Die Fragen des Königs Milinda
Teil 8
8. Schlußkapitel
Als nun der König und der Ordensältere ihre Fragen und Antworten beendet hatten, erbebte sechsmal diese vierundachtzig hundert tausend Meilen breite Erde bis zu ihrer Wassergrenze, Blitze zuckten, und die Himmelswesen ließen einen himmlischen Blütenregen nieder strömen, und der große Brahma spendete seinen Beifall. In der Tiefe des Weltmeeres aber entstand ein gewaltiges, donnerartiges Getöse. Und der König Milinda und die Frauen des Palastes erhoben die gefalteten Hände empor und brachten gesenkten Hauptes ihre Verehrung dar.
Der König Milinda aber war im Herzen von Freude erfüllt. In seinem Herzen war jeder Dünkel unterdrückt. Er dachte über den inneren Kern der Botschaft des Erleuchteten nach, frei von jedem Zweifel am Dreifachen Kleinod, frei vom Dickicht der Ansichten, ohne Hartnäckigkeit. Und voll äußerster Freude über des Ordensälteren Vorzüge und über sein mit dem guten Asketenwandel im Einklang stehendes Benehmen, voll Zuversicht, frei von Gier, ohne Dünkel und Eitelkeit, wie eine ihrer Giftzähne beraubte Brillenschlange, sprach der König also: „Vortrefflich, vortrefflich, ehrwürdiger Nāgasena! Gut hast du die Fragen über das Buddhagebiet gelöst. In diesem Orden des Buddha gibt es keinen zweiten, der dir gleichkommt in der Beantwortung von Fragen, ausgenommen den Ordensälteren Sāriputta, den Feldherrn des Gesetzes. Verzeiht mir, ehrwürdiger Nāgasena, meine Fehler. Als Anhänger betrachtet mich, der von heute ab zeitlebens Zuflucht genommen hat.“
Von dieser Zeit nun ab erwiesen der König und seine Minister dem Ordensälteren Nāgasena ihre Ehrfurcht. Der König ließ ein Kloster mit Namen „Milindakloster“ erbauen, vermachte dieses dem Ordensälteren und wartete ihm und den zahllosen leidenschaftserlösten Mönchen mit den vier Bedarfsgegenständen (Gewand, Almosenspeise, Wohnung und Arznei) auf. Und der König, der an dem Wissen des Ordensälteren Gefallen fand, übertrug seinem Sohn die Herrschaft und zog von Hause in die Hauslosigkeit; und durch Entfaltung des „Klarblickes“ (vipassanā) errang er die Heiligkeit. Darum heißt es:
Gelobt in aller Welt wird Weisheit
Und Rede, die im Guten stärkt.
Durch Weisheit Zweifelsucht zerstörend,
Erlangt der Weise höchste Ruh‘.Wer unerschütterlich in Weisheit,
In Achtsamkeit vollkommen ist,
Als höchster Ehre Würdiger
Als Edelster und Bester gilt.Drum möge der verständ'ge Mann,
Der nach dem eignen Heile strebt,
Dem Einsichtsvollen Ehr' erweisen,
Genau wie einem Heil'genschrein.