Petavatthu
Buch 2
1. Selbsterlösung aus dem Saṃsāra
Sāriputta:
Nackt bist du, unschön anzuseh’n,
bist abgezehrt, die Adern frei,
o du, von der man Rippen sieht,
du Mag’re, sag, wer bist du wohl?Petī:
Bin eine Petī ja, o Herr,
ging abwärts, kam in Yamas Welt.
Nachdem ich böses Werk gewirkt,
gelangt ich in die Petawelt.Sāriputta:
Was hast du Böses denn getan
in Taten, Worten und dem Geist,
dass du als Ernte für dies Werk
zur Petawelt hinab gelangt?Petī:
Es nahm sich meiner keiner an, o Herr,
der Vater nicht, die Mutter nicht und kein Verwandter,
der mich zum Gabenspenden hätt veranlasst,
mit heit’rem Herzen, an Asketen und Brahmanen.Seitdem ich wandere herum fünfhundert Jahre
in dieser Missgestalt, in dieser Nacktheit,
verzehrt von Hunger und verzehrt von Dürsten.
Das ist die Frucht von meinem bösen Wirken.Ich fleh: Nimm an dich meiner, o Verehrter,
o Kluger, heitren Herzens, du Vielmächt’ger.
Gib bitte etwas, das auf mich bezogen,
erlöse mich, o Herr, von schlechter Fährte.Sprecher:
„Gut“, sagte Sāriputta drauf
und nahm sich also ihrer an:
Er gab den Mönchen Bissen ab
und eine Handbreit Kleiderstoff
und einen Becher Wasser auch
und widmete dies alles ihr.Sofort nach dieser Zuweisung,
da zeigte sich die Ernte schon
an Speise, Kleidung und an Trank.
Das war hier dieser Gabe Frucht.Darauf in glänzend reinem Kleid
—Benares’ Bestes trug sie wohl—,
geschmückt mit allerschönstem Stoff
kam sie zu Sāriputta gleich.Sāriputta:
Gar überschön bist nunmehr du,
wie du da stehst, o Göttliche,
nach zehn der Seiten strahlend hin,
so wie der Morgenstern es tut.Woher bist du geworden so,
weshalb hast dieses du erlangt
und fallen dir Genüsse zu,
die lieb dem Geiste immer sind?Ich frage dich, o Göttin, du Vielmächt’ge,
du menschennaher Geist, durch welch Verdienst wohl
hast du bewirkt denn, dass du also leuchtest,
dass allerwärts dein Körper herrlich strahlt?Petī:
Die Rippen sichtbar, mager sehr,
ganz nackt, die Haut verwelkt, zerfall’n,
sahst mich auf schlechter Fährte du,
du Seher voll Barmherzigkeit.Den Mönchen gabst du Bissen ab
und eine Handbreit Kleiderstoff
und einen Becher Wasser auch,
und alles widmetest du mir.Die Frucht des Bissens, sieh sie an:
zehntausend Jahre Nahrung ich
genieße, Wünsche sind erfüllt,
Gerichte vielerlei Geschmacks.Die Handbreit Kleidung, sieh sie an,
die Reife, welche das gebracht:
Soviel Gewänder hab ich jetzt,
wie sie der König Nanda hat.Noch viel mehr, als da diese zähl’n,
hab ich, o Herr, an Kleidern jetzt
aus Seidenstoff, aus Wolle auch,
aus Leinen und aus Baumwollstoff.Gar viele sind es, kostbare,
sie hängen mir im Raume hier,
ich kleide immer mich mit dem,
was meinem Geist am liebsten ist.Der Becher Wasser, sieh ihn an,
von welcher Art die Frucht da ist:
Hab Lotosteiche, die gar tief,
viereckig, ausgemessen schön.Gewässer hell, zugänglich leicht,
kühl und von schönem Duft erfüllt,
an blauem, rotem Lotos reich,
von Wasserlilien übersät.So bin ich froh, ergötze mich,
ich freue mich, bin frei von Furcht.
Zu dir, dem Seher mitleidsvoll,
o Herr, dich ehrend kam ich her.