Therīgāthā

Die Lieder der Nonnen

Sechzehner-Bruchstück

12.1. PUNNIKĀ (die Volle)

Als Wasserträgerin im Kühlen
ging ich zum Wasser stets hinab,
erschrocken vor der Schwestern Stock:
geplagt von Furcht vor Zornesworten.

Vor wem, Brahmane, du erschrickst,
der immer du ins Wasser stiegest,
und an den zitternd steifen Gliedern
die Kälte allzu stark empfindest?

Als Wissende, o Freundin, du,
o Punnikā befragst du mich,
den, der da gutes Werk nur tut
und schlechtes Werk verhindern will.

Wer da als Alter, wer als Junger
ein schlechtes Werk für sich vollbringt,
der wird durch Wasser untertauchen
von seinem schlechten Werk befreit.

Wer hat dir dieses denn erklärt
als Nichtwisser dem, der nicht weiß:
daß bloßes Wasseruntertauchen
von schlechtem Werke schon befreit?

Zum Himmel werden sie nun geh’n,
die Frösche all und Schildkröten,
die Schlangen und die Krokodile
und all die andern Wasserwesen.

Die Schafe schlachten, Schweine schlachten,
die Fischer und die Wildtierfänger,
die Räuber auch und ihre Henker,
die andern all, die Schlechtes tun:
sie würden auch durchs Wassertauchen
von schlechtem Werke schon befreit.

Wenn alle diese Ströme dir
das Schlechte, einst getan, vertrieben,
sie trieben auch Verdienst dir fort,
und du, du bliebest außerhalb.

Vor wem, Brahmane, du erschrickst,
der immer du ins Wasser stiegest,
das lasse du, o Frommer, sein,
die Kälte soll die Haut nicht treffen.

Den falschen Weg verfolgte ich,
den edlen Weg du fügtest mir,—
das Wassertauchen, meine Freundin,
und diesen Mantel geh ich dir.

Nur deiner soll der Mantel sein,
nicht wünsche einen Mantel ich,—
wenn du dich fürchtest vor dem Leiden,
wenn dir das Leiden gar nicht lieb:

dann tue niemals schlechtes Werk,
im Offnen nicht und nicht geheim!
Wenn du ein wirklich schlechtes Werk
einmal wirst tun oder auch tust:

wirst du vom Leiden niemals frei,
es folgt auch dem, der vor ihm rennt.
Wenn du dich fürchtest vor dem Leiden,
wenn dir das Leiden gar nicht lieb:

dann geh zum Buddho als zur Zuflucht,
zum Dhammo und zum Sangho geh!
Und sammle deine Tugenden!
Das wird dir nur zum Nutzen sein!

Ich geh zum Buddho als zur Zuflucht,
zum Dhammo geh ich und zum Sangho,
die Tugenden ich sammle mir,
das wird mir nur zum Nutzen sein.

Brahmaverwandter war ich früher,
jetzt bin ich, wahrlich, ein Brahmane,—
drei Wissen hab erfahren ich:
bin Sotthiyo, bin Bademeister.