Petavatthu
Buch 2
13. Ubbarī
Sprecher:
Einst Brahmadatta König war
als Herrscher über Pañcala.
Als Tage, Nächte gingen hin,
erfüllt der König seine Zeit.Als seine Leiche ward verbrannt,
da weinte Kön’gin Ubbarī,
nicht sehend Brahmadatta mehr,
rief klagend „Brahmadatta“ sie.Ein Seher naht, ein Denker, der
im Wandel wohl bewähret war.
Er fragte die, die dort er traf,
die dort versammelt hatten sich:Seher:
Für wen ist der Verbrennungsplatz,
von Düften mannigfach umweht,
und wessen Gattin hier beweint
den, der da weiterwanderte,
nicht sehend Brahmadatta mehr,
ruft klagend „Brahmadatta“ sie.Sprecher:
Dort antworteten jene ihm,
die dort versammelt hatten sich:
Der Brahmadatta ist’s, o Herr,
heil dir und Brahmadatta auch,es ist dies sein Verbrennungsplatz,
von Düften mannigfach umweht,
und dessen Gattin hier beweint
den, der da weiterwanderte,
nicht sehend Brahmadatta mehr,
ruft klagend „Brahmadatta“ sie.Seher:
Der Tausend sechsunddreißig sind
an Brahmadattas hier verbrannt,
wer dieses Namens ist es dann,
dem du hier trauerst nach, sag an!Ubbarī:
Der König, Sohn der Cūḷani,
der Herrscher über Pañcala,
dem meine Trauer gilt, o Herr,
dem Gatten, der mir alles war.Seher:
Sie alle waren Könige,
die hießen Brahmadatta einst,
sie alle Söhne Cūḷanis,
des Herrschers über Pañcala.Den allen bist der Reihe nach
gewesen erste Königin.
Weshalb lässt du die früheren
und trauerst um den letzten nur?Ubbarī:
Wenn ich als Frau hab’ da gelebt
so lange Zeiten nun, o Herr,
ist’s deshalb wohl, dass du gesagt,
ich kreiste oft im Wandelsein?Seher:
Du warst schon Frau, du warst ein Mann,
auch in den Tierschoß gingst du ein,
was da vergang’ne Zeiten sind,
da findet man kein Ende je.Ubbarī:
Wie Feuer brannte Kummer mir,
in das man flüss’ge Butter gibt;
gleichwie man Wasser gießt hinein,
hast alles Weh du mir gelöscht.Des Kummers Stachel zogst du raus,
der mir in meinem Herz gesteckt.
Den Kummer, der mich ganz erfüllt,
den Gattenkummer nahmst du mir.Der Kummerstachel, der ist fort,
bin kühl geworden, brandgelöscht,
ich trau’re nicht, ich wein’ nicht mehr,
nachdem, ich, Großer, dich gehört.Sprecher:
Nachdem sein Wort vernommen sie,
das wohlgesprochen der Asket,
ergriff sie Mantel, Schale und
ward hauslos eine Pilgerin.Nachdem sie fortgezogen war
vom Haus in die Hauslosigkeit,
entfaltet sie ein liebend Herz,
um einzugeh’n in Brahmawelt.Sie wanderte von Dorf zu Dorf
durch Städte und durch Königsland,
und Uruvela hieß das Dorf,
wo ihre Zeit erfüllte sich.Nachdem ein liebend Herz gepflegt,
erschien sie in der Brahmawelt,
das Frauensein war ihr entreizt,
so kam sie in die Brahmawelt.