Theragāthā
Die Lieder der Mönche
Zwanziger-Bruchstück
16.2. Pārāpariyo
Dem Samano kam ein Gedanke,
dem Pārāpariyo, einem Bhikkhu,
dem einsamen, dem sitzenden,
dem abgeschied’nen Sich-Vertiefer:Welch eine Regel mag ein Mensch,
und welche Übung, welch Verhalten
sich selbst zur Pflicht erlegen auf,
und nicht auch irgend etwas quälen?Der Menschen Sinnesfähigkeiten
zum Wohle und zum Nichtwohl führ’n:
die unbeschützten führ’n zum Nichtwohl,
und die beschützten hin zum Wohle.Die Sinne immer gut beschützend,
die Sinne wie ein Hirt bewachend:
ist das sich selbst zur Pflicht geworden,
nicht wird dann irgend was gequält.Wem Augensinn zu den Gestalten
hineineilt und nicht gehalten wird,
wer die Gefahr dabei nicht sieht,
der wird vom Leiden nicht befreit.Und wem der Ohrensinn zu Tönen
hineilt und nicht gehalten wird,
wer die Gefahr dabei nicht sieht,
der wird vom Leiden nicht befreit.Wer das Entkommen nicht kann seh’n,
wenn die Gerüche er verfolgt,
der wird nicht frei von allem Leid,
an die Gerüche hingegeben.Des Sau’ren und des Süßen Spitze,
des Bitter’n Spitze sich erinnernd,
an den Geschmacksdurst festgebunden,
das Herz kommt zum Erwachen nicht.Der schönen sich, nicht abgestoßen,
sich der Berührungen erinnernd,
erregt, vom Reize überwältigt,
vielfältig findet sich das Leiden.Wer seinen Geist bei diesen Dingen
nicht recht vermag zu schützen sich,
von da folgt ihm das Leiden nach
bei eben allen diesen Fünfen.Mit Eiter und mit Blut gefüllt
ist dieses vielerlei Gerippe,
zum Heldenmann gemacht und schön,
wie eine Schachtel hübsch bemalt.Scharf stechend ist Geschmack des Süßen,
des Lieben Fesselung ist Leiden,—
wie Messer, ganz beschmiert mit Honig,
daß es beschmiert, man nicht begreift.Gestalt der Frau, Geschmack der Frau,
und auch Berührung einer Frau,
bei Frauendüften, wer erregt:
der Erregte vielfältig findet sich das Leiden (findet in sich).Ach, diese Frauenströme alle,
durchfließen ständig fünf bei Fünfen,—
bei ihnen einen Wall zu bauen,
wer dazu fähig, heldenhaft:Der ist im Vorteil, Lehr-Sinnkundig,
der ist geschickt, der ist ganz wachsam,—
er mag nun tun voll tiefer Freude
die Pflicht, dem Lehr-Sinn ganz verbunden.Dann sitzt er, in sich fest gezügelt,
vermeidet Pflicht, die nutzlos ist!
„Nicht das ist Pflicht!“ hat er gedacht,
nicht träge, immer wachsam sehend.Und was da sinnvoll ist gezügelt,
und was entsteht an Dhammafreude,
das übernehmt und haltet aufrecht,
das, wahrlich, ist die höchste Freude!Wer da mit großen, schlauen Reden
die Andern zum Begehren treibt,
der hat getötet, führt zum Klagen,
brach mit Gewalt bei Andern ein.So wie beim Bau’n mit Bolzen einen Bolzen
schlägt tief hinein der starke Mann:
so auch die Sinne mit den Sinnen
schlägt tief hinein der Tüchtige.Vertrauen, Tatkraft und die Sammlung (Samādhi)
und Sati-Weisheit stets entfaltend:
hat fünf mit Fünfener getötet,
ganz unverwirrt geht der Brahmane.Der ist im Vorteil, lehrsinnkundig,
begriff den Kern der Unterweisung,
mit allem ist er ganz beim Buddho:
ein solcher Mann läßt Glück gedeih’n.