Die Fragen des Königs Milinda
Teil 7
Kapitel 3
7.4.2. Das Wasser
„Fünf Eigenschaften des Wassers, sagst du, ehrwürdiger Nāgasena, habe man anzunehmen: welches sind diese?“
„Gleichwie das Wasser, o König, wenn es einen guten Standort hat und nicht erregt und erschüttert wird, von reiner Beschaffenheit ist: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, Hinterlist, Schmeichelei, Andeutungen (um Geschenke zu erhalten) und üble Beeinflussungen meiden und ausgestattet sein mit einem standhaften, unerschütterlichen, ungetrübten und lauter gearteten Wandel. Das, o König, ist die erste Eigenschaft des Wassers, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, das Wasser von kühler Beschaffenheit ist: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, gegen alle Wesen von Nachsicht, Liebe und Freundschaft erfüllt sein und Wohlwollen und Mitgefühl besitzen. Das, o König, ist die zweite Eigenschaft des Wassers, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, das Wasser etwas Unreines wieder rein spült: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, überall, sei es im Dorf oder Wald, nicht streiten mit seinem Berater, seinen Lehrern und Unterweisern und jede Gelegenheit dazu meiden. Das, o König, ist die dritte Eigenschaft des Wassers, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, das Wasser von jedermann begehrt wird: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, wegen seiner Bedürfnislosigkeit, Genügsamkeit, Abgeschiedenheit und Einsamkeit stets von aller Welt geliebt werden. Das, o König, ist die vierte Eigenschaft des Wassers, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, das Wasser niemandem einen Schaden bringt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, weder in Werken, Worten noch Gedanken Böses tun, das unter anderen Hader, Zank, Zwist und Streit erzeugt oder den Verlust der Vertiefung und Mißmut zur Folge hat. Das, o König, ist die fünfte Eigenschaft des Wassers, die er anzunehmen hat. Auch der Erhabene, o König, der Gott der Götter, sagt in der Geburtsgechichte des (Bodhisatta) Kanha:
Willst ein Geschenk du mir verehren,
O Sakka, aller Wesen Herr,
So lasse, mir zuliebe, nie
Den Wesen Qualen widerfahren,
Am Körper nicht, auch nicht im Geist!
Das, Sakka, wähl' ich zum Geschenk.“