Petavatthu
Buch 2
10. Uttaras Mutter
Sprecher:
Es weilte einst zur Mittagszeit
am Gangesufer still ein Mönch.
Da nähert’ eine Petī sich,
gar hässlich, schrecklich anzuseh’n.Die Haare waren überlang,
bis auf die Erde hingen sie,
die dienten ihr als ein Gewand.
Sie sprach zu dem Asketen da:Petī:
Vor fünfundvierzig Jahren hab
das Zeitliche gesegnet ich.
Seitdem kenn weder Essen ich,
noch hab ich meinen Durst gestillt.
Gib bitte mir zu trinken, Herr,
es dürstet mich nach Wassertrank.Kaṅkharevata:
Der Ganges hier mit Wasser kühl
fließt vom Himālaya herab.
Nimm doch daraus und lösch den Durst,
was bittest du um Wasser mich?Petī:
Wenn selber ich mir Wasser hol’
aus diesen Gangesfluten hier,
dann wird es alsogleich zu Blut,
drum bitte ich um Wasser dich.Kaṅkharevata:
Was hast du Böses denn getan
in Worten, Werken und im Geist,
wofür als dieses Wirkens Frucht
dir Gangeswasser wird zu Blut?Petī:
Mein Sohn, der Uttara genannt,
war gläub’ger Laienjünger einst.
Er, gegen meinen Willen, gab
Asketen Kleidung, Essen und
Arzneien, Lager und auch Sitz.Doch ich beschimpfte ihn dafür,
von Geiz im Herzen heimgesucht:
„Das, was du an Asketen gabst
entgegen meinem Willenswunsch,
an Kleidung und an Essen auch,
Arzneien, Lager und auch Sitz,das soll in and’rer Welt für dich
zu Blut dir werden, Uttara.“
Für dieses Wirkens Frucht wird mir
das Gangeswasser nun zu Blut.