Petavatthu

Buch 3

7. Der Wildsteller I

Nārada:
Gar jung bist du, von Frau’n und Männern nachts umgeben,
du glänzt in der Erfüllung deiner Sinneswünsche.
Aus irgend einem Grund am Tage musst du leiden.
Was hast in früherer Geburt du denn getan?

Peta:
Im schönen Rājagaha einst,
am Geierkulm, der lieblich ist,
da habe Tiere ich gejagt,
mit Blut befleckt war grausam ich.

Ich wandelt’ unter Wesen, die ganz harmlos,
doch ich, verderbten Geist’s, war äußerst grausam.
Stets war erfreut ich, anderen zu schaden,
Zurückhaltung, die kannt’ ich überhaupt nicht.

Doch hatt’ ich einen lieben Freund,
ein gläub’ger Anhänger er war.
Er nahm sich meiner freundlich an
und bremste immer wieder mich:

Anhänger:
„Tu fürder keine böse Tat,
sonst gehst auf übler Fährte du.
Wenn später du dir wünschest Wohl,
dann töte nicht, dann zügle dich.“

Peta:
Obwohl ich diese Worte hört,
wohlwollend auf mein Heil bedacht,
nicht folgte gänzlich ich dem Rat,
erfreut am Üblen, lange, stur.

Doch jener Mann, der wirklich weise, immer wieder
nahm an sich meiner, riet mir, mich zu zügeln:
„Wenn du’s nicht lassen kannst am Tag zu töten,
dann züg’le wenigstens dich in der Nacht.“

So tötete ich Tiere nur am Tage,
und nachts enthielt ich mich, gezügelt.
Nun kann ich nachts lustwandeln nach Belieben,
doch tags, da werd’ vom Elend ich gefressen.

Für’s Wirken, das da heilsam ist gewesen,
da leb’ ich außermenschlich nächtens,
doch tags, da wollen wilde Hunde mich verschlingen,
von allen Seiten stürmen sie auf mich da ein.

Die, welche ständig sind verbunden
der Weisung des Willkommnen und ihr folgen,
die, meine ich, erreichen das Todlose,
die Stätte jenseits des Gestaltens.