Die Fragen des Königs Milinda

Teil 7

Kapitel 5

7.6.10. Die Riesenschlange

„Eine Eigenschaft der Riesenschlange, sagst du, ehrwürdiger Nāgasena, habe man anzunehmen: welches ist diese?“

„Gleichwie, o König, die Riesenschlange mit ihrem gewaltigen Körper gar viele Tage mit halb leerem Magen lebt und elend ist, nicht genügend Nahrung findet, um damit den Leib zu füllen, und, ohne den Leib zu füllen, bloß zur Erhaltung des Körpers nötige Nahrung zu sich nimmt: genau so steht es mit dem Yogi, dem Yogabeflissenen. Er nämlich, der dem Almosengang zugetan ist, anderen um Almosen geht, die Gaben anderer abwartet, nichts selber nimmt, findet schwerlich genug Nahrung, um seinen Leib damit zu füllen. Da soll denn der heilsbegierige edle Sohn die vier oder fünf Bissen essen und den Rest mit Wasser ausfüllen. Das, o König, ist die eine Eigenschaft der Riesenschlange, die er anzunehmen hat. Auch der Ordensälteste Sāriputta, o König, der Feldherr des Gesetzes, hat gesagt:

Sei's trockene, sei's feuchte Speise,
Nie fülle er den Leib zu voll.
Mit dünnem Leibe, mäß'ger Kost
Zieh' klarbewußt der Mönch dahin.

Und hat vier Bissen oder fünf
Er aufgezehrt, trink Wasser er.
Das ist genug zum Wohlbefinden
Für einen selbstentschloss'nen Mönch.“