Theragāthā
Die Lieder der Mönche
Zehner-Bruchstück
10.3. Mahākappino
Wer das, was noch nicht da, klug in Vorausschau sieht:
das Wohl, den Nutzen und das Nichtwohl, dieses Doppel,
bei dem, der haßt,—bei dem, der Wohl nur wünscht,
sie sehen keine Kluft, die stets den Frieden suchen.Bei wem die Atem-Achtsamkeit
vollendet, gutentfaltet ist,
mit jedem Schritt und Tritt durchübt (vermehrt)
wie sie vom Buddho aufgezeigt:
der strahlt in diese ganze Welt,
gleichwie der wolkenfreie Mond.Ach, wahrlich weiß ist jetzt mein Herz,
unmeßbar weit und gut entfaltet,
durchdrungen ist es, hochgespannt
und strahlt in jede Richtung hin.Er lebt jetzt als ein Weiser nur,—
hat einer Reichtum fahren lassen
und tiefe Weisheit nicht erlangt,
lebt er im wahren Reichtum nicht.Die Weisheit nimmt Gehörtes wahr,
die Weisheit mehr Ansehn und Ruf,
von Weisheit tief ergriffner Mann,
selbst noch im Leiden findet er das Glück.Nicht gilt die Lehreheute nur,
nicht wunderbar und nicht erstaunlich:
geboren wird und Sterben kommt,—
was ist daran wohl so erstaunlich?Geborenem folgt ohne Pause (unaufhörlich)
das Leben und der sich’re Tod,—
(das Leben ständig und der Tod)
die immer neu Gebor’nen sterben:
von solcher Art sind Atemwesen.Nicht ist das Maßstab eines tief’ren Sinns,
was Lebenssinn der vielen andern Menschen,—
die Totenklage führt zu keinem Ruhm,
wird nicht gelobt von strebenden Brahmanen.Dem Weinenden erkranken Aug’ und Körper,
zerstört wird Schönheitskraft und Kraft des Geistes,
von Herzen froh sind alle seine Feinde,
die Wohlgesonnenen sind glücklich nicht.Darum sich sehne, wer Familie hat,
nach weisen Menschen, die gehört schon viel,
mit ihnen wird er Weisheit reich entfalten
und kreuzen mit dem Schiff den Strom, den vollen.