Petavatthu

Buch 4

4. Revatī

Buddha:
Den lang entbehrten teuern Mann,
der heil aus fernen Landen kommt,
begrüßet bei der Wiederkehr
all seiner Lieben traute Schar;

so wahrlich, auch empfangen ihn,
der Gutes tat, im neuen Sein
die guten Taten insgesamt,
wie Freunde einen lieben Freund.

Yakkha:
Erheb dich, Revatī, du böses Wesen,
das Höllentor steht für dich offen, Geizige.
Wir werden führen abwärts dich, wo jene klagen,
die Höllenwesen unten, voller Qualen.

Sprecher:
Nachdem gesprochen so die Boten Yamas,
die starken Yakkhas mit den roten Augen
ergriffen Revatī sie an den Armen
und führten sie zunächst zur Götterwelt.

Dabei nahmen die beiden Revatī in die Mitte und führten sie von Straße zu Straße durch Benares, um den Menschen einen Denkzettel zu geben, damit sie des Gesetzes von Saat und Ernte eingedenk blieben. Dann verschwanden sie mit ihr der Sichtbarkeit der Menschen und führten sie in den Himmel der Götter der Dreiunddreißig.

Revatī:
Hell wie die Sonne, funkelnd, glänzend
vor Schönheit, mit einem goldenen Netz bedeckt,
wem eignet dies Vimāna, reich bevölkert,
das glitzert hier gleichwie die Sonnenstrahlen?

Ein Frauenkreis im Duft von bestem Sandel
verschönet dies Vimāna drinnen, draußen,
dass es in seiner Herrlichkeit der Sonne gleicht.
Wer kam zum Himmel, um sich dran zu freu’n?

Yakkha:
Ein Jünger namens Nandiya, der lebte in Benares,
ganz ohne Geiz, ein Gabenherr, für Bitten offen.
Er ist’s dem dies Vimāna eignet, reich bevölkert,
das glitzert hier gleichwie die Sonnenstrahlen.

Ein Frauenkreis im Duft von bestem Sandel
verschönet dies Vimāna drinnen, draußen,
dass es in seiner Herrlichkeit der Sonne gleicht.
Er ist’s, der in den Himmel kam, sich dran zu freu’n.

Revatī:
Ich bin die Frau des Nandiya gewesen,
in seinem Haus die Herrin der Familie.
In dem Vimāna will ich mich erfreuen,
hab kein Verlangen, Höllen zu erblicken.

Während sie noch in dieser Weise redete, schnitten die Yakkhas ihr das Wort ab, indem sie sagten: „Ob du Verlangen hast oder nicht, was nützt dir Verlangen?“ Und sie brachten sie bis vor die Hölle:

Yakkha:
Dies ist die Hölle hier, du böses Wesen.
Verdienst hast du im Leben nicht erwirkt.
Wer geizig ist, wer schimpft, wer übeldenkend,
der wird gelangen nie zum Himmelreich empor.

Nachdem die Yakkhas diese Worte gesprochen hatten, verschwanden sie auf der Stelle, denn ihre Aufgabe war erfüllt. An ihrer Stelle erschienen zwei ähnlich aussehende Höllenwächter, ergriffen sie und zerrten die Widerstrebende in einen Höllenpfuhl. Jammernd rief sie:

Revatī:
Was ist denn dies an Kot, Urin,
was stinkend da erschienen ist,
von wo gärt dieser üble Duft,
von wo weht diese Jauche her?

Höllischer:
Dies ist Saṃsavaka genannt,
wohl hundert Menschenlängen tief,
darin musst hunderttausend Jahr
du kochen, brennen, Revatī.

Revatī:
Was muss mit Körper und mit Wort,
im Geiste auch man Schlechtes tun,
dass man Saṃsavaka verfällt,
wohl hundert Menschenlängen tief?

Höllischer:
Asketen und Brahmanen und
selbst arme Bettler noch dazu,
wer die mit Lügenwort betrügt—,
das ist das Böse, das du tatst.

Daher Saṃsavaka verfällst,
wohl hundert Menschenlängen tief,
wo hunderttausend Jahre du
nun kochen musst, o Revatī.

Dort werden Hand und Fuß dir abgeschnitten,
die Ohren und die Nase ebenfalls.
Da werden Raben, Geier sich versammeln
und fressen deinen Leib trotz geist’gen Sträubens.

Revatī:
Ach, führet mich bloß fort von hier,
ich will auch vieles Gute tun,
will geben, wandeln auch gerecht,
will zügeln und will zähmen mich.
Wie glücklich ist ein jeder doch,
wer gar nichts tat, das ihn noch reut.

Höllischer:
Weil lässig früher du gelebt,
da klagst und jammerst heute du.
Was selber du an Taten tat’st,
die Ernte davon reift dir zu.

Revatī:
Wer aus der Götterwelt zu Menschen kommend
hätt sagen können mir auf meine Fragen:
„Sag ab dem Stock und gebe Gaben
an Kleidung, Lagerstatt und Essen, Trinken,
nicht wer da geizig, schimpft und Böses denket,
wird je ins Himmelreich da gehen ein.“

Ach, könnt von hier ich scheiden ab
und Menschenschoß erlangen dann,
ansprechbar und auch tugendhaft
wär ich und täte Gutes viel
an Geben, Wandel, der gerecht,
würd zügeln und bezähmen mich.

Ein Gartenkloster stiftet ich,
würd Brücken bau’n, was nötig ist,
und Brunnen, Wasserstellen auch,
und wäre heiter im Gemüt.

Beim Vollmond und bei Neumond auch,
bei jedem Halbmondsfeiertag
und auch beim außerord’lichen
die acht Gebote hielt ich ein.

So würd ich feiern Feiertag,
die Tugenden hielt stets ich ein,
vernachlässigte Geben nie—,
so würd es angeseh’n von mir.

Sprecher:
Und während sie noch redete,
trotz allen Sträubens so und so,
kopfüber warfen Revatī
sie in die Schreckenshölle da.

Revatī:
Einst bin verweigernd, geizig ich gewesen,
beschimpfte da Asketen und Brahmanen,
hab wahrheitswidrig meinen Mann getäuscht—,
drum koche ich in dieser Schreckenshölle nun.