Theragāthā
Die Lieder der Mönche
Zwanziger-Bruchstück
16.1. Adhimutto (der Hingegebene)
Zum Zweck des Opferns, des Besitzes
zerstörten früher wir so viel,—
zurück blieb nichts als lauter Furcht,
es zittern alle, alle klagen.Du bist in Dir nicht voller Furcht
schön strahlst Du wie aus tiefer Ruhe,—
warum nicht bist Du voller Klagen
bei solcher großen Furcht umher?Es gibt im Inneren kein Leid
dem, der nichts wünscht, Du Hauptmann, Du,—
die Ängste all sind überwunden
dem, der die Fessel abgestreift.Wenn alles Werden ausgeschöpft,
der Dhammo ist ganz klar erschaut,
nicht gibt es länger Todesfurcht,
als wär die Last schon abgelegt.Mein Brahmaleben ist vollbracht
und auch der Weg ist ganz entfaltet:
vorm Tode ist mir nicht mehr bang,
ist aller Krankheit Ende nur.Mein Brahmaleben ist vollbracht,
und auch der Weg ist ganz entfaltet:
sah ohne Süße alles Werden,
getrunknes Gift, schnell ausgespien.Bin Jenseitsgänger, Haftensfreier,
tat, was zu tun, bin Einfluß freier,
zufrieden, wenn das Leben endet (wenn die Zeit vorbei)
wie freigekommen aus dem Schlachthaus.Wer höchstes Dhammatum erlangt,
in aller Welt sieht keinen Sinn,
ist aus dem Flammenhaus befreit,
beim Tode jammert er nicht mehr.Was es auch an Verbindung gibt
und wo er Werden auch erlangt:
all dies ist ohne Ausweg stets,
so ward’s gesagt vom großen Weisen.Wer dieses wirklich so versteht,
wie es vom Buddho aufgezeigt,
nicht greift er mehr nach einem Werden,
als wär’ es glüh’nde Eisenkugel.Nicht gibt es mehr für mich „Ich war“—
„Ich werde sein“ gibt es nicht mehr—
Sankhāras werden nicht mehr sein:
was gäbe es zu klagen da?Das reine Kommen aller Dhammas,
die reine Dauer der Sankhāras:
wer das, so wie es wirklich, sieht,
der kennt nicht Furcht, Du Hauptmann, Du.Gleich Gras und Feuerholz ist Welt—
wenn er mit Weisheit das so sieht,
hat er nicht Mein-Empfinden mehr,
„Nicht gibt es Mein!“ er nicht beklagt.Bin unzufrieden mit dem Leibe,
beim Werden bin ich ohne Wunsch,—
der Körper wird zerbrechen einst,
ein anderer wird nicht mehr sein.Was ihr zu tun habt mit dem Leibe,
das tut, wenn ihr es denn so wünscht!
Nicht wird in mir, dadurch bedingt,
Haß oder Liebe zu euch sein.—Als diese Rede sie gehört,
die alle Haare sträuben läßt,
die Schwerter legten sie zu Boden,
die Jünglinge, und sprachen dies:Was hast Du da nur, Herr, vollbracht?
Wer ist Dein Lehrer wohl gewesen?
Auf Grund von wessen Lehre wohl
wird so erlangt Klaglosigkeit?Der All-Erkenner, Alles-Seher,
der Sieger ist ein Lehrer mir,—
der Groß-Erbarmer ist mein Meister,
der aller Welt ein Heiler ist.
(der ganz erbarmensweite Meister)Er zeigte diese Lehre auf,
die zum Versiegen führt, die höchste,—
auf Grund von dessen Lehre ja
wird so erlangt die Klaglosigkeit.Als angehört des Weisen gutes Wort die Räuber,
da legten sie die Schwerter ab und ihre Waffen,—
die einen lösen sich von ihrem Tun,
die anderen entschlossen sich hinauszuziehn.Und als sie angelangt in des Sugato Botschaft,
entfaltet die Erwachungsglieder-Kräfte, Weise,
von scharfem Geist, die Sinne gut in der Gewalt:
berührten sie Nibbānapfad, den ungeschaffnen.