Petavatthu

Buch 3

1. Der im Wasser nicht untersank

Koliya:
Ohn’ dass du ein im Wasser sinkst,
da wandelst auf dem Ganges du;
nackt bist du, doch wie kommt dir wohl
als Peta zu ein Blumenschmuck?

Es sprach der Peta alsogleich:
Peta:
Nach Cundaṭṭhīla will ich geh’n,
in Richtung Vāsabhagāma,
das nahe an Benares liegt.

Sprecher:
Als der Minister, der bekannt
ist unter’m Namen Koliya,
ihn hat geseh’n, da gab er ihm
Reisgrütze und ein gelb’ Gewand.

Dann hielt mit seinem Boot er an
und zahlte einen Bader aus.
Der nahm des Peta sich dann an,
wie man sogleich es sehen konnt’.

In feine Kleider dann gehüllt,
geschmückt mit seinem Blumenschmuck,
so stand der Peta danach da.
Die Gabe an ihm man erblickt.
Drum gebe immer wieder man
aus Mitleid an die Petas ’was.

In Fetzenkleidern einige,
andre bedeckt mit ihrem Haar,
so Petas, die auf Essen aus,
man konnte sehen überall.

Nach fernen Landen ein’ge zieh’n,
bekommen nichts und kehren um,
vor Hunger schwach und schwindelig
zur Erde sinken nieder sie.

Und ein’ge fallen davon um,
zur Erde sinken nieder sie.
Weil Treffliches sie nicht getan,
sind sie von Sonnenglut verzehrt.

Petas:
Einst haben Böses wir getan,
als Mütter wir im Hause war’n.
Weil wir gegeben haben nichts,
da schufen wir kein Eiland uns.

Gar viel an Essen und an Trank,
das schütteten wir lieber weg,
als dass wir gaben Pilgern ’was,
die da erreichten höchstes Ziel.

Das Nichtstun, Faulsein liebten wir,
gefräßig, hatten Süßes gern.
Wir gaben Lumpen, Abfall nur
und schimpften die Bedürft’gen aus.

Was Häuser, Dienerinnen und
was unser Schmuck gewesen ist,
das alles dienet ander’n nun,
und Leiden nur ist unser Los.

Sprecher:
Korbmacher sind nicht angeseh’n,
und Wagenbauer sind dubios,
und immer wieder kastenlos,
in Armut oder als Barbier.

Bei solch Familien, niedrigsten,
die elend, dürftig leben stets,
da werden sie geboren dann.
Das ist das Los der Geizigen.

Die aber Treffliches gewirkt
als Geber, die da frei von Geiz,
die gehen in den Himmel ein,
im Wonnehain, da leuchten sie.

Paläste, Schlösser haben sie,
der Wunscherfüllung freu’n sie sich,
hochwohlgeboren werden sie
und bleiben bis zum Tode reich.

In Giebelhäusern, Schlössern mit
Wolldeckenbetten, Pfauenfächern,
in solch Familien, ruhmesreich
sind die gebor’n, die sich besiegt.

Von einem Platz zum anderen
geh’n sie mit Blumen reich geschmückt,
und Diener warten ihrer auf,
von früh bis spät auf Wohl bedacht.

Nicht wer da kein Verdienst erwarb,
nur wer Verdienst erworben hat,
gelangt wohl in den Wonnehain,
wo Kummer nicht, nur Lust regiert.

Wer kein Verdienst erworben hat,
hat hier kein Wohl und auch nicht dort.
Doch wer Verdienst erworben hat,
hat hier schon Wohl und drüben auch.

Wer da Gesellschaft sich ersehnt,
muss vieles tun, was heilsam ist,
und hat er sich Verdienst erwirkt,
dann freut im Himmel Fülle ihn.