Theragāthā

Die Lieder der Mönche

Zwanziger-Bruchstück

16.3. Telakāni (einer mit kleinen Mengen Öl)

Ach, lange in der Übung eifrig,
die Lehre hab ich durchgedacht,
des Geistes Gleichmaß fand ich nicht,—
so fragt’ ich Wand’rer und Brahmanen:

Wer ging zum Jenseits in der Welt?
Wer tauchte ins Todlose ein?
Ach, wessen Lehre nehm’ ich an,
den höchsten Sinn ganz zu begreifen?

Am Innenhaken saß ich fest,
gleichwie ein Fisch den Köder schluckt,—
saß glücklich in Mahindas Falle,
dem Vepacitti gleich, dem Riesen.

Ich zieh’ ihn an, ich lös’ ihn nicht
mit diesem Jammern, diesem Klagen.—
Wer wird das Weltband lösen mir
und mein Erwachen tief erfahren?

Ach, welcher Wand’rer und Brahmane
zeigt das Zerbrechliche mir auf?
Ach, wessen Lehre nehm’ ich an,
das Alter und den Tod zu bannen?

An Schwanken, Zweifel festgeknotet,
an Ärgerkräfte angebunden,
in Zorn geraten, geistverhärtet,
im Wünschen voller Heftigkeit,—

des Durstes Bogen wird gespannt,
mit zwei mal fünfzehn ausgestattet:
sieh diesen selbstgemachten Toren,
wie er gespalten in sich steht!

Gab fremde Ansichten nicht auf,
Gedankenpfeil, so spitz geschärft,—
von ihm durchbohrt, ich bin geplagt,
bin wie ein Blatt, vom Wind bewegt.

Wenn ich im Innern mich erhebe,
schnell wird gequält das Meingefühl,
die sechs Berührungsreiche und der Körper,
wo er sich drängt allüberall.

Den seh ich nicht, des Heilens kundig,
der mir den Pfeil entfernen kann,—
mit seiner reichen, überlegnen Lehre,
nicht anders mir das Schwanken nimmt.

Wer ohne Messer, ohne Wunde
den Pfeil, der mir im Innern liegt,
und nicht verletzend alle Glieder,
den Pfeil wird einmal mir entfernen?

Der Dhammameister ist der Beste,
zieht böses Gift aus mir heraus,—
mir, der ich in die Tiefe fiel,
hat rettend er die Hand gezeigt.

In klaren See bin ich getaucht,
trag keinen Staub mehr nah an mir,
getrocknet Täuschung ist und Ärger,
die Trägheit nicht mehr ausgebreitet.

Die Unruhwolke hat gedonnert,
die Fesselungsgewitterwolke:
die Führer führ’n zu falscher Ansicht,
sind in Gedanken reizgebunden.

Es fließen überall die Ströme,
das Schlinggewächs steht fest im Boden:
die Ströme wer kann sie wohl stauen?
Das Schlinggewächs, wer spaltet es?

„Zieht eine Grenze Ihr, o Herr,
zu dieser Ströme All-Abwenden!“—
„Nicht soll Dich geistgemachter Strom
wie einen Baum gewaltsam reißen!“

So gab mir, der in Furcht geboren,
im Diesseits sich das Jenseits wünscht,
der Lehrer Schutz und Weisheitswaffe,
als ich dem Weisen-Orden folgte.

Auf Stufen, gut gebaut und rein,
die Kernholzlehre ehern fest
gab er, der ich getragen nun:
„Sei ohne Furcht!“ er sprach zu mir.

Die Sati-Plattform stellt’ ich auf,
bestieg sie und betrachtete
all das, was früher ich bedachte,
wie das am Körper frohe Volk.

Und als ich da den Weg nun sah,
aufs Rettungsboot stieg ich hinauf,
stand auf dem Selbst nicht länger fest,
die Furt sah ich, die allerhöchste.

Den Pfeil, der aus dem Selbst entstanden,
der Werdensbahnen nur vermehrt,
an diesem nicht mehr fortzubau’n,
er zeigte auf den Weg, den höchsten.

So lange Zeit ich schlafend ruhte,
so lange Zeit steh’ ich nun fest:
der Buddho nahm die Fessel mir,
zog böses Gift aus mir heraus.