Petavatthu
Buch 2
9. Aṅkura
I.
Kaufmann:
Wenn wir jetzt nach Kamboja zieh’n,
um Reichtum zu erwerben dort,
den Yakkha, der uns Wünsch erfüllt,
den Yakkha woll’n wir nehmen mit.Den Yakkha woll’n ergreifen wir
im Guten oder mit Gewalt,
ihn auf den Wagen legen dann
und schnell nach Dvāraka so fahr’n.Aṅkura:
Vom Baum, in dessen Schatten man
hier sitzen oder liegen kann,
soll keinen Zweig man brechen ab,
ein Freundverräter, bös wäre man.Kaufmann:
Der Baum, in dessen Schatten man
hier sitzen oder liegen kann,
dürft’ fällen man an seinem Stamm,
falls dies von einem Nutzen wär’.Aṅkura:
Vom Baum, in dessen Schatten man
hier sitzen oder liegen kann,
soll man kein Blatt selbst reißen ab,
ein Freundverräter, bös wäre man.Kaufmann:
Den Baum, in dessen Schatten man
hier sitzen oder liegen kann,
dürft’ man mit Wurzel reißen aus,
falls dies von einem Nutzen wär’.Aṅkura:
Bei wem man eine Nacht auch nur im Hause wohnt,
beim Manne, dessen Speis und Trank man dort erhält,
dem darf nicht mal im Geist man Übel wünschen.
Von rechten Menschen Dankbarkeit wird stets gelobt.Bei wem man eine Nacht auch nur im Hause wohnt,
von wem man wird mit Speis und Trank geehrt,
dem darf nicht mal im Geist man Übel wünschen.
Die Hand, die nie verrät, verbrennt den Freundverräter.Wer den, der früher trefflich wirkt,
mit Bösem später schädiget,
solch Mensch schlägt sich mit eig’ner Hand,
wird Gutes nicht erblicken mehr.
II.
Yakkha:
Nicht bin ich leicht von Göttern, nicht von Menschen,
auch nicht von Herrschermacht wohl zu besiegen.
Ein Yakkha bin ich, bin magiegewaltig,
mit Windeseile geh ich, bin gar schön und kräftig.Aṅkura:
Ganz gülden glänzet deine Hand,
fünf Finger triefen honigsüß
und tropfen von verschied’nem Saft.
Bist du wohl der, der Mauern stürzt?Yakkha:
Ich bin kein Gott, kein Elfengeist,
auch Sakka nicht, der Mauern stürzt.
Als Peta kenne mich, Aṅkura,
der von Bheruva hierher kam.Aṅkura:
Wie hast gelebt, gewandelt wie
du früher in Bheruva denn,
aus welchem Brahmawandel sprießt
wohl das Verdienst an deiner Hand?Yakkha:
Ein Schneider bin gewesen ich,
in Bheruva hab ich gelebt,
ich lebte ärmlich, kümmerlich,
zum Geben hatte gar nichts ich.Doch meine Werkstatt hatte ich
ganz nahe bei Asayha dort,
des Gläub’gen, Gabenmeisters, der
verdienstlich wirkte und war fromm.Als Bettler von verschied’ner Art
ich auf den Straßen ziehen sah,
da fragten diese mich alsbald,
wo des Asayha Wohnung sei:„Wie soll’n wir geh’n, Heil mit dir,
wo können Gaben kriegen wir?“
Also gefragt, zeigt’ ihnen ich
die Wohnung des Asayha dann,streckt’ meinen rechten Arm da aus:
„Dort müsst ihr gehen, Heil mit euch,
dort ist’s, wo Gaben man erlangt
im Haus, in dem Asayha wohnt.“Deshalb hab ich die Hand erlangt,
die Wünsch erfüllt, von Honig trieft,
daher durch Brahmawandel mir
Verdienst an meiner Hand entstand.Aṅkura:
Du gabst doch selber keinem da
an Gaben eigenhändig je,
nur geben and’rer freute dich,
als deine Hand den Weg gezeigt.Deshalb hast du die Hand erlangt,
die Wünsch erfüllt, von Honig trieft,
daher durch Brahmawandel dir
Verdienst an eig’ner Hand entstand.Der aber, Herr, der spendete,
mit heit’rem Herz, mit eig’ner Hand,
wohin ist der gegangen wohl,
nachdem den Leib er legte ab?Yakkha:
Der, welcher Unvollbringbares vollbrachte,
des Aṅgirāsen Fährte kenn ich nimmer,
doch hab ich von Vessavaṇa gehört,
dass Asayha zu Sakka sei gegangen.Aṅkura:
Es ziemt sich, Treffliches zu tun,
zu geben Gaben, wie man kann.
Wer wunscherfülln’de Hand geseh’n,
wer würd’ Verdienst da wirken nicht?Wenn ich nun gehe fort von hier
und kehr zurück nach Dvāraka,
dann will ich spenden Gaben reich,
die mich zum Wohle führen hin.Ich werde geben Speis und Trank,
Gewänder, Lager und auch Sitz,
Trinkstätten, Brunnen will ich bau’n,
und Brücken, wo es unwegsam.
III.
Aṅkura:
Warum sind deine Finger krumm,
warum verzogen dein Gesicht,
warum die Augen triefen dir,
was hast du Böses denn getan?Peta:
Aṅgirāsa der Hausner hieß,
der gläubig einst im Hause wohnt’,
von dem war ich da angestellt,
um Gaben für ihn zu verteil’n.Wenn ich die Bettler nahen sah,
die kamen um Almosen her,
dann trat beiseit’ ich und verzog
gar höhnisch dazu mein Gesicht.Deshalb sind meine Finger krumm,
deshalb verzogen mein Gesicht,
deshalb die Augen triefen mir,
solch böses Werk hab ich gewirkt.Aṅkura:
Mit Recht, du schlechter Mensch, ist dir
verzogen nunmehr das Gesicht
und triefen deine Augen dir,
weil über Gaben anderer
du einen schiefen Mund gemacht.Wie kann auch, wer da Gaben gibt,
bedienen eines andern sich
bei Speise, Trank und Kuchen auch,
Gewänder, Lager und dem Sitz?Wenn ich nun gehe fort von hier
und kehr zurück nach Dvāraka,
dann will ich spenden Gaben reich,
die mich zum Wohle führen hin.Ich werde geben Speis und Trank,
Gewänder, Lager und auch Sitz,
Trinkstätten, Brunnen will ich bau’n
und Brücken, wo es unwegsam.
IV.
Sprecher:
Von seiner Reise heimgekehrt,
wieder in Dvāraka zurück,
da richtet’ er die Gabe ein,
die ihm zum Wohl gereichen sollt’.Und er gab Speise und auch Trank,
Gewänder, Lager und auch Sitz,
Trinkstätten, Brunnen baute er,
dabei gar heiter im Gemüt.„Wer hungrig und wer durstig ist,
wer ein Gewand zur Kleidung braucht,
wes’ Zugtiere ermüdet sind,
der möge sie hier spannen aus.Wer Schirm sich wünscht und Wohlgeruch,
Sandalen und auch Blumenschmuck,
der komme her!“—so rufen jetzt
Barbiere, Köche, Parfümiers,
beständig von der Früh bis spät
im Hause des Aṅkura jetzt.Aṅkura:
„Der Schlaf von Aṅkura ist gut“,
so meint die Menge wohl von mir,
doch schlafe schlecht ich, Sindhaka,
weil ich hier keine Bettler seh’.„Der Schlaf von Aṅkura ist gut“,
so meint die Menge wohl von mir,
doch schlafe schlecht ich, Sindhaka,
weil hier so wenig Bettler sind.Sindhaka:
Wenn Sakka einen Wunsch gewährt,
der Dreiunddreißig Götter Herr,
was würdest von der ganzen Welt
du wählen wohl als deinen Wunsch?Aṅkura:
Wenn Sakka einen Wunsch gewährt,
der Dreiunddreißig Götter Herr,
dass wenn ich aufsteh in der Früh,
beim Sonnenaufgang, zu der Zeit,
dann soll’n hier Götterspeisen sein
und tugendhafte Bettler auch,dass Gaben mögen schwinden nicht
und dass Gegeb’nes mich nicht reut,
beim Geben heiter sei mein Herz,—
das wünsche ich von Sakka mir.Sonaka:
Nicht alle Habe gib hinweg an and’re,
gib Gabe zwar, doch hüt’ auch Reichtum;
Reichtum ist darum besser als das Geben,
bei zuviel Geben gibt es nicht Familien.Nichtgeben, auch zuviel davon,
das beides preisen Weise nicht.
Reichtum ist darum besser als das Geben,
ans Mittelmaß sich halte wohl der Kluge.Aṅkura:
Ich möchte aber gerne vielen geben,
’s gibt rechte Menschen noch, und denen gönn ich’s.
So wie die Regenwolke Täler füllet,
so möchte alle Bettler ich erquicken.Wenn das Gesicht bei dem Anblick
Bittender sich erheitert gleich
und man beglückt vom Geben ist,
das ist Bewährung in Verdienst.Bevor man gibt, der Geist sei froh,
beim Geben heiter sei das Herz,
danach beglückt sein stets zutief,
das ist Bewährung in Verdienst.Sprecher:
Stets sechzigtausend Wagen Speis’
im Haus des Aṅkura da sind
gespendet worden täglich nun
den Leuten, auf Verdienst bedacht.Dreitausend Köche sind es hier,
Juwelen, Ohrring tragen sie,
wohnend im Haus des Aṅkura,
beim Gebeopfer tätig gern.Stets sechzehntausend Jünglinge,
Juwelen, Ohrring tragen sie,
zerkleinern wohl das Feuerholz
für große Gabe Aṅkuras.Stets sechzehntausend Frauen noch,
gar schön mit allem Schmuck geschmückt,
verschied’ne Speisen rühren sie
für große Gabe Aṅkuras.Stets sechzehntausend Frauen noch,
gar schön mit allem Schmuck geschmückt,
mit Löffeln stehen sie bereit
für große Gabe Aṅkuras.Gar vielen gab er vieles gern
für lange Zeit, der Adlige,
bedachtsam und mit eig’ner Hand,
im Herz beteiligt immerdar.Zur dunklen, hellen Monatshälft’,
zu jeder Jahreszeit, wie’s sei,
die große Gabe gab er stets
für lange Zeit, der Aṅkura.
V.
Sprecher:
So spendete und opferte
gar lange Zeiten Aṅkura,
und als den Menschenleib er ließ,
kam zu den Dreiunddreißig er.Ein Löffel-Bettelessen gab
jetzt Anuruddha Indaka.
Nachdem den Menschenleib er ließ,
kam auch zu Dreiunddreißig er.Doch Indaka, der übertrifft
ja zehnfach dort den Aṅkura
an Form, an Ton, an Saft und Duft,
an Tastung, die dem Geiste lieb,an Lebensdauer und an Ruhm,
an Schönheit und an Glücklichsein,
an Oberherrschaft übertrifft
der Indaka den Aṅkura.Als bei den Dreiunddreißig einst
Erwachter bei dem Grauen Stein
am Fuße des Korallenbaums,
der Höchste aller Menschen weilt,und als im ganzen Weltsystem
die Götter sich versammelten,
umgaben den Erwachten sie,
verweilend auf dem höchsten Berg.An Schönheit keiner übertraf
den Buddha von der Götterschar,
die Götter übertreffend all
erstrahlt der Vollerwachte da.Zwölf Meilen weit von ihm entfernt
verweilte Aṅkura auch dort,
dem Buddha näher Indaka,
er überstrahlte Aṅkura.Der Vollerwachte blickte hin
auf Indaka und Aṅkura,
das Gabenspenden preisend er
hub an zu sprechen also gleich:Buddha:
Gar lange Zeit hast, Aṅkura,
gegeben große Gabe du,
doch sitzt du weit entfernt von mir,
komm jetzt in meine Nähe doch.Sprecher:
Ermahnt von dem, der innen weit,
erwiderte dann Aṅkura:
Was ist schon jene Gabe wert,
leer war an Gabenwürd’gen sie.Aṅkura:
Der Indaka, der Yakkha hier,
er gab geringe Gabe nur,
doch überstrahlen tut er uns,
gleichwie der Mond der Sterne Schar.Buddha:
Wenn man auf hartem Acker sät,
dann nützt noch soviel Samen nichts,
er bringt nicht reiche Früchte, und
der Ackersmann ist nicht beglückt.So wird auch reiche Gabe, die
an Tugendlose wird verwandt,
nicht reiche Früchte bringen, und
der Geber wird so nicht beglückt.Wenn man auf gutem Boden sät,
dann nützt auch wenig Samen schon,
wenn Regen kommt zur rechten Zeit:
Da wird der Ackersmann beglückt.So wird auch, wenn man wenig gibt
an Tugendhafte, die bewährt,
Verdienst man ernten, reichliches,
mit großer Frucht für solche Tat.Sprecher:
Wer Gaben gibt, der überleg’,
wo große Frucht sein Geben bringt.
Wer überlegend also gibt,
solch Geber in den Himmel kommt.Wer überlegend, wie’s Willkomm’ner lobte,
an Gabenwürd’ge Gaben spendet hier,
solch Gaben bringen große Früchte ihm,
wie Samen, der auf gutes Feld gesät.