Die Fragen des Königs Milinda

Teil 5

6.4.1. Die Schlussfolgerungen

Einst wieder begab sich der König Milinda zum ehrwürdigen Nāgasena. Bei seiner Ankunft begrüßte er ehrfurchtsvoll den ehrwürdigen Nāgasena und setzte sich darauf zur Seite nieder. Und begierig zu lernen, zu hören und zu behalten, begierig das Licht der Erkenntnis zu schauen und das Dunkel des Nichtwissens zu verscheuchen, sprach der König Milinda, indem er eine außergewöhnliche Ausdauer, Strebsamkeit, Aufmerksamkeit und Geistesklarheit an den Tag legte, also zum ehrwürdigen Nāgasena:

„Sag, ehrwürdiger Nāgasena, hast du jemals den Erleuchteten gesehen?“

„Nein, o König.“

„Haben ihn wohl dann deine Lehrer gesehen?“

„Nein, o König.“

„Wenn aber, ehrwürdiger Nāgasena, wie du sagst, der Buddha weder von dir noch von deinen Lehrern gesehen wurde, so gibt es eben keinen Buddha, denn kein Buddha ist da zu entdecken.“

„Hast du wohl, o König, Adelsahnen, die die Stammväter deines Adelsgeschlechtes sind?“

„Gewiß, o Ehrwürdiger, wie kann man daran zweifeln?“

„Hast du denn jemals jene Adelsahnen gesehen?“

„Nein, o Ehrwürdiger.“

„Oder haben etwa deine Unterweiser diese gesehen, oder deine Hofpriester, Feldherrn, Richter oder Räte?“

„Nein, o Ehrwürdiger.“

„Wenn aber, o König, wie du sagst, weder von dir noch von deinen Lehrern die Adelsahnen gesehen wurden, so hast du eben keine Adelsahnen, denn keine Adelsahnen sind da zu entdecken.“

„Wir besitzen aber, ehrwürdiger Nāgasena, doch noch einige Prunkgegenstände, die in ihrem Gebrauche waren, als wie den weißen Staatsschirm, die Krone, die Sandalen, den Schweiffächer, das Staatsschwert und äußerst kostbare Ruhelager; und auf Grund dieser Gegenstände wissen und glauben wir, daß wir Adelsahnen haben.“

„Genau so auch, o König, erkennen wir diesen Erhabenen und glauben an ihn; denn wir haben einen Grund hierfür. Es bestehen nämlich noch jene wertvollen Dinge, deren sich jener Erhabene, der Kenner, Seher, Heilige, vollkommen Erleuchtete, bedient hat, als wie da sind: die vier Grundlagen der Achtsamkeit, die vier Machtfährten, die fünf Fähigkeiten, die fünf Kräfte, die sieben Glieder der Erleuchtung und der Achtfache Pfad. Und auf Grund dieser Dinge erkennt und glaubt die Welt mitsamt ihren Göttern, daß jener Erhabene einst gelebt hat. Aus diesem Grunde und Umstande, o König, auf Grund dieser Folgerung und dieses Schlusses kann man erkennen, daß jener Erhabene einst gelebt hat.

Von ihm, der viele hat gerettet,
Entwähnt, von allem Sein befreit,
Durch Schlüsse man erkennen mag:
Einst lebte dieser hehrste Mensch.“

„Gib mir ein Gleichnis, ehrwürdiger Nāgasena!“

Die Gesetzesstadt

(Dhamma-nagara, „die Stadt der Buddha-Lehre“.)

„Da, o König, wünscht ein Stadtbaumeister eine Stadt zu bauen. Zuerst sucht er sich einen ungefährdeten, untadeligen, gefälligen, ebenen Fleck Erde aus, frei von Anhöhen und Vertiefungen, frei von Geröll und Steinen. Dann ebnet er, was noch nicht ganz eben ist, läßt Baumstümpfe und Dornengestrüpp entfernen und baut dort die Stadt, schön, regelmäßig, in Stadtteile angeordnet, versehen mit aufgeworfenen Gräben und Wällen, mit starken Toren, Türmen und Festungswerken, mit weiten Querstraßen und Kreuzwegen, Verbindungswegen und Plätzen, mit einer sauberen, ebenen Königsstraße, wohl eingeteilt, im Innern mit Kaufläden versehen, reich an Hainen, Gärten, Weihern, Teichen und Brunnen, mit zahlreichen Göttertempeln geschmückt, frei von jedem Fehler. Sobald nun die Stadt in jeder Weise entwickelt war, begibt sich der Baumeister in eine andere Gegend. Die Stadt aber blüht und gedeiht in der Folgezeit, ist reich an Lebensmitteln, gesichert, gesegnet, glücklich, verschont von Seuche und Unfällen, von vielen Menschen bevölkert.

Da wohnen in der Stadt zahlreiche Adelige, Brahmanen, Bürger, Knechte, Elefantentruppen, Reitertruppen, Wagentruppen, Fußsoldaten, Bogenschützen, Schwertträger, Fahnenträger, Offiziere, Proviantverteiler, die gewaltigen, tapferen, hochmächtigen, heldenhaften Königssöhne, die gepanzerten Krieger, die Söhne von Knechten und Söldnern, die Ringkämpfertruppen, die Köche und Speisezurichter, Barbiere, Bademeister, Drechsler, Blumenbinder, Arbeiter in Gold, Silber, Blei, Zinn, Kupfer, Bronze und Eisen, die Juweliere, Seidenweber, Töpfer, Salzsieder, Sattler, Wagner, Elfenbeinschnitzer, Seiler, Kammacher, Fadenspinner, Korbflechter, Bogenschnitzer, Sehnendreher, Pfeilschnitzer, Maler, Färber, Wäscher, Weber, Schneider, Goldprober, Kleiderhändler, Ricchstoffhändler, Grasschneider, Holzhacker, Tagelöhner, die Verkäufer von Blättern, Früchten, Wurzeln, Reis, Kuchen, Fischen, Fleisch und Wein, die Schauspieler, Tänzer, Akrobaten, Zauberkünstler, Beschwörer, Faustkämpfer, Leichenverbrenner, Tempelblumenfeger, die Wilden aus der Kaste der Venas und Nesādas (Jäger), die Kurtisanen, Tänzerinnen und Kupplerinnen, die Scythen und Griechen, Chinesen und Tartaren, die Leute aus Ujjeni, Bhārukaccha, Kāsi, Kosala und den Grenzstaaten, aus Māgadha, Sāketa, Surattha, Patheyya, Kotumbara und Madhurā, aus Alexandrien, Kashmir und Gandhāra: alle diese Leute aus den verschiedenen Gegenden, die in jener Stadt ihren Aufenthalt nehmen, erkennen, wenn sie die makellose, schöne Stadt betrachten, durch Schlußfolgerung, daß es wahrlich ein geschickter Baumeister sein muß, der die Stadt erbaut hat.

Genau so, o König, ist es mit ihm, dem Erhabenen, der ohne seinesgleichen ist, ohne einen, der ihm gliche, ihm ebenbürtig oder ähnlich wäre, der unvergleichlich ist, unerfaßbar, unermeßlich, unergründlich, unbegrenzt in Tugend, vollkommen in Tugend, von unendlicher Weisheit, unendlicher Würde, unendlicher Willenskraft, unendlicher Stärke und vollendet in den Buddhakräften. Denn nachdem er den Māra mitsamt seiner Heerschar besiegt, das Netz der Ansichten gesprengt, die Verblendung zerteilt und, die Fackel des Gesetzes schwingend, das Allwissen erlangt hatte und als völliger Sieger aus dem Kampfe hervorgegangen war, da erbaute er die Stadt des Gesetzes. Des Erhabenen Gesetzesstadt aber, o König, hat Sittlichkeit als Wall, Schamgefühl als Graben, Erkenntnis als Torzinnen, Willenskraft als Warte, Vertrauen als Stadtsäule, Achtsamkeit als Torwächter, Weisheit als Königspalast, die Lehrreden (Sutta) als Palasthof, den Abhidhamma als Kreuzungsplatz, die Ordensdisziplin (Vinaya) als Gerichtshalle und die Grundlagen der Achtsamkeit (satipatthāna) als Hauptstraße. In dieser Hauptstraße erstrecken sich folgende Kaufläden: ein Blumenladen, ein Spezereiladen, ein Fruchtladen, ein Arzneiladen, ein Drogenladen, ein Ambrosialaden, ein Juwelenladen und ein Laden für Alles.“

„Welches aber, ehrwürdiger Nāgasena, ist der Blumenladen des Erleuchteten, des Erhabenen?“

„Folgende verschiedene Meditationsobjekte, o König, hat jener Erhabene dargetan, der Kenner, Seher, Heilige, Vollkommen-Erleuchtete, nämlich: die Betrachtung der Vergänglichkeit, der Ichlosigkeit, der Unreinheit, des Elendes, der Überwindung, der Abwendung, der Aufhebung, der Reizlosigkeit der ganzen Welt, der Vergänglichkeit aller Bildungen, der Achtsamkeit bei Ein- und Ausatmung, die Betrachtung über eine aufgedunsene Leiche, eine blauschwarz gefärbte Leiche, eine eiterbedeckte Leiche, eine durchlöcherte Leiche, eine zernagte Leiche, eine zerfallene Leiche, eine in Stücken verstreute Leiche, eine blutbedeckte Leiche, eine von Würmern bedeckte Leiche, die Betrachtung über ein Knochengerippe, die Betrachtung der Liebe, des Mitleids, der Mitfreude und des Gleichmuts, die Betrachtung über den Tod und die Achtsamkeit beim Körper. Diese verschiedenen Meditationsobjekte hat der Erleuchtete, der Erhabene, dargetan. Wer da nun von Alter und Tod Erlösung sucht, der nimmt eine von jenen Betrachtungen und durch sie wird er erlöst von Gier, Haß, Verblendung, Dünkel und Ansichten, durchkreuzt den Strom des Daseins, stemmt die Flut des Begehrens und läutert sich von der dreifachen Befleckung (Gier, Haß und Verblendung). Hat er aber alle Leidenschaften zerstört, so tritt er ein in die unbefleckte, ungetrübte, lautere, lichte, von Geburt, Alter und Tod freie, selige, milde, gefahrlose, erhabenste Stätte des Nibbāna und erlöst sein Herz in Heiligkeit. Das, o König, nennt man den Blumenladen des Erhabenen.

Die Werke (Karma) nehmt als Kaufgeld mit
Und geht zum Blumenladen hin.
Dort kauft euch ein Objekt des Geistes,
Dann wird Erlösung euch zuteil.“

„Welches aber, ehrwürdiger Nāgasena, ist der Spezereiladen des Erleuchteten, des Erhabenen?“

„Der Erhabene, o König, hat verschiedene Arten der Sittlichkeit dargetan, von deren Duft umspült die Jünger des Erhabenen die Welt mitsamt ihren Göttern mit dem Dufte der Sittlichkeit füllen und völlig durchdringen und deren Duft sie nach allen Richtungen strömen lassen, mit dem Wind wie gegen den Wind. Welches aber sind jene verschiedenen Arten der Sittlichkeit? Es sind die im Zufluchtnehmen (zu Buddha, dem Gesetz und der Jüngergemeinde) bestehende Sittlichkeit, die fünffache Sittlichkeit (das ist Abstehen von Töten, Stehlen, Ehebrechen, Lügen und berauschenden Getränken), die achtfache Sittlichkeit, die zehnfache Sittlichkeit (des Novizen), die in den fünf Vorlesungen enthaltene und in Selbstbeherrschung gemäß der Ordenssatzung bestehende Sittlichkeit (patimokkha-samvara-sīla). Das, o König, nennt man den Spezereiladen des Erhabenen. Auch der Erhabene, der Gott der Götter, hat gesagt:

Nicht wehet Blütenduft dem Wind entgegen,
Nicht Tagara-, Jasmin- und Sandelduft:
Der Duft des Guten geht dem Wind entgegen;
Nach jeder Richtung dringt der gute Mensch.

Sei's Sandel oder Tāgara,
Sei's Lotus oder auch Jasmin:
Von allen Düften in der Welt
Der Tugendduft als bester gilt.

Beschränkt sind alle jene Düfte,
Wie Tāgara und Sandelduft,
Doch edler Menschen Tugendduft,
Als bester bei den Göttern gilt.“

„Welches aber, ehrwürdiger Nāgasena, ist der Fruchtladen des Erleuchteten, des Erhabenen?“

„Folgende Früchte, o König, hat der Erhabene aufgewiesen: die Frucht des Stromeintrittes, die Frucht der Einmalwiederkehr, die Frucht der Niewiederkehr, die Frucht der Heiligkeit, die Erreichung der Frucht der Leerheit (suññata-phala-samāpatti), die Erreichung der Frucht der Bedingungslosigkeit (animitta) und die Erreichung der Frucht der Begehrlosigkeit (appanihita). Wer da nun irgend eine Frucht begehrt, der gibt sein Wirken als Kaufgeld hin und ersteht sich dafür die gewünschte Frucht. Es ist damit, wie wenn ein Mann einen immertragenden Mangobaum besitzt. Solange keine Käufer kommen, schüttelt er keine Früchte herunter. Sobald aber ein Käufer kommt, nimmt er das Geld in Empfang und spricht: ‚Lieber Mann, dies ist ein immer tragender Mangobaum. Nimm dir eine Frucht herunter, die du wünschst, eine unreife, halb reife oder ganz reife.‘ Und der Käufer nimmt sich für sein bezahltes Geld die gewünschte Frucht.—Das, o König, nennt man den Fruchtladen des Erhabenen.

Für deine Werke als Bezahlung
Ersteh' dir die Ambrosiafrucht .
Denn Seligkeit wird dem zuteil,
Der die Ambrosiafrucht sich kauft.“

amata-phalam, „die Frucht der Todlosigkeit“. das ist Nibbāna

„Welches aber, ehrwürdiger Nāgasena, ist der Arzneiladen des Erleuchteten, des Erhabenen?“

„Der Erhabene, o König, hat die Arzneien (Gegengifte) gewiesen, durch die er die Welt mitsamt ihren Göttern von dem Gifte der Leidenschaften befreit. Was sind nun diese Gegengifte? Es sind die vom Erhabenen gewiesenen Vier Edlen Wahrheiten, nämlich die Wahrheit vom Leiden, von der Leidensentstehung, der Leidensaufhebung und dem zur Leidensaufhebung führenden Pfade. Alle diejenigen, die, von Verlangen nach höchstem Wissen erfüllt, das Gesetz von den vier Wahrheiten hören, werden befreit von Geburt, Alter und Sterben, von Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. Das, o König, nennt man den Arzneiladen des Erhabenen.

Keine Arznei in der ganzen Welt,
Die die Gifte des Körpers vertreibt,
Kommt der Arznei des Gesetzes je gleich.
Trinket d'rum, Mönche, von dieser Arznei!“

„Welches aber, ehrwürdiger Nāgasena, ist der Drogenladen des Erleuchteten, des Erhabenen?“

„Der Erhabene, o König, hat die Heilkräuter gewiesen, durch die er der Welt mitsamt ihren Göttern Heilung verschafft, als wie da sind: die vier Grundlagen der Achtsamkeit, die vier Großen Anstrengungen, die vier Machtfährten, die fünf Fähigkeiten, die fünf Kräfte, die sieben Glieder der Erleuchtung und der heilige Achtfache Pfad. Mit Hilfe dieser Heilmittel bewirkt der Erhabene die Entleerung von verkehrter Erkenntnis, verkehrter Gesinnung, verkehrter Rede, verkehrter Tat, verkehrtem Leben, verkehrtem Streben, verkehrter Achtsamkeit und verkehrter Sammlung und bewirkt das Ausspeien von Gier, Haß und Verblendung, von Dünkel, Ansichten und Zweifelsucht, von Stumpfheit und Mattigkeit, Schamlosigkeit und Gewissenlosigkeit und allen anderen Leidenschaften. Das, o König, nennt man den Drogenladen des Erhabenen.

Nicht eines unter all den Kräutern,
Die in der Welt zu finden sind,
Gleicht diesem Heilkraut des Gesetzes.
Nehmt ein denn, Mönche, dieses Kraut!

Denn wer den Wahrheitstrank genießet,
Wird frei von Alter, frei von Tod,
Vollendet, mit geklärtem Blick,
Gestillt, von Leidenschaft erlöst.“

„Welches aber, ehrwürdiger Nāgasena, ist der Ambrosialaden des Erleuchteten, des Erhabenen?“

„Der Erhabene, o König, hat einen Unsterblichkeitstrank (Ambrosia) gewiesen, mit dem er die Welt mitsamt ihren Göttern besprengte, und mit dem besprengt Götter und Menschen erlöst werden von Geburt, Altern und Sterben, von Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. Was aber ist dieser Unsterblichkeitstrank? Es ist die Betrachtung über den Körper. Auch der Erhabene, o König, der Gott der Götter, hat gesagt: ‚Wer da den Einblick, Mönche, in den Körper kostet, ein solcher, wahrlich, kostet den Ambrosiatrank.‘ Das, o König, nennt man den Ambrosialaden des Erhabenen.

Als er die Menschheit leiden sah,
Macht auf er den Ambrosialaden.
So gebt als Zahlung eure Werke
Und nehmt euch den Ambrosiatrank!“

„Welches aber, ehrwürdiger Nāgasena, ist der Juwelenladen des Erleuchteten, des Erhabenen?“

„Der Erhabene, o König, hat die Juwelen gewiesen, mit denen geschmückt des Erhabenen Jünger in der Welt mitsamt ihren Göttern strahlen, glänzen, leuchten und hell scheinen und oben, unten und ringsumher Licht verbreiten. Und welches sind diese Juwelen? Es ist das Juwel der Sittlichkeit, der Sammlung, der Weisheit, der Erlösung, des Erkenntnisblickes der Erlösung, des Analytischen Wissens und der Glieder der Erleuchtung.

Was aber, o König, ist des Erhabenen Juwel der Sittlichkeit? Es ist die in ‚Zügelung gemäß der Ordenssatzung‘ bestehende Sittlichkeit, die in der ‚Sinnenzügelung‘ bestehende Sittlichkeit, die in ‚lauterem Lebenswandel‘ bestehende Sittlichkeit, und die ‚auf die (dem Mönche erlaubten vier) Bedarfsgegenstände sich beziehende Sittlichkeit‘, die niederen, mittleren und höheren Regeln der Sittlichkeit, die mit den Pfaden und die mit den Zielen verbundene Sittlichkeit. Und der Welt mitsamt ihren Himmelswesen, Māras und Göttern, sowie der Schar der Asketen und Priester sind die mit dem Juwele der Sittlichkeit geschmückten Wesen erwünscht und begehrt. Der mit dem Juwel der Sittlichkeit geschmückte Mönch aber leuchtet und strahlt nach allen Richtungen, nach oben, unten, ringsumher und übertrifft, überflügelt und überstrahlt alles, was es zwischen der tiefsten Hölle und dem höchsten Daseinsgipfel an Juwelen gibt. Solche Juwelen der Sittlichkeit sind in des Erhabenen Juwelenladen ausgebreitet. Das, o König, nennt man des Erhabenen Juwel der Sittlichkeit.

Ja, solche Sittlichkeit gibt's da
Im Laden des Erleuchteten.
Die kaufet euch mit euren Werken!
Dies Kleinod leget an als Schmuck!

Welches aber, o König, ist des Erhabenen Juwel der Sammlung? Es ist die mit Gedankenfassen und Überlegen verbundene Sammlung (der ersten Vertiefung), die von Gedankenfassen frei und bloß mit Überlegen verbundene Sammlung (der zweiten Vertiefung), die von Gedankenfassen und Überlegen freie Sammlung (der dritten, vierten oder fünften Vertiefung), die ‚Leere Sammlung‘ die ‚Bedingungslose Sammlung‘ und die ‚Begehrlose Sammlung‘. Sobald der mit dem Juwel der Sammlung geschmückte Mönch, o König, in die Sammlung eingetreten ist, schwinden in ihm alle die gierigen, gehässigen und grausamen Gedanken, sowie die in den Leidenschaften des Dünkels, der Aufgeregtheit, der Ansichten und des Zweifels wurzelnden schlechten Erwägungen. Gleichwie das Wasser auf dem Lotusblatte sich zerteilt, sich auflöst, zerstiebt, nicht bleibt und das Blatt nicht befleckt—eben wegen der Lauterkeit der Lotuspflanze—: ebenso auch lösen beim Eintritt in die Sammlung, infolge ihrer Lauterkeit, sich alle diese schlechten Dinge auf, zerstieben, bleiben nicht mehr und beflecken ihn nicht. Das, o König, nennt man des Erhabenen Juwel der Sammlung. Und solche Juwelen der Sammlung, o König, sind in des Erhabenen Juwelenladen ausgebreitet.

Geschmückt mit dem Juwel der Sammlung,
Man Übles nicht mehr denken kann;
Und nicht mehr wird der Geist zerstreut.
So legt denn dieses Kleinod an!

Welches aber, o König, ist des Erhabenen Juwel der Weisheit? Es ist jene Weisheit, o König, mit der der edle Jünger der Wirklichkeit gemäß Heilsames wie Unheilsames erkennt, Tadeliges wie Untadeliges, Auszuübendes wie Nichtauszuübendes, Gemeines wie Edles, Finsteres wie Lichtes, die Gegensätze von Gut und Böse und was Leiden ist, was die E.ntstehung des Leidens ist, was die Aufhebung des Leidens ist und was der zur Leidensaufhebung führende Pfad ist. Das, o König, nennt man des Erhabenen Juwel der Weisheit.

Für den, der's Kleinod trägt der Weisheit,
Nicht lang' mehr währt die Wandelwelt.
Das Todlose erfährt er bald,
Dies Dasein ihn nicht mehr ergötzt.

Welches aber, o König, ist des Erhabenen Juwel der Erlösung? Als Juwel der Erlösung, o König, bezeichnet man die Heiligkeit (arahatta). Und wer die Heiligkeit erreicht hat, diesen Mönch nennt man den mit dem Juwel der Erlösung Geschmückten.

Nimm an, o König, es sei da ein Mann geschmückt mit Perlenketten, Edelsteinen, Gold und Korallen, seine Glieder gesalbt mit Aloe, Myrrhen, Talis und rotem Sandelpulver, und bekränzt mit Eisenholzblüten, Muskatblüten, Sālblüten, Sālablüten, Champak, Jasmin, Yohombu, Trompetenblumen, weißem und großem Jasmin. Wie nun dieser Mensch durch seinen Blumenschmuck, seine Wohlgerüche und Juwelen alle übrigen Menschen übertrifft, ihnen überlegen ist und unter ihnen hervorragend strahlt, leuchtet, glänzt und über und über erstrahlt: ebenso auch übertrifft der Triebbefreite, zur Heiligkeit Gelangte, mit dem Juwel der Erlösung Geschmückte durch seine Erlösung die nur in dieser oder jener Hinsicht (das heißt teilweise) befreiten Mönche. Und warum? Weil eben das Juwel der Erlösung, o König, das edelste ist unter allen Juwelen. Das, o König, nennt man des Erhabenen Juwel der Erlösung.

Zum Hausherrn, edelsteinbehangen,
Blickt jeder Hausbewohner auf.
Wen der Erlösung Kleinod schmückt,
Zu dem hinauf blickt Gott und Mensch.

Welches aber, o König, ist des Erhabenen Juwel des Erkenntnisblickes der Erlösung? Das in Rückblickerkenntnis bestehende Wissen (pacca-vekkhana-ñāna), womit der edle Jünger den Pfad, das Ziel oder das Nibbāna in sich erkennt, sowie die überwundenen oder noch übrig gebliebenen Befleckungen des Geistes: das, o König, nennt man das Juwel des Erkenntnisblickes der Erlösung.

Erkenntnisblick, womit der Edle,
Was er gewirkt hat, überschaut:
Dies Kleinod zu erwerben strebet,
Die ihr des Siegers Söhne seid!

Welches aber, o König, ist des Erhabenen Juwel des Analytischen Wissens?

Vier Analytische Wissen gibt es, o König:

  • das Analytische Wissen der Auslegung,
  • das Analytische Wissen des Gesetzes,
  • das Analytische Wissen der Wortableitung und
  • das Analytische Wissen der Darlegung.

In welche Versammlung nun auch immer der mit diesen vier Juwelen des Analytischen Wissens geschmückte Mönch eintritt,—seien es Adelige, Asketen, Brahmanen oder Hausväter,—da tritt er ein voll Selbstvertrauen, und unbefangen, ohne Beklemmung und Erregung, frei von Angst. Und genau so wie ein Krieger, ein Held in Schlachten, fünffach gewappnet, furchtlos ins Treffen zieht, indem er denkt: ‚Bleiben die Feinde in der Ferne, so will ich sie mit meinen Pfeilen niederschießen; kommen sie aber heran, so will ich den Wurfspeer auf sie schleudern; sollten sie mir aber noch näher kommen, so will ich sie mit der Lanze niederstoßen; sind sie aber in nächster Nähe, so will ich sie mit meinem Krummsäbel in zwei Hälften spalten; wer sich aber an meinem Körper vergreift, den will ich mit meinem Dolche durchbohren—genau so tritt der mit den vier Juwelen des Analytischen Wissens geschmückte Mönch furchtlos in jede Versammlung ein, indem er denkt:

Sollte mich irgend jemand über das Analytische Wissen der Auslegung befragen, so will ich es ihm erklären, indem ich Auslegung mit Auslegung vergleiche, Grund mit Grund, Ursache mit Ursache, Schlußfolgerung mit Schlußfolgerung; und so will ich ihm Gewißheit verschaffen, seinen Zweifel lösen und ihn durch Beantwortung seiner Frage zufrieden stellen.

Sollte mich irgend jemand über das Analytische Wissen des Gesetzes (dhamma) befragen, so will ich es ihm erklären indem ich Lehraussagen mit Lehraussagen (dhammena dhammam) erkläre, das Todlose mit dem Todlosen, das Unerschaffene mit dem Unerschaffenen, das Nibbāna mit dem Nibbāna, das Leere (suññatā) mit dem Leeren, das Bedingungslose mit dem Bedingungslosen, das Begehrlose mit dem Begehrlosen, das Unerschütterliche mit dem Unerschütterlichen; und so will ich ihm Gewißheit verschaffen, seinen Zweifel lösen und ihn durch Beantwortung seiner Fragen zufrieden stellen.

Sollte mich irgend jemand über das Analytische Wissen der Wortableitung befragen, so will ich es ihm erklären, indem ich Ableitung mit Ableitung erkläre, Wort mit Wort, Partikel mit Partikel, Buchstaben mit Buchstaben, Bindung mit Bindung, Konsonant mit Konsonant, Nebenlaut mit Nebenlaut, Silbe mit Silbe, Vokal mit Vokal, Begriff mit Begriff, Sprechweise mit Sprechweise; und so will ich ihm Gewißheit verschaffen, seinen Zweifel lösen und ihn durch Beantwortung seiner Frage zufrieden stellen.

Sollte mich irgend jemand über das Analytische Wissen der Darlegung befragen, so will ich es ihm erklären, indem ich Darlegung mit Darlegung erkläre, Gleichnis mit Gleichnis, Merkmal mit Merkmal, Inhalt mit Inhalt; und so will ich ihm Gewißheit verschaffen, seinen Zweifel lösen und ihn durch Beantwortung seiner Fragen zufrieden stellen.‘ Das, o König, nennt man des Erhabenen Juwel des Analytischen Wissens (patisambhidā).

Wer scharfes Wissen sich erkauft,
Es weise sich zu eigen macht,
Der überstrahlt die ganze Welt,
Von Aufregung und Furcht befreit.

Welches aber, o König, ist des Erhabenen Juwel der Glieder der Erleuchtung? Sieben Glieder der Erleuchtung gibt es: Achtsamkeit, Gesetzesergründung, Willenskraft, Verzückung, Ruhe, Sammlung und Gleichmut. Der mit diesen sieben Juwelen der Erleuchtungsglieder ausgestattete Mönch überwindet das ganze Dunkel und glänzt, strahlt und leuchtet in aller Welt. Das, o König, nennt man des Erhabenen Juwel der Erleuchtungsglieder.

Geschmückt mit den Erleuchtungsgliedern
Wird man geehrt von Gott und Mensch.
Gebt eure Werke drum als Zahlung
Und legt euch dieses Kleinod an!“

„Welches aber, ehrwürdiger Nāgasena, ist des Erhabenen Laden für Alles?“

„Den Laden für Alles, o König, bilden das neunfache Wort des Buddha (sasana), die seine leiblichen Reste und seine Gebrauchsgegenstände einschließenden Schreine und ferner das Kleinod der Jüngerschaft. In des Erhabenen Laden für Alles aber ist ausgelegt das Gut der edlen Abstammung, des Reichtums und hohen Alters, der Gesundheit, Schönheit und Weisheit, der Menschwerdung und des Nibbāna. Wer da dieses oder jenes Gut wünscht gibt seine Werke hin als Zahlung und ersteht sich dafür jedesmal das gewünschte Gut; der eine durch das Erfüllen der Sittenregeln, der andere durch das Beobachten der Feiertagshandlungen. Und für ganz wenige Werke als Bezahlung erhält man die jeweiligen Güter. Gleichwie man in einem Krämerladen für jedesmal ganz wenig Geld jeweils Ölsamen, Linsen und Bohnen kaufen kann, so auch erhält man in des Erhabenen Laden für Alles schon für ein kleines Werk als Bezahlung jeweiliges Gut. Das, o König, nennt man des Erhabenen Laden für Alles.

Gesundheit, Anmut, hohes Alter,
Das Todlose, das Unerschaffne,
Den Adelsstand und Himmel man
Im „Kaufladen für Alles“ kauft.

Durch kleine Werke als Bezahlung
Kann man schon manches sich erstehn.
Gebt ihr Vertrauen hin als Zahlung,
Seid ihr mit Gütern reich belohnt.

In des Erhabenen Gesetzesstadt aber, o König, wohnen folgende Arten von Menschen:

  • Kenner der Lehrreden (Sutta), der Ordensdisziplin (Vinaya), der Philosophischen Sammlung (Abhidhamma),
  • Prediger der Lehre,
  • Rezitatoren der Geburtsgeschichten (Jātaka), der Langen Lehrreden (Dīgha-Nikāya), der Mittleren Lehrreden (Majjhima-Nikāya), der Gruppierten Lehrreden (Samyutta-Nikāya), der Angereihten Lehrreden (Anguttara-Nikāya) und der kurzen Lehrtexte (Khuddaka-Nikāya),
  • in Sittlichkeit Vollkommene,
  • in Sammlung Vollkommene und in Weisheit Vollkommene,
  • in Entfaltung der Erleuchtungsglieder Entzückte,
  • Klarblickübende,
  • dem eigenen Heile Hingegebene,
  • Waldeinsiedler, unter Bäumen, unter freiem Himmel oder auf Strohhaufen lebende Asketen, Friedhofasketen und Stetigsitzer,
  • auf dem (heiligen) Pfade Wandelnde und am (heiligen) Ziele Weilende,
  • Jünger der Hohen Schulung,
  • mit der (Heiligkeits-) Frucht Ausgestattete,
  • Stromeingetretene, Einmalwiederkehrende, Niewiederkehrende und Vollkommen-Heilige,
  • Dreiwissensmächtige und Sechsfach Geistesgewaltige,
  • Magiegewaltige,
  • zur Vollendung der Weisheit Gelangte und solche, die vertraut sind mit den Grundlagen der Achtsamkeit, den rechten Anstrengungen, den Machtfährten, den Fähigkeiten, den Kräften, den Gliedern der Erleuchtung, den Freiungen und den edlen, erhabenen formhaften und formlosen Erreichungszuständen.

Von solchen Heiligen ist die Gesetzesstadt bevölkert, dicht bevölkert, dicht bewohnt und gleicht einem Bambuswalde oder einem Schilfrohrdickicht. Darum heißt es auch:

Von Gier und Haß restlos Befreite,
Vom Wahn Erlöste, Unbefleckte,
Begehrentronnen, ohne Haften:
Die gibt's in der Gesetzesstadt.

Asketenmönche, Waldbewohner,
Innig Vertiefte, Fetzenträger,
Der Einsamkeit ergeb'ne Weise:
Die gibt's in der Gesetzesstadt.

Mit jeder Lagerstatt Zufried'ne,
Stets Sitzende, stets Wandelnde,
In Fetzenkleider Eingehüllte:
Die gibt's in der Gesetzesstadt.

Solch Edle mit nur drei Gewändern,
Und einem Lederstück dazu,
Solch Weise, die nur einmal speisen:
Die gibt's in der Gesetzesstadt.

Ja, Kluge, Weise und Bescheid'ne,
Die wenig essen, gierentwöhnt,
Mit jeder Gabe sich begnügend:
Die gibt's in der Gesetzesstadt.

Helden, vertieft, vertiefungsfreudig,
Gestillt im Herzen, geistesfest,
Nach gar nichts mehr Verlangen tragend:
Die gibt's in der Gesetzesstadt.

Pfadbeschreiter, Zielerringer,
Kämpfer, die, der Ziele kundig,
Nach dem höchsten Heile streben:
Die gibt's in der Gesetzesstadt.

Stromeingetret'ne, ohne Flecken,
Und Einmalwiederkehrende,
Niewiederkehrende, Heilige:
Die gibt's in der Gesetzesstadt.

Die Wissensglieder freudig weckend,
Der Klarheitspfeiler eingedenk,
Klarblickbegabte, Wahrheitskenner:
Die gibt's in der Gesetzesstadt.

Die, mächtig in den Machtgebieten,
Der Sammlung pflegend innig froh,
Dem rechten Kampf ergeben sind:
Die gibt's in der Gesetzesstadt.

Am Wissensgipfel Angelangte,
Froh lebend in des Vaters Reich ,
Den Himmelsraum Durchschreitende:
Die gibt's in der Gesetzesstadt.

Das „väterliche Gebiet“ sind die vier Grundlagen der Achtsamkeit,satipatthāna)

Den Blick gesenkt, in Worten karg,
Und in den Sinnen wohl bewacht,
Gezügelte, in höchster Lehre:
Die gibt's in der Gesetzesstadt.

Drei- oder sechsfach wissensmächtig,
Vollendete in der Magie,
Zur höchsten Weisheit Hingelangte:
Die gibt's in der Gesetzesstadt.

Diejenigen Mönche, o König, die da Träger von unermeßlichen, erhabenen Erkenntnissen sind, frei vom Haften, unvergleichlich in Tugend Ruhm, Macht und Würde, die das Reich des Gesetzes aufrecht halten (oder: „nachfolgend, das Rad der Lehre in Bewegung halten“) und zum höchsten Gipfel der Weisheit gelangt sind: diese Mönche, o König, bezeichnet man als die Heerführer des Gesetzes in des Erhabenen Gesetzesstadt.

Diejenigen Mönche aber, o König, die Magiegewaltige sind, im Besitze der Analytischen Wissen, von Selbstvertrauen erfüllt, die Lüfte durchschwebend, unnahbar, unbezwingbar, unabhängig lebend, imstande, die Erde mitsamt dem Meere zu tragen und die Erde zu erschüttern, befähigt, durch Willensentschluß die Gestalt zu wechseln, vollendet in den magischen Kräften:—diese Mönche, o König, bezeichnet man als die Hofpriester in des Erhabenen Gesetzesstadt.

Diejenigen Mönche aber, o König, die Befolger der (strengen) Asketenübungen, sind bescheiden, genügsam, voll Abscheu gegen aufdringliche Andeutungen (zwecks Erlangung von Almosen), die beim Almosengange von Haus zu Haus ziehen und dann—wie die Bienen, die den Blütenduft aufgesogen haben—in die Einsamkeit der Wälder eilen, unbesorgt um Leib und Leben, Erringer der Heiligkeit, die die Asketenregeln aufs Höchste würdigen: diese Mönche, o König, bezeichnet man als die Richter in des Erhabenen Gesetzesstadt.

Diejenigen Mönche aber, o König, die lauter sind, fleckenlos, ohne Leidenschaft, die erkennen, wie die Wesen abscheiden und wiedererscheinen, und hinsichtlich des Himmlischen Auges die Vollendung erreicht haben: diese Mönche, o König, bezeichnet man als die städtischen Lampenanzünder in des Erhabenen Gesetzesstadt.

Diejenigen Mönche aber, o König, die da Wissensreiche sind, mit der Botschaft vertraut, Hüter des Gesetzes und der Disziplin, Kenner der Grundrisse (mātikā), die sich verstehen auf die Einteilung der Buchstaben in tönende und tonlose, lange und kurze, betonte und unbetonte, die Hüter der Neunfachen Satzung sind: diese Mönche, o König, bezeichnet man als die Hüter des Gesetzes in des Erhabenen Gesetzesstadt.

Diejenigen Mönche, o König, die Kenner und Kundige der Ordensdisziplin sind, kundig des Ursprungs und des Textes (der Regeln), und die sich darauf verstehen, ob ein Vergehen vorliegt oder keines, ob ein schweres oder leichtes Vergehen, ein sühnbares oder ein nicht sühnbares Vergehen, die sich verstehen auf Rehabilitierung, Geständnisablegung, Verweis, Sühne, Wiederzulassung, (zeitweise) Ausschließung und das Verzeihungerbitten, vollendet in der Ordensdisziplin:—diese Mönche, o König, bezeichnet man als die Formkundigen in des Erhabenen Gesetzesstadt.

Diejenigen Mönche aber, o König, die, mit dem Blütenkranze höchster Erlösung umwunden, jenen hohen, erhabenen, teuren, besten Zustand gewonnen haben und von vielen Menschen gewünscht und begehrt werden:—diese Mönche, o König, bezeichnet man als die Blumenverkäufer in des Erhabenen Gesetzesstadt.

Diejenigen Mönche aber, o König, die zur Durchschauung der vier Edlen Wahrheiten vorgedrungen sind, Wahrheitserkenner, Versteher der Lehre, die hinsichtlich der vier Früchte heiliger Ziele der Asketenschaft allen Zweifeln entronnen sind und den Segen dieser Früchte erlangt haben und auch an die anderen auf dem Pfade Wandelnden diese Früchte verteilen:—diese Mönche, o König, bezeichnet man als die Fruchtverkäufer in des Erhabenen Gesetzesstadt.

Diejenigen Mönche aber, o König, die umspült werden vom lieblichen Dufte edler Sittlichkeit, die die vielen, mannigfachen Tugenden in sich tragen und den üblen Geruch des Schmutzes der Leidenschaften vertreiben:—diese Mönche, o König, bezeichnet man als die Spezereiverkäufer in des Erhabenen Gesetzesstadt.

Diejenigen Mönche aber, o König, die wahrheitsbegierig sind, liebevoll im Umgang, an dem hohen Gesetze und der hohen Disziplin eine erhabene Freude finden und im Walde, am Fuße eines Baumes oder in einer leeren Behausung weilend, den herrlichen Nektar des Gesetzes schlürfen und, in Werken, Worten und Gedanken gleichsam darin schwimmend, äußerste Beredsamkeit zeigen, in allen Erscheinungen das Gesetz zu entdecken trachten und stets hingehen, um der Rede Nektar zu genießen, wo immer man über Bescheidenheit spricht, oder über Genügsamkeit, Einsamkeit, Abgeschiedenheit, Willensanstrengung, Sittlichkeit, Sammlung, Weisheit, Erlösung und den Erkenntnisblick der Erlösung:—diese Mönche, o König, bezeichnet man als die Trunksüchtigen in des Erhabenen Gesetzesstadt.

Diejenigen Mönche aber, o König, die zu Beginn und Ende der Nacht der Übung der Wachsamkeit sich befleißigen, die sitzend, stehend oder auf und ab wandelnd Tag und Nacht verbringen und, der Geistespflege hingegeben, dem eignen Heile sich widmen, um den Schmutz der Leidenschaften los zu werden:—diese Mönche, o König, bezeichnet man als die Stadtwächter in des Erhabenen Gesetzesstadt.

Diejenigen Mönche aber, o König, die das Neunfache Wort des Erleuchteten, dem Sinne und Wortlaute getreu, mit seinen Methoden und Erklärungen, seinen Begründungen und Vergleichen, immer und immer wieder lehren und vortragen:—diese Mönche, o König, bezeichnet man als die Gesetzeslehrer in des Erhabenen Gesetzesstadt.

Diejenigen Mönche aber, o König, die vermögend und reich sind an Schätzen des edlen Gesetzes und an Kenntnis der Überlieferung, der Texte und ihres Studiums, die genauen Einblick haben in die darin vorkommenden Vokale, Konsonanten und Merkmale (der Ausdrucksweise) und dieselben voll beherrschen:—diese Mönche, o König, bezeichnet man als die Schatzmeister des Gesetzes in des Erhabenen Gesetzesstadt.

Diejenigen Mönche aber, o König, die sich gründlich verstehen auf erhabene Darlegungen, auf Erklärung und Einteilung der geübten Vorstellungsobjekte und in der Übung (von hoher Sittlichkeit, Sammlung und Weisheit) die Vollendung erreicht haben:—diese Mönche, o König, bezeichnet man als die gefeierten Meister des Gesetzes in des Erhabenen Gesetzesstadt.

Auf solch treffliche Weise eingeteilt ist des Erhabenen Gesetzesstadt, o König, solcherart gut gebaut und angeordnet, gut versorgt und befestigt, gut bewacht und behütet und für die Feinde schwer einzunehmen. Sich aber auf die Erklärung und Begründung, auf diesen Schluß und diese Folgerung stützend, mag man erkennen, daß jener Erhabene einst gelebt hat.

Wenn man da eine Stadt erblickt,
Entzückend und schön eingeteilt,
Mag man mit Sicherheit drauf schließen,
Daß ihr Erbauer weise war.

So auch, wenn man des Weltenlenkers
Hehre Gesetzesstadt erblickt,
Mag man mit Sicherheit drauf schließen,
Daß der Erhab'ne einst gelebt.

Mit Sicherheit mag man drauf schließen,
Wenn man des Meeres Wogen schaut:
„Wenn diese Wogen mächtig sind,
Muß auch das Meer gar mächtig sein“.

Und auch von ihm, dem Sorgenstiller,
Dem Buddha, allseits unbesiegt,
Der alle Gier zum Schwinden brachte,
Vom Daseinskreislauf uns erlöst,

Läßt sich durch hundert Schlüsse klar erkennen,
Wenn man die Wahrheitswoge schaut:
„Wie diese Woge mächtig ist,
Muß auch der Buddha mächtig sein“.

Mit Sicherheit mag man drauf schließen,
Wenn hohe Bergeshöh'n man schaut:
„Wenn diese Gipfel hoch schon sind,
Muß hoch sein der Himālaja“.

So auch, wer des Erhabenen
Gesetzesberg, den eisigen,
Erhab'nen, weltentrückten, schaut,
Feststehend, unerschütterlich,

Mit Sicherheit drauf schließen mag,
—Im Anblick des Gesetzesbergs,
Daß auch der höchste Held, der Buddha,
Genau so muß beschaffen sein.

Gleichwie die Menschen, die die Spur
Des Elefantenkönigs sehn,
Mit Sicherheit drauf schließen können,
Daß dieser Ilph gewaltig ist:

So mag auch, wer gesehen hat
Des mächt'gen Buddha-Ilphen Spur,
Sehr bald den sichern Schluß draus ziehn,
Daß Buddha hoch erhaben ist.

Mit Sicherheit mag man drauf schließen,
Wenn man das scheue Wild erblickt,
Daß es erzittert vor der Stimme
Des Leus, des Herrn des Tiergeschlechts.

Und wer die Andersgläubigen
Erregt sieht und im Herzen bang,
Schließt draus, daß des Gesetzes Herr
Die Stimme wohl erhoben hat.

Wenn man die frische Erde sieht
Mit feuchtem, grünem Gras bedeckt,
Mag man mit Sicherheit drauf schließen,
Daß sie der Regen hat erfrischt.

So auch, wenn man die Menschen sieht
Voll Freude, voller Heiterkeit,
Weiß man, daß des Gesetzes Regen
Erfrischung ihnen hat gebracht.

Wenn man die klebrig schmutzige,
Vom Schlamme feuchte Erde sieht,
Mag man mit Sicherheit drauf schließen,
Daß Hochwasser gewütet hat.

So auch, wenn man die Menschen sieht,
Die schmutz- und sumpfversunkenen,
Vom Strom der Wahrheit mitgerissen
Und fortgespült ins Wahrheitsmeer.

—Wenn so die Welt mit ihren Göttern
Man eingeh'n sieht in das Nibbāna-Reich—
Mag man mit Sicherheit drauf schließen,
Daß das Gesetz gewaltig ist.

Mit Sicherheit mag man drauf schließen,
Wenn süße Düfte man gewahrt,
Daß, weil es eben ringsum duftet,
Auch Blütenbäume nahe sind.

So, wem der Duft der Sittlichkeit
Bei Menschen und bei Göttern weht,
Mag man mit Sicherheit drauf schließen,
Daß der Erhab'ne einst gelebt.

Somit, o König, läßt sich durch Hunderte und Tausende solcher Erklärungen, Begründungen, Schlußfolgerungen und Vergleiche die Macht des Buddha dartun. Gleichwie ein geschickter Blumenbinder aus einem Haufen von vielen Blumen nach den Anweisungen seines Meisters und mit Hilfe seines eigenen Könnens eine bunte Masse von Blumensträußen anfertigen mag: ebenso auch war jener Erhabene, gleichwie der bunte Blumenhaufen, erfüllt von unzähligen Tugenden ohne Ende; und ich bin nun hier in des Siegers Lehre der Gärtner, der diese Blumen zum Strauße bindet und der, nach Weise der früheren Meister und mit Hilfe meiner eigenen Verstandesgabe, durch unzählige Gründe und Schlußfolgerungen die Macht des Erleuchteten dartun will. Du aber, o König, mußt willens sein zu hören.“

„Schwerlich, ehrwürdiger Nāgasena, möchte sich wohl irgend ein anderer finden, der durch solche Erklärungen und Schlußfolgerungen die Macht des Erleuchteten darlegen könnte. Entzückt bin ich über deine äußerst vielseitigen Erklärungen dieses Problems.“