Petavatthu
Buch 4
2. Serissaka
Sprecher:
Wie sich der Yakkha mit dem Händler traf,
wie das geschah, das mögt ihr hören gut,
wie miteinander sie dann sprachen.
Dem Gutgesagten mögt ihr hören zu.Pāyāsi war ein König einst genannt,
der in Gesellschaft unter Menschen war berühmt.
Ihn, der im eigenen Vimāna sich erfreute,
den Außermenschlichen
die Menschen sprachen an.Gottheit:
Dem Sich’ren fern, in Wildnis, Geisterstätte,
in der Einöde, ohne Wasser, Nahrung,
wo man im Wüstensand nur mühsam wandert,
wo Menschen den Verstand verlier’n
aus Furcht vor’m Abweg,da gibt es keine Früchte und auch keine Wurzeln,
hier gibt es keine Nahrung, die man könnte essen,
hier gibt es nichts als Sand und staubig Erde
und gnadenlose Hitze, die ganz schrecklich.Bratpfanne über’m Feuer gleicht die Ultrawüste,
fern allem Wohl, im Jenseits wie die Hölle,
wo einstmals Räuber hier allein gehaust,
ein ganz und gar verfluchter Erdenstrich.Aus welchem Grunde bloß, aus welcher Hoffnung
habt diese Gegend ihr hier aufgesucht?
Leichtfertig, übereilt scheint ihr gewählt zu haben,
aus Gier, aus Fürchten oder aus Verwirrung?Händler:
In Aṅga-Magadha da stellten wir zusammen
die Karawane mit den vielen Waren,
wir ziehen in das Land Sindhu-Sovīra,
um Reichtum zu erlangen und Gewinn.Als wir den Durst am Tage nicht ertrugen,
als Mitleid wir auch hatten mit den Ochsen,
da zogen schnell des Weges wir dahin
nur noch des Nachts, zur andern Zeit.Doch kamen wir da ab vom rechten Wege,
wie Blinde in der Wildnis gingen wir da fehl,
inmitten von dem Sand, der schwer zu kreuzen,
verlor’n wir die Richtung, wirren Herzens.Doch seh’n wir jetzt, was vorher nie gesehen,
hier dein Vimāna und auch dich, o Yakkha.
Nun fassen Hoffnung, Lebensmut wir alle.
Gesehen dich, erfreut, begeistert und erhoben.Gottheit:
Bis hin zum Meer erstreckt sich diese Wüste,
der Weg ist abgesteckt mit Pfosten und mit Stäben.
Dann gibt es Ströme und Gebirge, schwer zu kreuzen
in jeder Richtung, wenn ihr strebt nach Reichtum.Als ihr die Reiche anderer betratet,
als fremde Untertanen ihr erblicktet,
das, was ihr da gesehen und gehört habt,
dies Wunderbare möcht ich hören gern von euch.Händler:
Nichts Wunderbareres, o Jüngling, gab es,
das wir gesehen unterwegs, gehört auch,
als das, was alle Menschenart hoch übertrifft:
Nicht können satt wir sehen uns
an deiner Schönheit.Im Himmelsraume Lotosteiche fließen
mit Blumen zahllos, vielem weißem Lotos,
und immer gibt es Früchte an den Bäumen,
und wundervolle Düfte wehen überall.Es sind da hundert hohe Pfeiler aus Beryll
und Felskristalle und Korallen viele,
Rubine, Katzenaugen, wo man hin auch blickt,
und Pfeiler, die besteh’n aus Diamanten.Auf tausend Pfeilern, völlig unvergleichlich,
da ruht wohl trefflich sicher dies Vimāna.
Juwelen innen, golden das Geländer,
das Dach gedeckt mit gold’nen Platten, strahlend.Gleichwie geschmolz’nes Gold, so glänzend ist es
mit den Terrassen, Treppen und Geländern,
gefestigt, wunderschön, voll Harmonien,
unübertrefflich anzuschauen für den Geist.In dem Juwel, da gibt es viel an Speis und Trank,
von Scharen vieler Nymphen da umgeben
ertönen Trommeln, Pauken, and’re Instrumente,
und man verehrt euch da mit hoher Achtung.Gleichwie im Lustgarten Vessavaṇa, der König,
so freust du dich, geweckt von Nymphenscharen
auf der Terrasse da des besten der Vimāna,
das unausdenkbar ist an Majestät.Bist du ein Gott, bist du ein Yakkha,
bist du der Götterkönig oder Mensch noch?
Wir Karawanenführer fragen dich, wir Händler,
sag deinen Namen uns, bist du ein Yakkha?Gottheit:
Ich bin ein Yakkha wohl und heiß Akazie,
ich wache über diese Wildnis, diese Wüste,
als Wächter über diese Gegend angestellt,
gehorche ich dem Wort Vessavaṇas, des Königs.Händler:
Ist dies hier ohne Grund erlangt, durch bloßen Zufall,
ist selbstgewirktes, oder gaben es die Götter?
Wir Karawanenführer fragen dich, wir Händler,
wodurch hast dieses Wunderschöne du erlangt?Gottheit:
Nicht ohne Grund ist es erlangt, nicht durch Zufall,
es ist nicht selbstgewirkt, nicht Göttergabe.
Vielmehr ist es erlangt durch eig’nes gutes Wirken,
rein durch Verdienst erlangt ist’s, Wunderschöne.Händler:
Durch welche Praxis, welchen Brahmawandel,
durch Anbau welchen Guten reift dir dieses?
Wir Karawanenführer fragen dich, wir Händler,
wodurch hast dieses Wunderschöne du erlangt?Gottheit:
Pāyāsi, das war einstmals ja mein Name,
als König herrschte ich bei den Kosalern,
ein Nihilist und knickrig, üblen Sinnes,
zur Lehre der Vernichtung hatt ich mich bekannt.Kumārakassapa hieß ein Asket,
der viel gehört, beredt, voll Hoheit,
der hat die Lehre mir gezeigt,
den Ansichtswirrwarr, den vertrieb er mir.Als ich von ihm die Lehre hatt vernommen,
hab ich als Anhänger mich da bekannt.
Lebend’ges umzubringen lag mir ferne,
zu nehmen in der Welt, was ungegeben,
trank keinen Rauschtrank, sprach auch keine Lüge,
zufrieden war ich mit der eig’nen Frau.Das meine Praxis war, mein Brahmawandel,
durch Anbau dieses Guten reift mir dieses,
es ward erlangt durch eig’nes gutes Wirken,
rein durch Verdienst ist es erlangt, dieses Vimāna.Händler:
Die Wahrheit sprechen Männer voller Weisheit,
das Wort der Weisen ist nie anders.
Wohin man mit Verdienst auch geht,
da freut man sich erfüllter Wünsche.Wo aber immer Kummer ist und wo ist Klagen,
erschlagen werden und gebunden, alles Trübe,
dahin geht einer, der da Böses wirkte,
der üblen Fährte, der entgeht er nie.
Während sie noch so sprachen, fiel eine reife Frucht von dem Baum an der Tür des Vimāna, von der Akazie, wo der Göttersohn mit seiner Begleitung stand. Da waren alle plötzlich traurig.
Händler:
Verwirrt erscheint uns jetzt die Menge hier,
ganz plötzlich von gedrückter Stimmung seid ihr.
Was mag der Grund wohl sein für dich und diese?
Was ist’s, das unzufrieden alle macht euch?Gottheit:
In dem Akazienwald hier, meine Lieben,
da strömen Düfte himmlisch, herzerfreuend,
sie machen herrlich duftend dies Vimāna,
bei Tag und Nacht vertreiben Düst’res sie.Doch immer, wenn da hundert Jahre sind verstrichen,
dann platzt bei einer dieser Früchte auf die Hülle.
Vergangen sind ja nun an hundert Menschenjahre,
seitdem in diesem Götterkreise ich erschienen.Fünfhundert Götterjahre habe ich zu leben
in dem Vimāna hier. Wenn dies ich seh, ihr Lieben,
wenn Lebenskraft, Verdienst dereinst erschöpft,
ich sterben muss, drum Kummer mich verstört.Händler:
Wie sollte lange sich bekümmern denn wohl jemand,
der solch Vimāna hat erlangt, so ohnegleichen?
Die da, die nur Geringes an Verdienst erwirkt sich haben,
die mögen wohl betrauern ihre kurze Zeit.Gottheit:
Vorzüglich passend habt ihr mich getröstet,
die ihr so liebe Worte habt gesagt zu mir.
Nun, meine Lieben, seid von mir beschützet,
setzt wunschgemäß jetzt eure Reise glücklich fort!Händler:
Im Lande Sindhu-Sovīra angekommen
auf uns’rer Suche nach Gewinn und Geld,
wir werden deinen Ruhm, Serissa, weit verbreiten,
großzügig freigebig, so wie sich’s ziemt.Gottheit:
Ach, lasst es doch, mich, Serissa, zu rühmen!
Was ihr gewünscht habt, werdet ihr erreichen,
wenn böses Wirken ihr vermeiden werdet,
entschieden fest der Lehre einzig angejocht.Wisst, unter euch ist ein Anhänger Buddhas,
der viel gehört und in der Tugendpraxis fest,
Vertrauen hat er, kann verzichten, freundlich,
klar sehend ist, zufrieden er, vernünftig.Bewusste Lüge mag er sprechen nimmer,
zum Schaden and’rer mag er niemals sinnen,
schlecht macht er and’re nicht durch Hintertragen,
nur sanfte, freundlich Worte mag er sprechen.Mit Achtung und Gehorsam gut erzogen,
ohn’ Böses, tugendhaft, geläutert,
ernährt er beide, Mutter und den Vater,
in rechter Weise, wie es Edlen ziemt.Ich denk, nur wegen seiner Eltern sucht er,
Geld zu verdienen, nicht tut er’s für sich.
Und wenn die Eltern einmal weiterwandern,
neigt zur Entsagung er, zum Brahmawandel.Aufrecht und stetig, heimlich nicht und heuchelnd,
nicht spricht er Worte bloß als Vorwand hingesagt.
Ein solcher, der nur Wohlgetanes wirket,
fest in der Lehre steht, wie träf ihn Leiden?Nur seinetwegen bin ich euch erschienen,
daher folgt wohl der Lehre nach, ihr Händler!
Wär nicht gewesen er, ihr wäret Asche,
zugrund gegangen blind in dieser Wildnis.
Wegwerfend zu behandeln ihn, ist leicht für and’re,
doch glücklich ist’s,
sich rechten Menschen anzuschließen.Händler:
Wie ist sein Name, was tut er beruflich?
Wie wurde er genannt, und woher stammt er?
Wir möchten gerne auch ihn sehen, Yakkha,
um dessentwillen du aus Mitleid kamst hierher.
das ist ja auch Gewinn für ihn, den du beneidest.Gottheit:
Er ist Barbier, Sambhava ist sein Name,
Anhänger er, lebt er von Kamm und Bürste.
Erkennet ihn in eurem Botenjungen,
tut keinen Harm ihm, der ist immer freundlich.Händler:
Wir kennen, Yakkha, ihn, von dem du sprichst,
doch wussten wir nicht, was er wirklich ist.
Wir werden jedenfalls verehr’n ihn, Yakkha,
nachdem solch wicht’ge Worte wir von dir gehört.Gottheit:
Was immer auch für Menschen in der Karawane,
ob jung sie sind, ob alt, ob mittel,
sie alle mögen treten ein in mein Vimāna,
dass sehen Knickrige die Früchte von Verdienst.Sprecher:
Und alle, die da sagten: „Erst komm ich“,
die ließen doch den Vortritt dem Barbier.
So traten alle ein in das Vimāna,
das Vāsavas Masakkasāra glich.Und alle, die da sagten: „Erst komm ich“,
als Laienanhänger bekannten sich:
Lebend’ges umbringen lag ihnen fern,
und nehmen in der Welt, was nicht gegeben,
zu trinken Rauschtrank, zu sprechen Lüge,
zufrieden war’n sie mit der eig’nen Frau.Und alle, die da sagten: „Erst komm ich“,
nachdem als Anhänger sie hatten sich bekannt,
sie zogen weiter mit der Karawane,
durch Macht und Segen ja des Yakkha immer.Nachdem erreicht sie’s Land Sindhu-Sovīra,
auf ihrer Suche nach Gewinn und Geld,
und als erlangt sie an Verdienst gar viel,
da kehrten sicher sie zurück nach Patna dann.Und jeder ging zu seinem Hause sicher,
vereinigt wieder da mit Frau und Kind,
befriedigt, glücklich, froh zufrieden.
Verbreitend weit den Ruhm Serissas,
erbauten sie die Residenz Serissaka.In dieser rechten Weise Menschen folgend,
die in der Lehre steh’n, bringt großen Segen.
Um eines einzigen Anhängers willen
die Wesen alle wurden glücklich so.