Die Fragen des Königs Milinda

Teil 7

Kapitel 4

7.5.6. Der alte Schakal

„Zwei Eigenschaften des alten Schakals, sagst du, ehrwürdiger Nāgasena, habe man anzunehmen: welches sind diese?“

„Gleichwie, o König, der alte Schakal von dem Futter, das er erlangt, ohne Ekel frißt, bis er genug hat: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, die Speise, die er erlangt, ohne Ekel verzehren, eben bloß zur Fristung des Körpers. Das, o König, ist die erste Eigenschaft des alten Schakals, die er anzunehmen hat. Auch der Ordensältere Mahā-Kassapa, o König, hat gesagt:

Ich trat heraus aus meiner Klause
Und ging ins Dorf zum Bettelgang.
Beim Mahle saß ein Mann mit Aussatz,
Und vor ihn trat ich mit Bedacht.

Da reicht' er mit verfaulter Hand
Mir einen Brocken Speise dar;
Und als er in den Napf ihn tat,
Fiel auch ein Finger mit hinein.

An eine Mauer angelehnet
Verzehrt' ich dieses Bettelmahl;
Und weder bei noch nach dem Mahle
Empfand ich Ekel irgendwie.

Wie ferner, o König, wenn der alte Schakal eine Speise erlangt, er nicht untersucht, ob sie grob ist oder fein so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, wenn er eine Speise erhalten hat, nicht untersuchen, ob sie grob ist oder fein, ob wohlschmeckend oder nicht; sondern mit dem, was er erhalten hat, soll er zufrieden sein. Das, o König, ist die zweite Eigenschaft des alten Schakals, die er anzunehmen hat. Auch der Ordensältere Upasena, des Vanganta Sohn, hat gesagt:

Mit derber Kost sei man zufrieden,
Gier' nicht nach allerlei Geschmack,
Denn wenn man nach Geschmäcken giert,
Neigt nicht das Herz zur Sammlung hin.
Mit allem, was man hat, zufrieden,
Erfüllt man das Asketentum.“