Petavatthu

Buch 3

2. Auf dem Berge Sāṇāvāsi

Sprecher:
In Kuṇḍināgara ein Mönch
am Berge Sāṇāvāsi lebt.
Poṭṭhapāda hieß der Asket,
die Sinne hat gemeistert er.

Die Eltern und der Bruder sein
gingen hinab in Yamas Welt.
Weil böse Werke sie gewirkt,
gelangten sie zur Petawelt.

Auf übler Fährte, nadeldürr,
erschöpft und nackt und abgezehrt,
in Schrecken stets, von Furcht gejagt,
sie schämten sich, mit Blut befleckt.

Sein Bruder eilig naht sich ihm,
auch nackt, allein auf einsam Weg,
auf allen Vieren ging er so
und zeigt dem Ordensält’ren sich.

Als dieser aber weiterging,
stillschweigend weiter ging fürbass,
da machte er bemerkbar sich:
Peta:
„Ein Peta bin ich, Bruder dein.

Die Eltern sind, o Herr, gelangt
auf üble Fährte, Yamas Welt.
Weil böse Werke sie gewirkt,
gelangten sie zur Petawelt.

Auf übler Fährte, nadeldürr,
erschöpft und nackt und abgezehrt,
in Schrecken stets und großer Furcht,
erschienen sie mit Blut befleckt.

Nimm uns’rer an dich, voll Erbarm’,
gib etwas und weis es uns zu.
Von solcher Gabe, die du gabst,
erhalten sich die Blutigen.

Sprecher:
Nachdem der Ält’re und die zwölf
zurück von dem Almosengang,
da trafen an dem gleichen Ort
sie sich zur Mahlzeit alle dann.

Der Ält’re wandte sich an sie:
Gebt alles mir, was ihr empfingt,
dem Orden stifte ich ein Mahl
aus Mitleid mit Verwandten mein.“

Sie übertrugen alles ihm,
der Ält’re an den Orden gab’s,
und Vater, Mutter, Bruder er
hat es gewidmet dann also:
„Dies sei für die Verwandten mein,
Verwandten soll es wohl ergeh’n.“

Unmittelbar nach diesem Akt
kam ihnen auch schon Nahrung zu,
gar saub’re und erlesene,
gut angerichtet und gewürzt.

Der Bruder, der jetzt schön und stark
und glücklich, dieser äußerte:
Bruder:
„Gar reichlich Speise gibt’s, o Herr,
doch sieh uns an, wir sind noch nackt.
Bewirke doch für uns, o Herr,
dass Kleidung auch erlangen wir.“

Sprecher:
Es hob der Ältere sodann
vom Kehrichthaufen Fetzen auf,
drapierte sie als Mantel dann
und widmete dem Orden dies.

Verdienst daraus er widmete
den Eltern und dem Bruder gleich:
„Dies sei für die Verwandten mein,
Verwandte sollen glücklich sein.“

Unmittelbar nach diesem Akt
kam ihnen auch schon Kleidung zu.
Gekleidet schön der Bruder gleich,
er wandte sich dem Ält’ren zu:

Bruder:
Soviel der König Nanda wohl
an Garderobe er besitzt,
noch mehr an Kleidern, Mänteln wir,
o Herr, besitzen also jetzt.

Aus Seide und aus woll’nem Stoff,
aus Leinen und aus Flachs sie sind,
gar reichlich sind und kostbar sie,
im Raume um uns hängen sie.

Wir ziehen davon immer an,
was grade unserm Geiste lieb.
Bewirke doch für uns, o Herr,
dass wir besitzen auch ein Haus.

Sprecher:
Aus Blättern baut der Ält’re gleich
’ne Hütte, gab dem Orden sie
und widmete dann das Verdienst
den Eltern und dem Bruder auch:
„Dies sei für die Verwandten mein,
Verwandte sollen glücklich sein.“

Unmittelbar nach diesem Akt,
da standen auch schon Häuser da,
es waren Giebelhäuser schön,
geräumig, vielfach unterteilt.

Bruder:
Es gibt wohl unter Menschen nichts
an Häusern, das da diesen gleicht,
ja, unter Göttern selbst es gibt
an Häusern nichts, das diesen gleicht.

In heit’rem Glanze leuchten sie
nach allen vier der Richtungen.
Bewirke doch für uns, o Herr,
dass auch Getränk bekommen wir.

Sprecher:
Der Ält’re einen Wassertopf
füllt’ voll, gab ihn dem Orden hin
und widmete dann das Verdienst
den Eltern und dem Bruder auch:
„Dies sei für die Verwandten mein,
Verwandte sollen glücklich sein.“

Unmittelbar nach diesem Akt
Trinkwasser war schon reichlich da,
vier große Lotusteiche voll,
gar tief und ausgemessen gut.

Das Wasser klar, der Zugang leicht,
gar kühl und köstlich an Geruch,
von weißem, rotem Lotos voll,
mit Wasserlilien reich bedeckt.

Sie badeten und tranken, dann
erschienen vor dem Ält’ren sie:
Petas:
„Gar reichlich Wasser haben wir,
doch uns’re Füße sind noch wund.

Wenn wir da laufen, treten wir
auf Kieselstein und Schneidegras.
Bewirke doch für uns, o Herr,
dass einen Wagen kriegen wir.“

Sprecher:
Der Ältere nahm einen Schuh,
gab ihn dem Orden in der Welt
und widmete dann das Verdienst
den Eltern und dem Bruder auch:
„Dies sei für die Verwandten mein,
Verwandte sollen glücklich sein.“

Unmittelbar nach diesem Akt
die Petas kamen angefahr’n:
Petas:
„Aus Mitleid gabst du uns, o Herr,
zu essen und was anzuzieh’n,

gabst uns ein Haus, zu trinken auch,
gabst uns ein Fahrzeug noch dazu.
Der voll Erbarmen du, o Herr,
bist in der Welt, dich preisen wir.