Petavatthu

Buch 4

3. Nandaka

Sprecher:
Einst war der König Piṅgala
der Herrscher über Surat da.
Nachdem am Mauriya-Hof er
geweilt, nach Surat kehrt er heim.

Zur Mittagszeit, die glühend heiß,
gelangte er zu einem Sumpf.
Da sah er einen schönen Weg,
doch führt der schön zu Petas nur.

Zu seinem Lenker sprach der Herr:
König:
Der Weg da, der ist wirklich schön,
ist friedlich, sicher, glücklich auch.
So folge, Lenker, diesem Weg,
er führt uns schnell nach Surat hin.

Sprecher:
Es nahm der König diesen Weg,
der vierfach Heerbann folgt ihm nach.
Erschreckt im Herzen dann ein Mann
sprach zu dem Herrscher von Surat:

Wagenlenker:
Dem falschen Wege folgen wir,
haarsträubend ist und furchtbar er.
Vor uns da ist der Weg zu seh’n,
doch hinter uns ist keiner mehr.

Dem falschen Wege folgen wir,
die Männer Yamas sind nicht fern,
es riecht schon außermenschlich hier,
und man hört Laute, schreckliche.

Sprecher:
Erschüttert Surats König sprach
zu seinem Wagenlenker da:
König:
Dem falschen Wege folgen wir,
haarsträubend ist und furchtbar er.
Vor uns da ist der Weg zu seh’n,
doch hinter uns ist keiner mehr.

Dem falschen Wege folgen wir,
die Männer Yamas sind nicht fern,
es riecht schon außermenschlich hier,
und man hört Laute, schreckliche.

Sprecher:
Er stieg auf einen Elefant
und blickt nach allen Seiten hin,
da sah er schönen Feigenbaum,
der guten Schatten reichlich bot,
war einer Donnerwolke gleich,
war dunkelblau, die Spitze schön.

Zum Wagenlenker sprach der Fürst:
König:
Was ist das, was wir sehen da:
Es einer Donnerwolke gleicht,
ist dunkelblau, die Spitze schön?

Wagenlenker:
Ein Feigenbaum ist’s, großer Fürst,
der guten Schatten reichlich gibt,
ist einer Donnerwolke gleich,
ist dunkelblau, die Spitze schön.

Sprecher:
Der König von Surat fuhr hin
zu dem, was er da hatt geseh’n,
was einer Donnerwolke glich,
was dunkelblau, die Spitze schön.

Er stieg vom Elefanten ab,
begab sich zu dem Baume da,
setzt sich an seinem Fuße hin
mit den Ministern, Dienern auch.
Da sah er vollen Wasserkrug
und dazu Kekse mannigfach.

Ein Mann, der einem Gotte glich,
geziert mit jeder Art von Schmuck,
dem Herrn von Surat nähert sich
und redete ihn also an:

Peta:
Willkommen, großer König, hier,
du hattest keinen weiten Weg.
Trink, Majestät, das Wasser hier,
iss von den Keksen, Siegesherr.

Sprecher:
Es trank der König Wasser gleich,
und die Minister, Diener auch,
nachdem die Kekse sie verzehrt,
der Herrscher fragte also dann:

König:
Bist Gottheit du, bist Gandhabba,
bist Sakka du, der Mauern stürzt?
Da wir’s nicht wissen, fragen wir,
als was wir kennen sollen dich.

Peta:
Bin Gottheit nicht, nicht Gandhabba,
bin Sakka nicht, der Mauern stürzt.
Ich bin ein Peta, großer Fürst,
von Surat nach hierher gelangt.

König:
Wie tugendhaft hast du gelebt
in Surat, wie gewandelt einst?
Durch welchen Brahmawandel hast
erlangt du hier nun solche Macht?

Peta:
So höre, großer König, zu,
du Sieger, Reichsvermehrer du,
und ihr Minister, Dienerschar,
Hofpriester, du, Brahmane auch.

Von Surat stamme ich, o Herr,
und war ein Mann, schlecht im Gemüt,
von falscher Ansicht, tugendlos,
war knickerig und schimpfte viel.

Die da zum Geben war’n geneigt,
die hielt von solchem Werk ich ab.
Wenn anderen sie gaben, dann
verhinderte ich es und sprach:

„Für Geben gibt es keinen Lohn,
für Selbstbezwingung keine Frucht.
Es gibt auch keinen Lehrer hier.
Wer würd sich zähmen, wenn’s nichts nützt?

Die Wesen gelten alle gleich,
warum da Ältere verehr’n?
Es gibt nicht Stärke, Willenskraft,
warum sollt höher streben man?

Das Geben bringet keine Frucht,
die Feindschaft läutern kann man nicht.
Nur das erlangt der Sterbliche,
was zusteht ihm, was kommen soll.

Es gibt nicht Eltern, Brüder nicht,
es gibt auch keine and’re Welt,
es gibt nicht Opfer, Spenden nicht,
gibt überhaupt nichts Sicheres.

Wer einen Menschen niederschlägt,
wer einen anderen gar köpft,
der schlägt ja gar nichts Wirkliches,
den leeren Abstand trifft er nur.

Das Leben ist zerstörbar nicht,
achteckig oder kreisrund ist’s,
fünfhundert Meilen ist es groß,
wer könnt zerstör’n das Leben wohl?

Wie Fadenknäuel sich wickelt ab
und immer weiter abgerollt,
genau so rollt das Leben hin,
und immer weiter rollt es ab.

Gleichwie wer da sein Dorf verlässt
und in ein and’res Dorf dann geht,
genau so geht das Leben wohl
in einen and’ren Körper ein.

Gleichwie wer da sein Haus verlässt
und dann ein and’res Haus betritt,
genau so geht das Leben wohl
in einen and’ren Körper ein.

Der Weltzeitalter vierundachtzigtausend
sowohl der Tor als auch der Weise müssen
durcheilen hier im Wandelkreise immer,
bevor für sie das Leiden könnte enden.

Genau bestimmt sind Wohl und Weh,
in Körben zugemessen fest.
Der Sieger alles klar erkennt,
verwirrt ist’s übrige Geschlecht.“

So war die Ansicht, die ich hatt,
verwirrt und von Verblendung voll,
hatt falsche Ansicht, tugendlos,
war knickerig, beleidigte.

In einem halben Jahre nun
wird meine Zeit erfüllt hier sein.
Die Hölle wird mein Los dann sein,
die einzig bitter, schrecklich ist.

Vier Ecken hat, vier Tore sie,
ist regelmäßig eingeteilt,
von Eisenwall umgeben sie,
mit Eisen oben auch bedeckt.

Ihr Boden auch von Eisen ist,
gar feurig glüht und brennet er,
wohl hundert Meilen im Quadrat
erstrahlt sie und bleibt immerdar.

Nach hunderttausend Jahren erst
ein erster Ton zu hören ist.
Dann, großer Fürst, ein Hundertstel
vom Unzählbaren ist vorbei.
Millionen Hunderttausende,
die Wesen leiden Höllenqual,

wenn falscher Ansicht, tugendlos,
sie da beschimpfen Edle gar.
Da muss ich lange Zeiten dann
an Wehgefühlen fühlen viel.
Das ist die Frucht von böser Tat,
da muss ich Kummer leiden lang.

So höre, großer König, dann,
du Sieger, Reichsvermehrer du:
Die Tochter mein, die Uttarā,
—o großer König, Heil sei dir—

sie wirkte gute Werke froh,
hielt Feiertag, war tugendhaft,
gezügelt, gebefreudig sehr,
ansprechbar, frei von bösem Geiz.

Die Übungsschritte brach sie nicht
als Schwiegertochter anderswo,
blieb Jüngerin des Sakyersohns,
des Voll-Erwachten, der bezähmt.

Als einst ein Mönch, der tugendhaft
im Dorfe auf Almosen ging,
bezähmt die Augen, achtsam sehr,
gezügelt bei den Sinnestor’n,

als er von Haus zu Hause schritt,
kam auch zu ihrem Hause er.
Da, großer Fürst,—o Heil sei dir—
hat Uttarā den Mönch erblickt.

Sie gab ihm einen Wasserkrug
und vielerlei an Keksen mit:
„Gestorben ist mein Vater, Herr,
o mög ihm dieses Hilfe sein.“

Kaum hatte dieses sie gesagt,
da stellt sich schon die Reife ein:
Ich kann nun essen, wie ich will,
bin wie König Vessavaṇa.

So höre dieses, großer Fürst,
du Sieger, Reichsvermehrer du:
Die Welt mit ihrer Götterschar,
nicht Höh’ren als Erwachten hat.
Darum nimm Zuflucht du bei ihm
mit Frau’n und Kindern, Siegesheld.

Auf achtgeteiltem Pfad zum Heil,
das Todlose mögest du erfahr’n,
wenn Zuflucht du zur Lehre nimmst
mit Frau’n und Kindern, Siegesheld.

Auf vier der Weg-Etappen fest,
erlangen sie die Früchte dann.
Dies ist der Orden, aufrecht er
in Weisheit, Tugend, Einigung.
Da nimm zum Orden Zuflucht du,
mit Frau’n und Kindern, Siegesheld.

Lebend’ges umzubringen hüte schnell dich,
und Nichtgegeb’nes in der Welt zu nehmen, meide,
trink keinen Rauschtrank mehr, sprich keine Lüge
und bleib zufrieden mit der eig’nen Frau.

König:
Den Nutzen mein, willst, Yakkha, du,
bedacht bist auf mein Heil du, Gott.
Ich tue gern, was du gesagt,
du bist der Lehrer ja für mich.

Zum Buddha nehme Zuflucht ich,
zur Lehre, die die beste ist,
zum Orden nehme Zuflucht ich,
der Menschen und auch Göttern gleich.

Lebend’ges umzubringen hüt ich schnell mich,
und Nichtgegeb’nes in der Welt zu nehmen, meid ich,
trink keinen Rauschtrank mehr, sprech keine Lüge
und bleib zufrieden mit der eig’nen Frau.

Ich schüttle ab die Großmannssucht,
spül fort sie wie ein reißend Fluss.
Ich speie falsche Ansicht aus,
der Weisung des Erwachten froh.

Sprecher:
So sprach der König von Surat,
legt ab die üble Anschauung.
Nachdem Erhab’nen er geehrt,
der Herrscher fuhr im Wagen fort.