemacht. Und da sie schon damals ihren Lebenswandel und Übungsweg geläutert haben, verwirklichen sie nunmehr, obwohl sie bloß Hausleute sind, das heilige, höchste Ziel des Nibbāna. Wer sich nicht mit Hilfe der Asketenübungen geläutert hat, erreicht nicht in einer einzigen Geburt die Durchschauung des Gesetzes, ebenso wenig wie einer ohne verdienstvolle und edle Werke auf glückliche Fährte (nach dem Tode) gelangt.

  • Der Erde, o König, gleicht die Asketenübung, insofern sie den nach Reinheit Strebenden eine Stütze bietet.
  • Dem Wasser gleicht sie, insofern sie von jenen allen Schmutz der Leidenschaften abspült.
  • Dem Feuer gleichet sie, insofern sie in jenen das ganze Gestrüpp der Leidenschaften niederbrennt.
  • Dem Winde gleichet sie, insofern sie in jenen allen Schmutz und Staub der Leidenschaften fortweht.
  • Der Arznei gleichet sie, insofern sie in jenen alle Leiden der Leidenschaften stillt.
  • Dem Ambrosiatrank gleichet sie, insofern sie in jenen das Gift aller Leidenschaften unwirksam macht.
  • Dem Felde gleichet sie, insofern sie in jenen die Saat aller Asketentugenden zum Wachsen bringt.
  • Dem Wunschjuwel gleichet sie, insofern sie jenen alle erwünschten, erhabenen Segnungen zuteil werden läßt.
  • Einem Schiffe gleichet sie, insofern sie jene zum anderen Ufer des gewaltigen Daseinsmeeres führt.
  • Einer Zufluchtsstätte gleichet sie, insofern sie jenen in ihrer Furcht vor Alter und Tod einen Trost gewährt.
  • Einer Mutter gleichet sie, insofern sie jene von den Qualen der Leidenschaften Geplagten in Liebe umfängt.
  • Einem Vater gleichet sie, insofern sie in jenen, die nach dem Fortschritte im Guten streben, die sämtlichen Asketentugenden weckt.
  • Einem Freunde gleichet sie, insofern sie jene in ihrem Suchen nach all den Asketentugenden nicht trügt.
  • Dem Lotus gleichet sie, insofern sie bei jenen von allen Flecken der Leidenschaften unbefleckt bleibt.
  • Dem köstlichen ‚Viererduft‘ (Bestehend aus Safran, Jasmin, griechischem und türkischem Weihrauch) gleichet sie, insofern sie in jenen den üblen Duft der Leidenschaften vertreibt.
  • Einem hohen, mächtigen Berge gleichet sie, insofern sie jene unerschütterlich macht gegen die Stürme der acht Weltgesetze (Gewinn und Verlust, Verehrung und Verachtung, Lob und Tadel, Glück und Unglück).
  • Dem Raume gleichet sie, insofern sie überall, wo jene sie aufnehmen, erhaben, ausgebreitet, ausgedehnt und gewaltig ist.
  • Einem Strome gleichet sie, insofern sie von jenen den Schmutz der Leidenschaften fortspült.
  • Einem guten Führer gleichet sie, insofern sie jene aus der Wildnis der Geburten und dem Waldesdickicht der Leidenschaften herausrettet.
  • Dem Führer einer großen Karawane gleichet sie, insofern sie jene zu der von allen Gefahren freien, friedvollen, gefahrlosen, edelsten nd erhabensten Stätte des Nibbāna hingeleitet.
  • Einem blankgeputzten, fleckenlosen Spiegel gleichet sie, insofern sie jene die wahre Beschaffenheit aller Gebilde erkennen läßt.
  • Einem Schilde gleichet sie, insofern sie von jenen die Keulen, Pfeile und Lanzen der Leidenschaften abwehrt.
  • Einem Schirme gleichet sie, insofern sie von jenen den Regenschauer der Leidenschaften und die Glut und Hitze des dreifachen Feuers (der Gier, des Hasses und der Verblendung) abhält.
  • Dem Monde gleichet sie, insofern sie jenen lieb und erwünscht ist.
  • Der Sonne gleichet sie, insofern sie in jenen das Dunkel und die Finsternis der Verblendung verscheucht.
  • Dem Meere gleichet sie, insofern sie in jenen die edlen Kleinode der mannigfachen Asketentugenden erstehen läßt und unbegrenzt, unermeßlich und unerschöpflich ist.

So also, o König, ist die strenge Asketenübung für die nach Reinheit Strebenden von hohem Segen:—aller Beklemmung und Qual macht sie ein Ende, der Unlust und Furcht macht sie ein Ende, dem Werden macht sie ein Ende; der Störrigkeit und Unreinheit, den Sorgen und Leiden, sowie Gier, Haß, Verblendung, Dünkel, Ansichten und allen anderen unheilsamen Erscheinungen macht sie ein Ende. Sie bringt Ehre, Segen und Glück, bewirkt Wohlsein, Begeisterung und Sicherheit, ist untadelig, von erwünschtem, glücklichem Ausgang, ein unbegrenzter, unermeßlicher Hort und Reichtum guter Dinge, edel, hoch und erhaben.

Gleichwie, o König, die Menschen

  • zu ihrer Erhaltung Nahrung brauchen,
  • zu ihrer Gesundheit Arznei,
  • zu ihrer Hilfe einen Freund,
  • zum Übersetzen ein Boot,
  • zur Erzeugung von Wohlgeruch Blumen und Riechstoffe,
  • zu ihrer Sicherheit eine Zufluchtsstätte,
  • zu ihrer Grundlage die Erde,
  • zur Erlernung der Wissenschaft einen Lehrer,
  • zur Gewinnung von Ansehen den König oder zur Erfüllung ihrer Wünsche das (alle Wünsche gewährende) Edelsteinjuwel:

ebenso auch, o König, pflegen die Edlen die Asketenübung, um eben aller Asketentugenden teilhaftig zu werden.

Gleichwie, o König,

  • das Wasser zum Wachsen der Keime da ist,
  • das Feuer zum Brennen,
  • die Nahrung zur Kräftigung,
  • die Ranke zum Binden,
  • das Messer zum Schneiden,
  • das Wasser zur Stillung des Durstes,
  • der Schatz zur Tröstung,
  • das Boot zur Erreichung des anderen Ufers,
  • die Arznei zur Heilung von Krankheiten,
  • der Wagen zur bequemen Fortbewegung,
  • die Zufluchtsstätte zur Abwehr der Gefahren,
  • der König zum Schutze,
  • der Schild zur Abwehr von Stöcken, Steinen, Keulen, Pfeilen und Speeren,
  • der Lehrer zum Unterrichten,
  • die Mutter zur Pflege des Kindes,
  • der Spiegel um sich zu betrachten,
  • der Schmuck zur Verschönerung,
  • das Kleid zur Verhüllung,
  • die Leiter zum Steigen,
  • die Wage zum Abwiegen,
  • der Spruch zum Hersagen,
  • die Waffe zur Abwehr von Angriffen,
  • die Lampe zur Verscheuchung des Dunkels,
  • der Wind zur Abkühlung der Glut,
  • das Handwerk zur Gewinnung des Lebensunterhaltes,
  • die Arznei zur Erhaltung des Lebens,
  • die Mine zur Gewinnung der Edelsteine,
  • das Kleinod zum Schmuck,
  • der Befehl zur Verhütung von Ausschreitungen und
  • die Herrschaft zur Ausübung der Macht:

ebenso auch, o König, dient

  • die strenge Asketenübung zum Wachsen der Keime der Asketenschaft,
  • zum Ausbrennen der Flecken der Leidenschaften,
  • zur Gewinnung der magischen Kräfte,
  • zur Festigung der Achtsamkeit und Sinnenzügelung,
  • zur Zerstörung von Ungewißheit und Zweifel,
  • zur Überwindung des Begehrensdurstes,
  • zur Stärkung des Vertrauens hinsichtlich der Durchschauung der Lehre,
  • zur Durchkreuzung der vierfachen Flut (der Sinnlichkeit, des Daseins, der Ansichten und der Unwissenheit),
  • zur Heilung der Leiden der Leidenschaften, zur Erlangung des Nibbāna-Glückes,
  • zur Vertreibung des in Geburt, Alter, Krankheit, Tod, Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung bestehenden Schreckens;
  • zum Schutze der Asketentugenden,
  • zur Abwehr von Unlust und schlechten Gedanken,
  • zur Aufklärung über das Ziel der ganzen Asketenschaft,
  • zur Pflege aller Asketentugenden,
  • zur Hinweisung auf ‚Gemütsruhe‘ (Samatha) und ‚Klarblick‘ (Vipassanā) auf Pfad, Ziel und Nibbāna,
  • zur Gewinnung einer von aller Welt gelobten und gepriesenen, gewaltigen Erhabenheit,
  • zur Versperrung aller Abwege (Tierreich, Hölle, Gespensterreich und Dämonenreich),
  • zur Erklimmung des höchsten Felsengipfels des Zieles der Asketenschaft,
  • zur Ablegung der schiefen, krummen, ungeraden Gesinnung,
  • zur Erlangung einer gründlichen Erkenntnis hinsichtlich der auszuübenden und nicht auszuübenden Dinge,
  • zur Abschreckung all der feindseligen Leidenschaften,
  • zur Vertreibung des Dunkels des Nichtwissens,
  • zur Abkühlung der Hitze und Glut des dreifachen Feuers (der Gier, des Hasses und der Verblendung),
  • zur Erwirkung der subtilen, versteckten, erhabenen Erreichungszustände,
  • zur Erhaltung der gesamten Asketentugenden,
  • zur Gewinnung der erhabenen Kleinode der Erleuchtungsglieder,
  • zur Zierde der die Vertiefung Pflegenden, um das untadelige, innige, zarte Glück des Friedens nicht zu versäumen und um in dem edlen Gesetze des gesamten Asketentums die Meisterschaft zu erreichen.

Auf diese Weise, o König, gibt es zur Erreichung dieser Vorzüge jedes Mal eine Asketenübung. So ist also, o König, das Asketengelübde etwas Unvergleichliches, Unermeßliches, neben dem es nichts Ähnliches gibt, nichts Ebenbürtiges, Gleiches oder Höheres; es ist das Beste, Ausgezeichnetste und Erhabenste, weit, groß, ausgebreitet, ausgedehnt, gewichtig und gewaltig.

Wer aber, o König, das Asketengelübde auf sich nimmt und dabei üble Wünsche hegt, begehrlichen Wesens ist, ein Versteller, der nur seinen Bauch lebt, nach Gewinn, Ehre und Ruhm giert, sich unschicklich, unpassend, unwürdig und ungehörig benimmt, ein solcher verfällt einer zweifachen Strafe: alle Tugenden zerstört er in sich und schon bei Lebzeiten erfährt er Schimpf und Schande, Tadel, Spott, Hohn und Mißbehagen, wird verstoßen, verjagt, vertrieben und fortgewiesen; nach dem Tode aber schmachtet er in der hundert Meilen breiten, gewaltigen Avīci-Hölle, während er in dem heißen, glühenden, lodernden, feurigen Flammengürtel für abertausende Millionen von Jahren auf- und abwärts, kreuz und quer, mit schaumbedecktem Körper umhergetrieben wird. Von dort aber entronnen, zieht er als ein vom Durst verzehrtes großes Asketengespenst, Jammertöne ausstoßend, auf der Erde umher, mit ganz abgezehrten, schrecklichen, schwarzen Gliedmaßen, mit geschwollenem, aufgedunsenem, ganz durchlöchertem Schädel, hungernd und dürstend, von widerwärtigem, grauenhaftem Aussehen, die Ohren verstümmelt und mit den Augen unaufhörlich zwinkernd, mit wunden, abfaulenden Gliedmaßen behaftet, den ganzen Körper mit Würmern bedeckt, im Innern brennend und glühend wie ein vom Winde angefachtes Feuer, ohne Hilfe und Zuflucht, heulendes, jammerndes, erbarmungsvolles Geschrei ausstoßend. Wenn da zum Beispiel irgend ein Mann, o König, der sich als unschicklich, unpassend, ungehörig, unwürdig und unwert erweist und von geringer, niedriger Herkunft ist, sich zum Adeligen salbt, so wird er mit mancherlei Strafen belegt. Und warum? Weil er eben, trotz seiner geringen, niedrigen Herkunft, sich selbst in die hohe Herrenstellung eingesetzt und die äußersten Grenzen überschritten hat. Ebenso auch, o König, verfällt, wer als Unwürdiger das Asketengelübde auf sich nimmt, einer zweifachen Strafe.

Wer aber, o König, das Asketengelübde auf sich nimmt und sich fähig erweist, tauglich, passend, würdig und angenehm, bescheiden, genügsam, abgeschieden, abgesondert, voller Willenskraft, selbstentschlossen, und kein Betrüger und Gleisner ist, nicht bloß seinen Bauch lebt und nach Gewinn, Ehre und Ruhm giert, sondern Vertrauen besitzt und aus Vertrauen in die Hauslosigkeit gezogen ist, und aus Verlangen nach Erlösung von Alter und Tod das Asketengelübde auf sich nimmt, entschlossen, an der Weisung festzuhalten, ein solcher erntet eine zweifache Verehrung, nämlich: Menschen und Himmelswesen ist er lieb und teuer, erwünscht und angenehm, gerade wie der Jasmin und andere edle Blüten dem frisch Gewaschenen und Eingesalbten erwünscht sind; oder wie dem Hungrigen auserwählte Speise erwünscht ist; dem Durstigen kühles, klares Wasser; dem Vergifteten gute Arznei; oder dem, der es eilig hat, ein starkes, edles Vollblutroß; dem nach Reichtum Trachtenden das (alle Wünsche gewährende) bezaubernde Edelsteinjuwel; oder dem, der zum König gesalbt werden möchte, der lichte, fleckenlose, weiße Schirm; oder dem Gesetzeseifrigen die Erreichung des höchsten Zieles der Heiligkeit. Und bei einem solchen gelangen die vier Grundlagen der Achtsamkeit zur vollen Entfaltung, ebenso die vier Rechten Anstrengungen, die vier Machtfährten, die fünf Fähigkeiten und Kräfte, die sieben Glieder der Erleuchtung und der edle Achtfache Pfad. Er gewinnt „Gemütsruhe“ (Samatha) und „Klarblick“ (Vipassanā), die gewonnene Erreichung reift heran, und die vier Früchte der Asketenschaft, die vier Analytischen Wissen, die drei Wissen, die sechs Höheren Geisteskräfte und das gesamte Asketengesetz: alle diese Dinge fallen ihm zu, und er wird gekrönt unter dem lauteren, unbefleckten, lichten Schirme der Erlösung. Gleichwie, o König, dem aus vornehmem Geschlechte stammenden adelsgekrönten Khattiyakönig aufgewartet wird von den Einwohnern des Landes, von der Stadt- und Landbevölkerung, den Söldnertruppen und Königsboten, und wie die Angehörigen der achtunddreißig Fürstenklassen, die Akrobaten und Tänzer, die Wahrsager und Glücksverheißer, die Asketen und Brahmanen, sowie die ganzen Scharen der Andersgläubigen ihn aufsuchen, und er auf dieser Erde befiehlt und Herr ist über alle Häfen, Edelsteinminen, Städte, Steuern und die verschiedensten Gegenden: ebenso auch, o König, fallen dem Würdigen, der das Asketengelübde auf sich nimmt, alle diese Dinge zu.

Dreizehn Asketengelübde gibt es, o König, durch die geläutert man in das große Meer des Nibbāna eintritt und sich an dem mannigfachen Gesetzessport ergötzt. Der acht formhaften und formlosen (meditativen) Errungenschaften erfreut man sich, und zuteil werden einem die mannigfachen magischen Fähigkeiten, das Himmlische Ohr, das Erkennen der Herzen der Anderen, die Erinnerung an frühere Daseinsformen, das Himmlische Auge und die Versiegung aller Leidenschaften.

Welches aber sind diese dreizehn Asketengelübde? Es sind:

  1. das Gelübde, Fetzengewänder zu tragen,
  2. das Gelübde, bloß drei Gewänder zu besitzen,
  3. das Gelübde, bloß von Almosen zu leben,
  4. das Gelübde, von Haus zu Haus um Almosen zu gehen,
  5. das Gelübde, bloß bei einmaliger Sitzung zu speisen,
  6. das Gelübde, stets aus derselben Almosenschale zu essen,
  7. das Gelübde, eine Zweite Mahlzeit zu verwerfen,
  8. das Gelübde, im Walde zu leben,
  9. das Gelübde, am Fuße eines Baumes zu leben,
  10. das Gelübde, unter freiem Himmel zu leben,
  11. das Gelübde, auf einem Leichenfelde zu leben,
  12. das Gelübde, sich mit jeder Lagerstatt zu begnügen und
  13. das Gelübde, nur im Sitzen zu schlafen.

Hat man, o König, diese dreizehn Asketengelübde im früheren Leben eifrig geübt und gepflegt, gründlich befolgt, danach gelebt und gehandelt und sie vollkommen erfüllt, so erlangt man dadurch die vollständige Asketenschaft, und die gesamten erhabenen, glücklichen Erreichungszustände fallen einem zu.

Gleichwie, o König, ein reicher Reeder, der in seiner Hafenstadt gute Einnahmen gemacht hat, zur See nach Bengalen reist, oder nach Takkola oder China oder Sovīra oder Surat oder Alexandrien oder der Seestadt Kola oder der Goldenen Erde (Burma?), oder irgend eine andere Seereise unternehmen mag: ebenso auch erlangt man, wenn man diese dreizehn Asketengelübde im früheren Leben vollkommen erfüllt hat, dadurch die vollständige Asketenschaft, und die gesamten erhabenen, glücklichen Erreichungszustände fallen einem zu.

Auch der Landmann, o König, beseitigt zuerst die Unreinheiten des Bodens, wie Gras, Hölzer und Steine, und dann pflügt er, sät er, leitet er in richtigem Maße Wasser zu; und nachdem er das Feld beschützt und bewacht hat, erlangt er beim Abmähen und Dreschen eine große Fülle an Korn, und alle unvermögenden, armen, bedürftigen, elenden Menschen stellen sich ihm zur Verfügung. Oder wie ein hauptgesalbter Khattiyakönig aus edlem Geschlechte über die verschiedensten Arten von Menschen herrscht, Macht hat und gebietet und machen kann, was er will, und ihm die ganze weite Erde angehört: ebenso auch ist, wer früher die dreizehn Asketengelübde vollständig erfüllt hat, in des Siegreichen Lehre ein Herrscher, Machthaber und Gebieter, tut, was er will, und die gesamten Asketentugenden fallen ihm zu. Auch der Ordensältere Upasena, der Vangantasohn, hat wegen Innehaltung des geläuterten Asketengelübdes sich gar nicht an den Beschluß der Ordensgemeinde in Sāvatthī gehalten (Dies war ein Übereinkommen, daß der Buddha, während einer dreimonatigen Periode der Zurückgezogenheit, nicht von Besuchern gestört werden sollte, mit Ausnahme des Essenträgers), sondern hat sich mitsamt seiner Schülerschar zum Erhabenen hinbegeben, während dieser, der Leiter der zu zügelnden Männerherde, abgeschieden verweilte, hat gesenkten Hauptes dem Erhabenen zu Füßen seinen Gruß dargebracht und sich zur Seite hingesetzt. Und als der Erhabene seine wohlgezügelte Schülerschar betrachtete, da ward er entzückt und zufrieden, erfreut und erheitert. Und nachdem er sich darauf mit der Schülerschar unterhalten hatte, hat er mit ungetrübter, göttlicher Stimme gesagt:—‚Vertrauenerweckend, Upasena ist diese deine Schülerschar. Wie, Upasena, erziehst du denn deine Schülerschar?‘ Von dem Erhabenen, dem mit den zehn Kräften Ausgestatteten, dem Gott der Götter, also befragt, hat er den Tatsachen und wahren Vorzügen entsprechend erwidert: ‚Wer immer, o Ehrwürdiger, zu mir kommt und mich um die Mönchsweihe oder ‚Beistand‘ (nissaya 2) bittet, zu dem spreche ich also: ‚Ich, o Lieber, lebe als Waldeinsiedler, als Almosengänger, als Träger des Fetzengewandes, als Dreigewandträger. Wenn auch du so leben willst, will ich dich aufnehmen und dir Beistand gewähren‘. Gibt mir nun jener, o Ehrwürdiger, eine freudig einwilligende Antwort, so gewähre ich ihm Aufnahme und Beistand; wenn nicht, so verweigere ich ihm dies. Auf diese Weise, o Ehrwürdiger, erziehe ich meine Schülerschar.‘—So also, o König, ist einer, der das erhabene Asketengelübde auf sich nimmt, in des Siegreichen Lehre ein Herrscher, Machthaber, Gebieter, macht, was er will, und die sämtlichen erhabenen, glücklichen Erreichungszustände fallen ihm zu.

Gleichwie da, o König, die ausgewachsene Lotusblume, die von lauterer und edler Art und Herkunft ist, geschmeidig ist, zart, entzückend, wohlriechend, beliebt, begehrt, gepriesen, und unberührt bleibt vom Wasser und Schlamm, mit winzigen Blütenblättchen, Samenfädchen und Samengehäusen geschmückt ist, besucht von vielen Bienen, ein Kind des kühlen Wassers: ebenso auch, o König, ist der edle Jünger infolge dieser früher erfüllten Asketengelübde mit dreißig erhabenen Tugenden ausgestattet. Er ist nämlich von geschmeidiger, zarter, sanfter, liebevoller Gesinnung. Die befleckenden Leidenschaften sind in ihm zerstört, vernichtet, vertilgt. Dünkel und Eitelkeit sind in ihm zerstört. Er besitzt ein unerschütterliches, starkes, gefestigtes, von Zweifeln freies Vertrauen. Teilhaftig wird er der vollkommenen, beseligenden, begeisternden, entzückenden, edlen, glücklichen, meditativen Erreichungszustände. Den edlen, erhabenen, unvergleichlichen, lauteren Duft der Sittlichkeit hat er entfaltet. Göttern und Menschen ist er lieb und angenehm. Bei den trieberlösten, edlen, erhabenen Menschen ist er beliebt. Von Göttern und Menschen wird er geehrt und geachtet. Von den erfahrenen, einsichtigen, weisen Männern wird er gepriesen. Weder durch diese Welt, noch die nächste Welt wird er berührt. Selbst vor kleinen, winzigen Vergehen schreckt er zurück. Den nach hohem, edlem Gewinne Trachtenden verhilft er zum hehren Schatze des Pfades und des Zieles. Nur auf Bitten hin bedient er sich der zahlreichen, auserwählten Bedarfsgegenstände. Ein Hausloser ist er. In der mit Vertiefung und Versenkung verbundenen edlen Askese verweilt er. Entwirrt hat er das ganze Netz der Leidenschaften. Gesprengt, zertrümmert und zerbrochen hat er alle Hemmungen des Daseins. Unerschütterlich ist er. Ein edles Leben führt er. Nur untadelige Nahrung nimmt er zu sich. Von jeder Daseinsform ist er erlöst. Allem Zweifel ist er entronnen. Der Erlösung ist sein Herz zugewandt. Die Wahrheit hat er geschaut. Eine unerschütterliche, feste Zuflucht hat er gefunden. Die latenten Neigungen sind in ihm zerstört. Aller Leidenschaften Versiegung hat er erreicht. In den erhabenen, glücklichen Erreichungszuständen weilt er häufig. Mit all den Tugenden eines Asketen ist er ausgerüstet. Dies sind die dreißig erhabenen Vorzüge, die er besitzt.

War wohl, o König, der Ordensältere Sāriputta, außer dem mit den zehn Kräften ausgestatteten Weltenmeister, in dem zehntausendfachen Weltsystem nicht etwa der Höchste unter allen Wesen? Aber auch er hatte durch unermeßliche Zeiten hindurch die Grundlagen des Guten aufgebaut, gehörte stets den Brahmanenfamilien an, gab den lieblichen Sinnengenuß auf, sowie die edlen Schätze von vielen Hunderttausenden an Wert. Und nachdem er im Orden des Siegers Aufnahme gefunden und mit Hilfe dieser dreizehn Asketengelübde seine Werke, Worte und Gedanken gezügelt hatte, ist er, ausgestattet mit unermeßlichen Tugenden, nunmehr in dem hehren Orden des erhabenen Gotama der Mit-Lenker des Reiches des Gesetzes geworden (dhammacakkam-anupavattako: „dreht, in Nachfolge, das Rad der Lehre“). Auch der Erhabene, o König, der Gott der Götter, sagt in der hehren Gabe der Angereihten Sammlung: ‚Nicht kenne ich, ihr Mönche, auch nur einen anderen, der das vom Vollendeten aufgerichtete höchste Reich des Gesetzes mit derselben Vollkommenheit weiterführt, als wie Sāriputta. Sāriputta, ihr Mönche, führt das vom Vollendeten aufgerichtete höchste Reich des Gesetzes mit derselben Vollkommenheit weiter.‘“

„Vortrefflich, ehrwürdiger Nāgasena! Worin auch immer das Neunfache Wort des Buddha besteht, was es auch immer an überweltlichem Wirken gibt, was auch immer in aller Welt die Erreichungen der hohen, hehren Segnungen anbetrifft—alles das ist in den dreizehn Asketengelübden eingeschlossen.“