Vimānavatthu
Wege zum Himmel
63. (V, 13): Der kleine Wagen
Kaccāna:
Du mit dem starken Bogen da,
gestützt auf ihn von festem Holz,
bist Adliger, bist Königssohn,
bist Jäger du, der jagt im Wald?Sujāta:
Bin Sohn des Herrn von Assaka,
im Walde lebe ich, o Herr,
ich sag dir meinen Namen, Mönch:
Sujāta werde ich genannt.Als ich verfolgte hier ein Reh,
gelangt in dieses Dickicht ich,
doch sah ich da anstatt des Rehs
nur dich und blieb ja darum stehn.Kaccāna:
Willkommen, groß ist dein Verdienst,
nicht schlecht ist’s, dass du hierher kamst.
Empfange Wasser hier von mir
und spüle deine Füße ab.Gar kühl ist dieses Wasser hier,
aus Bergeshöhlen hergebracht.
Trink davon etwas, du mein Prinz,
dann setz dich hier ins Gras zu mir.Sujāta:
Vortrefflich deine Rede ist,
ich hör sie, großer Muni, gern,
ist fehlerfrei, hat Sinn, ist lieb,
bedachtsam sprichst du Sinnvolles.Wieso hast Lust du nur, im Wald zu wohnen?
Gefragt von mir, sag an, o Stier der Seher,
dem Pfade deiner Rede will ich lauschen,
dem Wahrheitspfad zum Heile will ich folgen.Kaccāna:
Verletzen Lebewesen nie,
das ist’s, was uns gefällt, o Prinz,
von Stehlen und von Ausschweifung,
von Sichberauschen sind wir fern.Dem Bösen fern, dem Rechten nah,
viel Gutes hören, dankbar sein
und loben, was so sichtbar ist,
das ist es, was ist lobenswert.Fünf Monate nur sind es noch,
dann kommt der Tod zu dir herbei.
Verstehe dieses recht, o Prinz,
und werde frei, solang noch Zeit.Sujāta:
Zu welchem Lande muss ich gehn,
welch männlich Werk muss wirken ich,
durch welches Wissen ich erlang,
dass ich da frei von Alter, Tod?Kaccāna:
Nicht findet irgend sich ein Land,
nicht gibt’s ein Wissen oder Werk,
wodurch, mein Prinz, ein Sterblicher
könnt sich befrein von Alter, Tod.Wer viel besitzt, wer ist sehr reich,
wie Adlige mit ihrem Land,
auch wer hat noch soviel an Geld,
er wird nicht frei von Alter, Tod.Die Söhne Andhakaveṇḍu’s,
die starken Helden, angriffsfroh,
auch ihnen schwand die Lebenskraft,
vernichtet sind für immer sie.Brahmanen, Adel, Bürgervolk,
die Diener, Kastenlose auch,
wer immer auch geboren ist,
er wird nicht frei von Alter, Tod.Die da mit Sprüchen gehen um,
mit den sechs Vedas, Brahmas Werk,
wer immer wissensreich auch ist,
er wird nicht frei von Alter, Tod.Und auch die Seher, stillgemut,
die Büßer, die gezügelt sehr,
auch sie verlassen diesen Leib,
wenn ihre Zeit sich hat erfüllt.Die geistesmächt’gen Heiligen,
die triebfrei taten, was zu tun,
selbst sie den Leib hier legen ab,
Verdienst und Fehl versiegt auch da.Sujāta:
Gar wohlgesprochen, sinnerfüllt
sind deine Verse, Muni groß,
beruhigt bin ich durch dein Wort,
sei du nun meine Zuflucht hier.Kaccāna:
Bei mir nicht nehme Zuflucht du,
zu ihm musst nehmen Zuflucht du,
zum Sakyersohn, dem großen Held,
zu dem auch ich nahm Zuflucht einst.Sujāta:
In welchem Lande weilt er denn,
dein Lehrer, sag, Verehrter, mir.
Ihn zu erblicken will ich gehn,
den Sieger, der ist ohne Fehl.Kaccāna:
Im Lande, das im Osten liegt,
geboren aus Okkākas Stamm,
der Meister war, der beste Mensch,
doch ist erloschen kürzlich er.Sujāta:
Wenn der Erwachte noch gelebt,
dein Meister, dann, Verehrtester, ich
würd tausend Meilen wandern hin,
damit bei ihm ich sitzen könnt.Und wenn er auch erloschen ist,
dein Meister, o verehrter Herr,
da nehme trotzdem Zuflucht ich
zu dem erloschnen großen Held.Zum Buddha komm zur Zuflucht ich,
zur allerbesten Lehre auch,
zum Göttermenschen-Orden noch,
ich nehme also Zuflucht dort.Vom Töten steh ich sofort ab,
was ungegeben in der Welt vermeid ich,
trink keinen Rauschtrank, lüge nicht,
zufrieden mit der eig’nen Frau.Kaccāna:
Der tausendstrahl’gen gleich er leuchtet,
die Himmelsrichtungen erhellend überall,
nach allen Seiten sieben Meilen weit.
Dein großer Wagen, ausgestattet reich,mit goldnen Platten ist versehn er überall,
die Deichsel ausgeschmückt mit Perlen, Edelsteinen,
und die Gravuren, die aus Gold und Silber,
durchsetzt noch mit Beryll, sind wohlgestaltet.Das Vorderteil ist ausgelegt wohl mit Beryll,
am Joch Rubine, die tiefrot,
und diese Rosse, die gedankenschnellen,
sind ebenfalls mit Gold und Silber angejocht.So stehst du da im gold’nen Wagen
wie Götterkönig mit den tausend Rossen.
Ich frage dich, der ruhmvoll ist und klug:
Woher hast diesen Vorzug du erlangt?Sujāta:
Sujāta bin gewesen ich,
der Königssohn war ich, o Herr,
du hast dich meiner angenomm’,
hast mich die Zügelung gelehrt.Mein Lebensende wusstest du,
vom Meister gabst Reliquien mir:
„Verehre sie, o Sujāta,
zum Heile dienen wird es dir.“Nachdem mit Blumen und mit Duft
recht handelnd ich Verehrung zeigt,
verließ ich bald den Menschenleib
und kam zum Wonnehaine hier.Im Wonnehain, der lieblich ist,
wo reichlich Vogelscharen sind,
erfreu ich mich an Tanz und Sang,
umgeben von der Nymphen Schar.