Theragāthā

Die Lieder der Mönche

Sechzehner-Bruchstück

15.2. Udāyi

Den Menschgewordenen Erwachten,
den selbstgezähmt Gesammelten,
den Wandernden auf Brahmapfad,
den, der an Geistesruhe froh:

Den alle Menschen tief verehren,
den aller Dinge Jenseitsgänger,
die Götter selbst verehren diesen,
so hab’s als Araham gehört.

All Fesselwerk vergangen ist,
im Wald er zum Nibbānam kam,
an Sinnenlustentsagung froh,
wie frei von Felsgeröll das Gold.

Wie glänzt doch dieser Elefant
in dem Himalaya-Gebirge!
Von allen Elefantennamen
der Wahrheitsname höchster ist.

Den Elefanten werd’ ich euch erklären,
von ihm geht nie Bedrängnis aus:
Sanftmut und Freisein von Gewalt
zwei Füße sind des Elefanten.

Die Sati und die klare Einsicht
des Elefanten andern Füße,
Vertrau’n als Rüssel hat der große Elefant,
(Vertrau’n des Elefanten Rüssel)
Gleichmut als weißes Elfenbein.
(Gleichmut das weiße Elfenbein)

Die Sati Nacken, Kopf die Weisheit,
das Forschen ist das Dhammadenken,
der Dhammaschoß das rechte Wohnen (sein Aufenthalt),
die Einsamkeit ist dessen Schwanz.
(die Abgeschiedenheit sein Schwanz)

Der sich vertieft, am Atem froh,
und ist im Innern gut gesammelt,—
es geht der Elefant gesammelt,
es steht der Elefant gesammelt.

Gesammelt liegt der Elefant,
im Sitzen ist er auch gesammelt,—
stets ist der Elefant gezügelt,
dies Elefanten-Meisterschaft.

Er ißt untadelhafte Dinge,
die tadelhaften ißt er nicht,
verdeckte Nahrung er erlangt,
Zusammenhorten meidet er.

Die Fessel fein, die Fessel grob,
jedwede Bindung schnitt er ab,
wohin auch immer er nur geht,
ganz ohne Wünsche geht er da.

Gleichwie im Wasser er entsteht,
der weiße Lotus, weiter wächst
und nicht benetzt vom Wasser wird,
von reinem Duft, der Geist (das Herz) erfreut:

So auch ist in der Welt entstanden
der Buddho, in der Welt er lebt,
wird nicht benetzt mehr von der Welt,
gleichwie vom Wasser nicht der Lotus.

Das große Feuer steht in Flammen,
nur ohne Nahrung hört es auf,—
sind alle Kohlen ausgebrannt:
„erloschen“ wird das wohl benannt.

Um zu verstehn, was das bedeutet,
ein Gleichnis zeigten Kluge auf:
es sehn die großen Elefanten
den Elefanten elefantgezeigt.

Von Reizen frei, von Hassen frei,
von Blendung frei, von Einfluß frei,
den Körper läßt der Elefant,
wird ganz erlöschen, einflußfrei.