Die Fragen des Königs Milinda
Teil 7
Kapitel 4
7.5.7. Der Hirsch
„Drei Eigenschaften des Hirsches, sagst du, ehrwürdiger Nāgasena, habe man anzunehmen: welches sind diese?“
„Gleichwie, o König, der Hirsch bei Tage im Walde und des Nachts in der Lichtung umherstreift: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, bei Tage im Walde und des Nachts in einer Lichtung verweilen. Das, o König, ist die erste Eigenschaft des Hirsches, die er anzunehmen hat. Auch der Erhabene, o König, der Gott der Götter, sagt in der Rede vom Haarsträuben: ‚In solchen kalten Winternächten, Sāriputta, im letzten Mondesviertel, wenn der Reif niederfiel, da weilte ich in einer Lichtung, und des Tags in dem Waldesdickicht. Im letzten Monate des Sommers aber weilte ich bei Tage in einer Lichtung, und des Nachts in einem Waldesdickicht.
Wie ferner, o König, wenn eine Lanze oder ein Pfeil heranfliegt, der Hirsch ausweicht und die Flucht ergreift, aber nicht seinen Körper preisgibt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, wenn die Leidenschaften auf ihn eindringen, sich von ihnen abwenden, fliehen, ihnen nicht das Herz zuwenden. Das, o König, ist die zweite Eigenschaft des Hirsches, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Hirsch, sobald er Menschen erblickt, nach irgend einer Seite flieht, um sich ihren Blicken zu entziehen: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, sobald er Menschen erblickt, die Zank, Hader, Zwist und Streit lieben, sittenlos sind, träge und der Geselligkeit ergeben, sich irgendwohin retten, um sich ihren Blicken zu entziehen und sie selber nicht mehr zu sehen. Das, o König, ist die dritte Eigenschaft des Hirsches, die er anzunehmen hat. Auch der Ordensältere Sāriputta, o König, der Feldherr des Gesetzes, hat gesagt:
Ach, möcht' doch nimmer ich begegnen
Dem Mann, der üble Wünsche hegt,
Dem Trägen, dem's an Tatkraft fehlt,
An Tugend und Gelehrsamkeit.“