Vimānavatthu

Wege zum Himmel

53. (V, 3): Der Jüngling Chatta

Buddha:
Der unter Menschgebornen ist der beste Lehrer,
der alles, was zu tun, getan hat, Sakyamuni,
der alles überschritt mit Kraft und Stärke:
zu dem Willkomm’nen nehme deine Zuflucht.

Die Lehre reizbefreit und unbewegt, ohn Kummer,
die ungestaltete, die keine Abwehr weckt,
süß, vorteilhaft und gut gegliedert dargelegt:
zu dieser Lehre nehme deine Zuflucht.

Wovon gesagt da ward, dass Geben große Frucht bringt,
das sind die reinen vier der Menschenpaare,
Personen acht, die gut die Lehre sehen:
zu diesem Orden nehme deine Zuflucht.

Buddha:
Nicht leucht die Sonn’ am Himmel so,
nicht Mond und Winterstern so strahlt
wie dieses unvergleichlich große lichte Glänzen.
Wer bist du wohl, vom Himmel du zur Erde kamst?

Die Quelle allen Lichts auf zwanzig Meilen Weite
wird abgeschnitten ja durch dieses starke Glänzen,
ja selbst die dunkle Nacht wird taghell so gemacht
durch dies Vimāna, rein und fleckenlos und schön.

Mit Lotossen verschied’ner Art, mit weißen, roten,
mit andern Blüten übersät, geschmückt unübersehbar,
bedeckt mit einem gold’nen Netz ohn Fehl und Makel,
so leuchtet’s in der Luft, wie sonst die Sonne.

Darin sind Wesen, rot und gelb gekleidet,
mit duftend Aloe, Piyaṅgu, Sandel,
und ihre schöne Haut wie reines Gold erglänzt.
Wie voll mit Sternen ist’s Vimāna so bevölkert.

Da gibt es Männer, gibt es Frauen, endlos schöne,
geschmückt wohl und geziert, zufried’nen Geistes,
sie strömen in die Winde allerbeste Düfte,
sie leuchten gülden und sind noch mit Gold bedeckt.

Von welcher Züglung ist’s dir Reife?
Aus welch Wirkens Frucht dies ist erstanden?
Wie ist erreicht von dir wohl dies Vimāna?
Gefragt also, mög’st du es sagen nacheinander.

Chatta:
Auf diesem Wege hier trafst du den Jüngling
und nahmst dich seiner an, belehrtest ihn.
Nachdem das beste Kleinod er, die Lehre hat vernommen,
„So will ich handeln“, Chatta hat gesagt.

Zum allerbesten aller Sieger nahm ich Zuflucht,
zur Lehre auch und zu der Jüngerschar.
„Das kenn ich nicht“, sagt ich zuerst, o Herr,
doch später tat ich deinem Wort gemäß.

„Von jeder Art von Töten halt dich fern, dem schmutzgen,
denn Weise tadeln’s, sich bei Wesen zügeln nicht“.
„Das kenn ich nicht“, sagt ich zuerst, o Herr,
doch später tat ich deinem Wort gemäß.

„Was da von andren Leuten wird bewacht, geschützt,
was ungegeben, nimmer denk dir anzueignen.“
„Das kenn ich nicht“, sagt ich zuerst, o Herr,
doch später tat ich deinem Wort gemäß.

„Was da von andren Leuten wird bewacht, geschützt,
zu Frauen anderer zu gehen, ist nicht edel.“
„Das kenn ich nicht“, sagt ich zuerst, o Herr,
doch später tat ich deinem Wort gemäß.

„Und spreche nicht, was unwahr, was ist anders,
denn Weise tadeln es, ein Lügenwort zu sprechen.“
„Das kenn ich nicht“, sagt ich zuerst, o Herr,
doch später tat ich deinem Wort gemäß.

„Wodurch Wahrnehmen wird gestört dem Menschen,
dergleichen trinken, das vermeide völlig.“
„Das kenn ich nicht“, sagt ich zuerst, o Herr,
doch später tat ich deinem Wort gemäß.

Nachdem die Übung fünffach ich hatt übernommen,
der Lehre des Vollendeten war nachgefolgt,
ging weiter meine Straße ich, fiel unter Räuber,
die mich ermordet um des Geldes Willen.

Soweit erinn’re ich mein heilsam Wirken,
von weiterem hab keine Kunde ich.
Durch jenen gut geführten Wandel bin ich
zum Dreierhimmel nun gelangt, genieße Wünsche.

Sieh nur, wie da ein Augenblick Kontrolle,
der Lehre folgen nach, bringt solche Reife.
Was mir an Ruhm erglänzte, das sehn andre,
die weniger genießen, an mit Sehnsucht.

Sieh nur, wie Weniges an Unterweisung
auf gute Fährte mich geführt zu Wohlsein.
Wie werden erst, die ständig von dir Lehre hören,
Todloses da erleben, Frieden, denk ich.

Obwohl so wenig ich gewirkt, ist’s groß und mächtig,
wenn in der Lehre des Vollendeten es reift.
Sieh nur, was Chatta Heilsames gewirkt hat,
die Erde überstrahlt er wie die Sonne.

„Was ist das Heilsame, das wir soll’n pflegen?“
Versammelt haben ein’ge sich und es beraten:
„Wenn wieder Menschentum wir einst erlangen,
dann lass uns in dem Tugendwandel wohl verweil’n.“

Der Meister, der viel tut, nahm meiner an sich,
dort, wo ich war, kam er zu mir am frühen Morgen,
und ich ging zu ihm, der da ist die Wahrheit.
„Nimm an dich meiner,
nochmal lass mich die Lehre hör’n!“

Chatta:
Wer immer Sinnesreize überwindet,
den Hang zum Daseinsreiz und die Verblendung,
ein solcher geht gewiss nicht in den Schoß mehr ein,
gelangt zur Wahnerlöschung, kühl geworden.